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Hamed Abdel-Samad - Der Untergang der islamischen Welt
Buchinformation
Abdel-Samad, Hamed - Der Untergang der islamischen Welt bestellen
Abdel-Samad, Hamed:
Der Untergang der
islamischen Welt

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(Bücher frei Haus)

In einer Atmosphäre der emotionalen Überladung ist es nahezu unmöglich geworden, Diskussionen um den Zustand bestimmter involvierter Phänomene in der hiesigen Gesellschaft bei einigermaßen klarem Kopf zu führen. Wenn schon im monokulturellen Osnabrück sozialisierte Bundespräsidenten über das Wesen des Islam räsonieren und damit auch den Schwerpunkt in einer Debatte setzen, die sich mit dem Thema Integration befasst, dann ist nicht nur der Alkohol verboten, sondern tatsächlich Hopfen und Malz verloren.

Umso erfreulicher ist es, dass Hamed Abdel-Samad, ein junger, in Deutschland lebender und arbeitender Ägypter, den Zustand des Islam aus eigener Erfahrung betrachtet und einige Noten zu Papier bringt, die vor allem durch ihre distanzierte Sachlichkeit wohl tun und dem interessierten Publikum Erkenntnisse vermittelt, die nur weiter führen können bei dem Bemühen, bestimmte politische Strömungen besser zu verstehen und gesellschaftliche Entwicklungen zu begreifen.

Hamed Abdel-Samad beginnt mit einem historischen Rekurs, indem er gleich bestimmte Mythen von der liberalen Herrschaft des Islams in Andalusien entzaubert, allerdings auf dessen Hochzeiten verweist, die immer verbunden waren mit dem Zulassen fremder Einflüsse und Erkenntnisse und einer ausgewiesenen Liberalität. Problematisch ist die historische Betrachtung gerade unter diesem Aspekt für die Befindlichkeit des gegenwärtigen Islam, weil nach der Reconquista im 13. Jahrhundert bis zum heutigen Tag zu einer Abschottung geführt hat, die keine fremden Einflüsse mehr zugelassen hat.

Der Abschied vom Morgenland, so Abdel-Samad, hat zu einer regelrechten Lust an der Kränkung geführt, die er anhand zahlreicher Beispiele illustriert, die zudem erklärt, warum sich eine regelrechte Wut-Industrie in der islamischen Welt hat herausbilden können, die in der bekannten Irrationalität auf Ereignisse in der Welt reagiert und eine rationale Analyse verhindert.

En passent werden Erkenntnisse gestreut, die die militant islamisch argumentierende Welt in hohem Maße beunruhigen sollten, nähme sie es ernst mit einem Wettbewerb mit anderen Kulturkreisen. Die durchaus gewesene Liberalität in islamischen Gesellschaften hat sich flächendeckend verabschiedet, die Frauen werden schlimmer unterdrückt als sie es je wurden, die meisten Opfer bei fundamentalistisch motivierten Anschlägen sind Muslime, es existiert weltweit kein artifiziell-industrielles Produkt von Rang und Namen aus der islamischen Welt und Bildung ist degeneriert zu einm monoton repetitiven Erlernen der koranischen Urschrift.

Somit ist es nicht erstaunlich, dass der Autor der islamischen Welt den Niedergang bescheinigt, weil sie den weltlichen Aspekt ihrer Herrschaft ignoriert. Dazu gehört freier Geist und Aufklärung, und dazu trägt die Lektüre des Buches bei.

[*] Diese Rezension schrieb: Gerhard Mersmann (2010-11-06)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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