Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Andrea Amerio - Grand Tour Mit Goethe durch das alte Italien
Buchinformation
Amerio, Andrea  - Grand Tour  Mit Goethe durch das alte Italien bestellen
Amerio, Andrea :
Grand Tour Mit Goethe
durch das alte Italien

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

„Sempre neve, case di legno, gran ignoranza, ma denari assai“ zitiert Goethe beim Anblick Neapels ein in der dortigen Bevölkerung weit verbreitetes Vorurteil gegen die Bewohner der Länder aus dem Norden. Immer Nebel soll es dort haben, die Häuser seien aus Holz, es herrsche große Ignoranz, aber Geld, Geld hätten sie bis genug. Auf Neapel trifft tatsächlich genau das Gegenteil zu, das war wohl schon zu Goethe’s Zeiten der Fall. Dort scheint tatsächlich immer die Sonne und die Menschen haben ein sonniges Gemüt, lachen und tanzen und denken nicht an morgen. „Der Neapolitaner glaubt im Besitze des Paradieses zu sein“, schreibt Goethe und vielleicht war das im 18./19. Jahrhundert tatsächlich noch so, denn heute gehört es mehr oder weniger den Touristen.

Wein, Weib und Gesang?
„Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr ein Leben lang“, steht auf Deutsch über einem Torbogen einer Hotelkneipe in Capri, Konterfeis und Bacchanten sind auf die Mauer gezeichnet und ein mit Wein gedeckter Tisch erwartet die Festgesellschaft. Die „cantina degli artisti des Hotels Pagano auf Capri empfing schon damals als das Foto entstand, um 1900, gerne zahlende Gäste aus dem Ausland. Denn auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte eine Reise in den Süden zum bildungsbürgerlichen Repertoire eines aufgeklärten Weltenbürgers. In dem in Seide gebundenen großformatigen Prachtband (XL-Format) werden nicht nur geradezu spektakuläre frühe Italienfotografien aus dem vorletzten Jahrhundert gezeigt, sondern auch Auszüge aus Goethes „Italienischer Reise“ zitiert. In Rom findet sich zum Beispiel folgende Eintragung: „Nach zerstreuenden mitunter peinlich zugebrachten Tagen (…)“. Was Goethe wohl mit „peinlich“ meinte? Frönte er etwa dem Sprichwort von Capri?

Goehte’s Reise in rollender Wohnung
„Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh‘n, im dunkeln Laub die Goldorangen glühn“, ein weiteres bekanntes Zitat zur Beschreibung unseres südlichen Nachbarlandes erzählt auch von den Imaginationen der Reisenden, die den Süden als Gegenentwurf zu ihrem eigenen Land, als Utopie gewissermaßen entwarfen, um genau das zu kritisieren, was ihnen in ihrer Heimat am meisten mangelte: Leichtigkeit, sonnige Gemüter und alte Kultur. Eine Reise nach Italien, die „Gran Tour“, galt im 17. und 18. Jahrhundert als unverzichtbarer Bestandteil der Erziehung junger Männer aus gutem Hause. Allerdings musste Italien damals mit der Kutsche bereist werden, die Pferde führten die „enge rollende Wohnung“, wie Goethe die Kutsche liebevoll nennt, nach Venedig, Bologna, Florenz, Rom und Neapel. 1786 bis 1788 war Johann Wolfgang von Goethe auf den Spuren seines Vaters auf seiner eigenen italienischen Reise. Die meisten Fotografien stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, also nur siebzig Jahre später. Wer Italien kennt, weiß, dass sich in dieser „kurzen“ Zeit nur wenig verändert. Carlo Naya (1816–1882) oder dem, wie Goethe, aus Frankfurt am Main stammenden Giorgio Sommer (1834–1914) gelangen ungemein poetische Ansichten von Markusplatz, Kolosseum, Rauch spuckendem Vesuv und schönen Fischerinnen auf Capri, teilweise koloriert. Viele Fotografien stammen aber auch von unbekannten Künstlern. Die genauen Motive sind hinten im Band nochmals beschriftet, damit man die Orte der Sehnsucht auch selbst auffinden kann.

Grand Tour
Mit Goethe durch das alte Italien
Einführung von Andrea Amerio, Fotografien von Giacomo Brogi, Carlo Naya, Giorgio Sommer, A. Tagliarini, T. Tagliarini u.a., Gestaltung von Maurizio Bartomioli
Deutsch/Englisch
2013. 144 Seiten, 64 Abb.
33,00 x 48,00 cm
in Seide gebunden
Lieferbar
ISBN 978-3-7757-3618-3

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-06-24)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Andrea Amerio ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Die Tafeln zur Farbenlehre und deren ErklärungenGoethe, Johann Wolfgang :
Die Tafeln zur Farbenlehre und deren Erklärungen
Das Universalgenie scheint ebenso wie sein Türmer Lynkeus am Ende des Faust II „zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt“ schreibt Jürgen Teller im Nachwort der vorliegenden Ausgabe von Goethes Farbenlehre. Während seiner italienischen Reisen sei Goethe die Problematik des Farbenwesens wohl zum ersten Mal aufgegangen, wahrscheinlich [...]

-> Rezension lesen


 Wie viel Bank braucht der Mensch? Raus aus der verrückten FinanzweltFricke, Thomas:
Wie viel Bank braucht der Mensch? Raus aus der verrückten Finanzwelt
Thomas Fricke, der Autor des vorliegenden Buches ist nicht irgendwer. Er zählt seit Jahren zu den bekanntesten und profiliertesten wirtschaftspolitischen Kommentatoren in Deutschland. Das Thema seines Buches ist eine konsequente und wohl auch selbstkritische Abrechnung mit dem bisherigen Finanzmarktkapitalismus, der, wie er sehr [...]

-> Rezension lesen


RäuberlebenHartmann, Lukas:
Räuberleben
Lukas Hartmann ist ein großer Meister der Aufbereitung historisch belegter Stoffe und Ereignisse für literarisch anspruchsvolle Romane. Für seinen neuen Roman "Räuberleben" hat er nach eigenen Angaben lange und intensiv nicht nur in den entsprechenden Archiven recherchiert , sondern auch unzählige Gespräche mit [...]

-> Rezension lesen


 Bin ich jetzt reaktionär?  Bekenntnisse eines AltlinkenMohr, Reinhard:
Bin ich jetzt reaktionär? Bekenntnisse eines Altlinken
Selbst nur wenig mehr als ein Jahr älter als der Autor des vorliegenden Buches, habe ich den journalistischen Weg von Reinhard Mohr vom Pflasterstrand, den ich regelmäßig las, über die taz und die FAZ all die Jahre und Jahrzehnte verfolgt. Und natürlich habe ich, mal mehr, mal weniger selbstkritisch meinen eigenen Weg vom [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.013959 sek.