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Marie-Theres Arnbom - Marlene Dietrich
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Arnbom, Marie-Theres:
Marlene Dietrich

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(Bücher frei Haus)

Der unvergleichliche laszive Blick auf dem Cover dieser eben erst erschienen Bildbiographie zeigt „die“ Dietrich als jene femme fatale als die man sie so gerne idealisierte. Auf dem Porträt des Umschlagbildes ist sie gerade erst 39 Jahre alt und wohl auf der Höhe ihres Ruhmes, selbst der Propagandaminister des Dritten Reiches bemühte sich um sie, die wie keine andere dem Irrweg ihrer alten Heimat die Stirn geboten hatte. Marlene Dietrich war nicht nur Schauspielerin, Sängerin, Diseuse, sondern auch ein politischer Mensch, der an der Front die GIs gegen den deutschen Feind unterstützte. Manche kreideten ihr das als Landesverrat an, andere verehrten sie gerade deswegen noch bis heute. Sicherlich prägte sie wie keine andere das Bild der „deutschen Frau“ in den USA oder sogar der Frau schlechthin: Glamour und Courage zeichneten sie genauso aus, wie ihre zeitlosen Tugenden, ihr Anstand und ihre Haltung. Und natürlich auch ihre koketten Blicke, die nicht nur vom Cover dieser Hommage an die Dietrich strahlen, sondern auch im Buchinneren.
1922 war die 21-jährige bei der Aufnahmeprüfung zum Max Reinhardt Seminar zwar noch durchgefallen, der Weg über die Wiener Kammerspiele und das „Cafe Electric“ (ein Film mit der Dietrich, der 1927 in Wien gedreht wurde) machten sie aber bald zur unverwechselbaren Ikone, die die Sängerin Priska Aich im selben Jahr in etwa so beschrieb: „Weißer Teint und herrlich rote Lippen, an denen sie immerzu herum biss (…) Sie war `üppig´ und hatte `schlanke Fesseln´ und zu allem Überfluss war sie jung.“ Die Schöneberger Polizistentochter musste auf ihrem Weg zur Diva wohl noch einiges dazu lernen, denn bis zur Hauptrolle im „Blauen Engel“ vergingen noch weitere harte drei Jahre, doch damit schaffte sie dann wirklich einen Durchbruch sondergleichen, denn Paramount verpflichtete sie gleich für weitere sieben (!) Jahre. Limousine, Chauffeur, Villa und Swimmingpool inklusive. Es folgten „Morocco“ mit Gary Cooper, „Shanghai Express“ oder „Blonde Venus“ und viele andere Filme bis zum „Urteil von Nürnberg“ (1961), einer ihrer wohl politischesten Filme.
Aber das war noch lange nicht alles. Marlene Dietrich machte auch noch eine zweite Karriere als Sängerin, ihr Repertoire umfasste immerhin 160 Lieder und selbst einem Macho wie Ernest Hemingway brach ihre Stimme das Herz: „Wenn sie nichts weiter hätte als ihre Stimme, es genügte, dein Herz zu brechen“, soll der Schriftsteller gesagt haben und dürfte damit wohl nicht nur seinen Landsleuten aus der Seele gesprochen haben. In Rio de Janeiro zum Beispiel standen 25.000 Leute auf dem Flugfeld, nur um sie zu begrüßen. Als sie dann im Frack auftrat sollen die Leute sogar geweint haben, schreibt die Herausgeberin nach Augenzeugenberichten.
Ein weiteres Kapitel ist der Mode gewidmet und zeigt die Dietrich bei der Anprobe oder in vielen Kostümen ihrer Filme oder auch Abendgarderobe. Warum sie Männerkleidung trage? Auch das erfährt man und dazu die nachdrückliche Empfehlung der Dietrich, dass nicht alle Frauen diese tragen könnten: „Man muss unbedingt dem femininen Typ angehören, muss groß und schlank sein und soll womöglich breite Schultern und schmale Hüften haben“, so die Dietrich. Damit meinte sie wohl vor allem sich selbst, kann man annehmen.
Mit „Ich habe noch einen Koffer in Berlin“ wurde sie dann auch von den meisten Deutschen nach dem Krieg wieder ins Herz geschlossen. Dass die Dietrich von ihrer Europareise 1933 aber ganze 27 Koffer (!) mit Pariser Mode zurück in ihre neue Heimat, die USA, brachte, wird gemeinhin verschwiegen, den meisten Platz nahmen wohl ohnehin ihre geliebten Hüte weg. Das Rezept ihres Erfolges liegt aber nicht nur im Remake ihres Gesichtes durch Sternberg, sondern vielleicht auch in diesen Worten: „Über mein Leben zu sprechen interessiert mich nicht. Der Glanz des Ruhms hat mich immer gleichgültig gelassen, ich fand ihn lästig, lähmend und gefährlich. Ich habe es nicht darauf angelegt, ich habe ihn verabscheut. Die Bewunderung von Unbekannten lässt mich kalt.“ Kommt daher dieser unwiderstehliche kühle Blick?
Die Fotos in vorliegendem Bildband zeigen Marlene Dietrich auch während ihrer zweiten Karriere als „Diseuse“ auf den Bühnen der Welt, mit den Beatles oder der Knef, beim Proben mit Zigarette oder im Kreise ihrer vergrößerten Familie: Freunde, Kollegen, Regisseure. Immer elegant und perfekt inszeniert, makellos und aufrecht. Das letzte Mal stand sie 1978 vor der Kamera, 1992 starb sie in Paris. Im Anhang der vorliegenden Publikation finden sich neben einer kompletten Filmographie ihrer Stumm- und Tonfilmära auch eine kurze Vita und natürlich eine Unzahl an wunderschönen Fotos der wohl elegantesten Frau der Welt.

Marie-Theres Arnbom
Marlene Dietrich | Ihr Stil. Ihre Filme. Ihr Leben.
Format 24 x 32 cm, 320 Seiten, ca. 300 Abb.
Hardcover
Christian Brandstätter Verlag
www.cbv.at
ISBN 978-3-85033-306-1
€ 49,90, sfr 81,00

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2010-09-27)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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