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Rezensionen


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Michael S. Aßländer - Handbuch Wirtschaftsethik
Interdisziplinärer Überblick
Das die Ethik abhanden gekommen ist (so sie in Breite
überhaupt wirtschaftlich vorhanden war), dass man sich nach
dem „rheinischen Kapitalismus“ zurücksehnt, nach der
„Deutschland AG“ trotz allen Filzes und aller
Festgefahrenheit der 50er und 60er Jahre des letzten
Jahrhunderts, spricht natürlich Bände über den (praktischen)
Zustand der Wirtschaftsethik dieser Tage. Somit ist das
vorliegende Handbuch durchaus ein thematisch hoch aktuelles.
Im Buch allerdings liegt kein einfaches „Programm für Ethik“
vor, keine populistischen „einfachen Regeln“ und kein
vordergründiges (und eher einfaches) Werturteil über die
gegenwärtige ethische Grundhaltung des Wirtschaftens und der
daran beteiligten Akteure.
In interdisziplinärer Breite, klaren Rahmungen und
notwendiger Tiefe legt Michael S. Aßländer als Herausgeber
einen umfassenden Blick auf das Fach aus wissenschaftlicher
Perspektive vor, in welchem die Wirtschaftsethik in ihrer
Begriffs- und Entwicklungsgeschichte ebenso gewürdigt wird,
wie Grundprobleme, Instrumente und Konzepte
wirtschaftsethischen Denkens und Handeln ausführlich
vorgestellt werden.
Eine umfassende Betrachtung, die natürlich auch die
gegenwärtigen Fragen und Problematiken aufnimmt und diese
als Ansatzpunkt des Themas gestaltet. In der Einleitung
bereits rekurriert Aßländer auf diese „Aktualität“ des
Themas und verknüpft diese mit der grundlegend bedeutsamen
Frage der „Beurteilung unternehmerischer Aktivitäten im
Rahmen von Fragen der moralischen (und ethischen)
Integrität“. Von öffentlicher Seite her, aber auch von
Unternehmensseite selbst sieht Aßländer diese Aufmerksamkeit
auf das Thema zunehmen.
Im Aufbau des Buches nun legt Aßländer strukturiert
nacheinander den Schwerpunkt zunächst die philosophischen
Grundlagen (Wirtschaftsethik als Teil der Philosophie) und
die theoriegeschichtlichen Hintergründe der Wirtschafts- und
Unternehmensethik. Vor allem die sorgfältige Darstellung der
wichtigsten theoriegeschichtlichen Entwürfe (die soziale
Marktwirtschaft, die katholische Soziallehre, die
evangelische Sozialethik, die integrative Wirtschaftsethik
als „große“ Konzepte , aber auch der republikanische, der
ordnungstheoretische und der geouvernancethische Ansatz)
liegen hier in fundierter Darstellung vor.
Im weiteren wendet sich das Buch zentralen wirtschafts-
unternehmensethischen Ansätzen zu und zieht vor allem einen
(wichtigen) angemessen dargestellten Vergleich zwischen der
Entwicklung der deutschsprachigen Wirtschaft und der
angloamerikanischen Wirtschaft im Blick auf die (doch
durchaus verschieden) vorliegenden und weiter sich
entwickelnden ethischen Grundlagen des Wirtschaftens.
Die theoretische Diskussion des Themas erfolgt in Kapitel V,
vor allem unter Berücksichtigung jenes
„Spannungsschwerpunktes“, an dem es zu Reibungen zwischen
einerseits ethischen Erkenntnissen und ethischen
Handlungsweisen und ökonomischen Anforderungen kommt. Dass
diese Spannungen nichtunaufgelöst im Raum verbleiben müssen,
das weist Aßländer nachvollziehbar und fundiert in den
nächsten Kapiteln nach. Instrumente der Wirtschaftsethik
(Wertemanagement, Sozialstandards, Ethics Officer u.a.)
werden dargestellt, deren Zielrichtung eine „Integration der
gesellschaftlichen Verantwortung in das Alltagshandeln der
Unternehmens zum Ziel haben, innerhalb derer auch die
unternehmerische Verantwortung zur „Annehme einer ethischen
Implementierung“ dargelegt wird.
Im Folgenden differenziert das Buch den allgemeinen Begriff
„Wirtschaftsethik“ in „Bereichsethiken“ hinein auf.
Marketing, Management, Unternehmensführung,
Unternehmensorganisation, Investment, Teilbereich, die mit
ihrer je eigenen Zielrichtung und ihrem je eigenen
Stellenwert im Unternehmen auch eigenen Regeln zum Teil
folgen und im buch in diesem Stellenwert aus ethischer Sicht
betrachtet werden.
Im letzten Teil des Buches schließt Aßländer den Kreis zum
Anfang, noch einmal rückt die aktuelle Diskussion
konzentriert in den blick und zukünftige Herausforderungen
der Wirtschaftsethik werden auf diesem Status quo benannt,
wie auch die Wechselwirkung der aktuellen Weltlage im Zuge
der Globalisierung ebenfalls Einfluss nehmen wird auf
Fragestellungen der Wirtschaftsethik.
In teils hochkomplexer Form legt Michael S. Aßländer eine
umfassende Darstellung und Untersuchung der Entwicklung, der
Geschichte und der aktuell möglichen Anwendungsbereiche und
Instrumente der Wirtschafts- und Unternehmensethik vor. Als
wissenschaftliches Buch in erster Linie zur Beförderung der
wissenschaftlichen Diskussion gedacht, bedarf es einer hohen
Konzentration, sich in das Buch und die einzelnen
Themenfelder einzuarbeiten. Eine Konzentration, die sich
allerdings überaus lohnt, denn in wenigen anderen
Darstellungen liegt eine solch umfassende und, in Teilen,
auch praxisorientierte Darstellung des Themas vor.
[*] Diese Rezension schrieb: Michael Lehmann-Pape (2011-11-15)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
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