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Banksy - Banksy - Exit Through the Gift
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Banksy:
Banksy - Exit Through
the Gift

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(Bücher frei Haus)

„Banksy. Graffiti artist“ wird als Berufsbezeichnung eingeblendet. Die Stimme verfremdet, Kapuzensweater, Gesicht eingeschwärzt, im Schatten: so setzt sich Banksy in „seinem“ Film oder dem Film über ihn in Szene. Doch zuerst soll es um den französischen Dokumentarfilmer Thierry Guetta gehen, schließlich hatte er die Idee über Banksy einen Film zu drehen. Eigentlich war er Klamottenverkäufer, bis sich sein Leben plötzlich dramatisch ändern sollte, nämlich als er begann, seinen Cousin beim „Kacheln“ der Städte zu filmen. Thierrys Cousin war nämlich der „Space Invader“, einer der ersten der neuen Bewegung, die begannen, mit ihren Zeichen das Gesicht der Städte der Welt zu verändern. Street Art war geboren! Und Thierry plötzlich mitten drin in einer neuen sozialen Bewegung.
„Zeus“ war ein anderer Vertreter, den Thierry als einer der ersten sogar bei seiner Arbeit fil-men durfte. Filmen bei Nacht wurde zu einer neuen Passion für Thierry, es war gefährlich, denn erwischt zu werden, bedeutete auch für den Filmer dramatische Konsequenzen. Banksy kommentiert den Werdegang des Dokumentarfilmers mit den Worten, dass Thierry zum rich-tigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen sei. Denn die Kunst des ausgehenden 20. und be-ginnenden 21. Jahrhunderts war nicht gemacht für die Ewigkeit, sie wurde oft überpinselt, überklebt oder ganz einfach zerstört. Thierry machte diese Kunst mit seiner Kamera unzer-störbar und erhielt sie damit für die Ewigkeit. Die Materialien der Street Art waren schließlich nicht aus Marmor oder Stein gemacht, könnten also unmöglich die Jahrhunderte überdauern, wie etwa ein Michelangelo oder Giacometti. Doch dann kam Thierry Guetta!
Der Space Invader in Los Angeles diskutiert dann mit den Vertretern des gefürchteten LAPD, ob seine Kunst nun Graffiti sei und verboten oder eben nicht. Gottseidank lernt er dann den Grafiker Shepard Fairey kennen, der mit “Andre, the Giant“ und „obey“ (der Aufforderung zum Gehorsam) berühmt wurde. Derselbe Shepard porträtierte auch einen damals noch völlig unbekannten Senator, der heute übrigens der erste farbige Präsident der Vereinigten Staaten ist. Shepard und Space Invader werden also von Thierry am Hollywood Boulevard gefilmt, aber auch gleich von den Street Artists fürs Schmiere stehen eingespannt. Aus der Street Art Documentary wurde dann später der vorliegende Banksy Film, in dem auf typische Guerilla-Art, die Kamera auf den Kameramann gerichtet wird. Banksy filmt also Thierry, könnte man glauben, und das hat auch einen ganz bestimmten Grund.
Thierry war nicht einfach nur ein Filmer, er war auch ein Komplize, lobt ihn Shepard, er habe schließlich großen Respekt für „passion“ (Leidenschaft). Und das war es wohl auch was Thierry antrieb, sonst hätte er sein Projekt wohl nicht verwirklichen können und Sweet Toof & Cyclops, Ron English, Swoon, Dotmasters, Borf und all die anderen bei ihrer illegalen Arbeit filmen dürfen. „Sorry about your, wall, Borf“ sprüht letzterer mit Graffiti auf eine Wand in NYC. Hier sind die Polizisten so freundlich sich danach zu erkundigen, ob er überhaupt Englisch spreche, um ihn dann ebenso freundlich darauf aufmerksam zu machen, dass das Filmen selbst absolut illegal sein.
Banksy wird dann von einem Beobachter („viewer`s video“) gefilmt, wie er in der Tate Britain Gallery in Pimlico ein eigenes „Gemälde“ an einer Wand im „landscape room“ befestigt und so weiß endlich auch Thierry worauf er hinaus will. Dank seiner hervorragenden Kontakte (siehe oben) kommt er schließlich auch an den ganz Großen ran. „When it was filmed, for me it was done.“ Dafür gibt es einen ganz persönlichen Grund, wie der Zuschauer erfahren muss, dazu auch noch einen ziemlich schmerzlichen.
In der West Bank setzt nicht nur Thierry, sondern auch Banksy seine Arbeit fort. Das Graffiti an der Gaza Mauer machte internationale Schlagzeilen. Bis eines Tages das Telefon klingelte. Banksy erzählt, dass er von Thierry gehört hatte, weil dieser Space Invader kenne und dieser kenne wiederum „die besten Wände in L.A.“ (O-Ton). So fanden die beiden doch noch zuei-nander. „Er sah aus wie einer von 1860“, erzählt Banksy, „mit seinem Backenbart und dem Schnurri“, doch von Banksy selbst sieht man nur seine Hände (mit Ehering und Perlenarm-band) und seine Kapuze. „Er war einfach mehr als was ich erwartete…er ist das, was er reprä-sentiert… er ist…I really like him!“, so Thierry über Banksy.
„Das interessanteste meiner Arbeiten sind die Reaktionen darauf“, sagt Banksy intellektuell verschworen und an Bescheidenheit kaum zu übertreffen an einer Stelle der Doku und an ge-nau dieser Stelle kommt Thierry dann ins Spiel. Dieser konnte die Reaktionen auf den „Robin Hood“, die „Legende“ dann für die Nachwelt festhalten und so wohl auch Banksy selbst sich endlich einmal davon überzeugen, was seine Arbeiten beim vermeintlichen Publikum auslös-ten. „We were laughing our drains,“ kommentier Banksy. Und auch wenn Thierry in seiner Bewunderung fast etwas naiv wirkt, besonders als ihm Banksy seine Lady Di Pfundnoten zeigt und dieser es erst gar nicht kapiert, wie gefährlich das ist, was Banksy da getan hat, ist der Filmer doch ein sehr sympathischer Kerl mit dem Herz am rechten Fleck, glaubt man zu-mindest noch bis dahin. Vielleicht hat ihm Banksy deswegen so vertraut? Bis Thierry dann wirklich im wahrsten Sinne des Wortes „größenwahnsinnig“ wird, ganz im Sinne Shepards.
Am Jahrestag von 911 besuchen die beiden Disneyland und hinterlassen an einer extra fürs Fotografieren vorgesehenen Stelle eine Guantanomobaypuppe. Dann kommen die Leute, „die nicht in Disneyland sind, um dort Spaß zu haben“ und verfolgen Thierry während Banksy auf einem Karussell verschwindet. Aber Thierry zeigt dann doch noch wie schlau er ist und erntet dafür nicht nur von Banksy Bewunderung. „He was my guy afterwards“, kommentiert Bank-sy. Aber das wird er später bereuen.
„Barely Legal“, die Ausstellung in einem skid row von L.A. markierte die Kehrtwende für Street Art und seine Exponate erzielen seither sechsstellige Beträge. Die Telefonzelle von Banksy zum Beispiel um lächerliche 550.000. „Plötzlich ging alles um Geld, dabei ging es nie Geld. Thierry, du hast die Kamera, du kannst die wahre Geschichte erzählen“, schließt Banksy den Kreis zu seinem französischen Freund, „mach endlich deinen Film“. So entstand „Life Remote Control“ (ebenfalls auf dieser DVD unter den EXTRAS), womit Banksy gar nicht zufrieden war und begann seinen Film selbst zu machen. So wurde der Film über Banksy zu einem Film über Thierry Guetta aka MBW: „Mister Brain Wash“. Another new street artist was born!
Der nunmehr völlig entfesselte Thierry Guetta beginnt nunmehr als MBW seine eigene Street Artist Karriere, er verpfändet sein Haus und steckt alles in sein neues Projekt. Erst unter Schmerzmitteln wird ihm bewusst, was er getan hatte und bricht sich kurz vor Eröffnung sei-ner Vernissage auch noch seinen Fuß. Zur Vernissage kommen dann 4.000 Besucher und in der ersten Woche setzt er eine Million Dollar um. Jetzt distanzieren sich auch seine ehemaligen Freunde von ihm und Banksys Werbesatz für die Ausstellung bewahrheitet sich bedrohlich: „Mr Brainwash is a force of nature, he`s a phenomen. And I don`t mean that in a good way.“
Entweder „Exit…“ ist eine geniale Persiflage auf die Kunstwelt, wie es sich nur ein so smarter Junge wie Banksy ausdenken konnte oder tatsächlich eine Doku über Thierry Guetta und Street Art. Die absurden Mechanismen des Kunstmarkts werden alle mal durch diese Doku-mentation mit vielen EXTRAS (darunter auch ein Film über Banksy mit dem Titel „b-movie“, d scenes oder MBW at the Cannes Festival, sowie der bereits angesprochene „Life Re-mote Control“) bloßgelegt und nachvollziehbar gemacht, Hut ab in jedem Fall vor Banksy, der es an Intelligenz in keinem seiner Statements mangeln läßt. Er scheint tatsächlich ein Sub-commandante Marcos des Kunstmarktes zu sein. Bei Thierry Guetta muss es sich allerdings erst zeigen, ob er sich eher als ein „rabbit or turtle“ (O-Ton) entpuppen wird. Das Cover des neuen, 2009 erschienene Greatest Hits Albums von Madonna, stammt übrigens von MBW. Hmh.

Banksy - Exit Through the Gift Shop 86 min plus vielen EXTRAS
Deutsch mit Untertiteln bei ALIVE! AT Medien

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-01-17)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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