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Roland Barthes - Mythen des Alltags
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Barthes, Roland:
Mythen des Alltags

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(Bücher frei Haus)

„Und diese Doppeldeutigkeit ist dem bürgerlichen Schauspiel eigentümlich: Zwischen das intellektuelle und das viszerale Zeichen stellt diese Kunst heuchlerisch ein Bastardzeichen, das ebenso elliptisch wie prätentiös ist und dem sie den hochtrabenden Namen des `Natürlichen´ gibt.“, schreibt Roland Barthes in einem seiner Essays in vorliegender Aufsatzsammlung über die „Römer im Film“. „Alle schwitzen“, beobachtet Barthes scharfsinnig, „weil alle innerlich mit etwas ringen; wir sollen uns hier am Ort einer Tugend fühlen, die sich schrecklich quält, das heißt im Mittelpunkt der Tragödie, und dem Schweiß kommt es zu, diese Qual sichtbar zu machen.“ Gezeigt werde wie groß „(...) die physische Anstrengung die Tugend in ein Verbrechen münden zu lassen“ ist.

Von Franzosen und Wein…
Roland Barthes’ Mythen des Alltags sind längst selbst zum Mythos geworden, denn schonungslos demontiert er in seiner provokativ-spielerischen Gesellschaftskritik französische als auch internationale Eigenheiten, etwa wenn er in „Wein und Milch“ über das Stereotyp der trinkenden Franzosen schreibt: „Zu trinken wissen ist eine nationale Technik, die den Franzosen auszeichnet und zugleich seine Leistungsfähigkeit, seine Selbstbeherrschung und seine Geselligkeit beweist“. Das Böse, das der Wein erwecken könne, sei allerhöchstens schicksalhaft, falle also nicht unter Schuld und Strafe, es sei einfach nur ein „theatralisches, aber kein Charakterübel“, so Barthes: „Der Wein befreit von Mythen, löst ihn (den Franzosen, JW) von seiner Intellektualität und gleicht ihn dem Proletarier an.“

…Beefsteak und Pommes frites
In „Beefsteak und Pommes frites“ entschlüsselt er die eigentliche Blöße des Genusses von gebratenem Fleisch. Man sage „saignant“ (blutig) und meine damit den Blutstrom des abgestochenen Tieres, oder sage „bleu“ und meine violett, die höchste Steigerung von Rot, wenn der Blutschwall der Venen auf seinem Höhepunkt sei. „Á point“ meine vielmehr eine Grenze, denn eine Vollkommenheit, denn niemand wolle an das Gebratene des Fleisches erinnert werden. Sämtliche Temperamente würden so auf ihre Kosten kommen: die Sanguiniker, die Phlegmatiker, die Choleriker. Da Beefsteak und Pommes frites meist zusammen auftreten, womöglich begleitet von einem Glas Rotwein, würden sie sich den nationalen Glanz, den sie beim Konsum hinterlassen, quasi teilen. Wie der General de Castries in Indochina bestätigte: die Pommes Frites sind das alimentäre Zeichen des „französischen Wesens“. In „Der linke Mythos“ liest man gerne die Worte, dass die Bourgeoisie sich verhülle und dadurch den Mythos erzeuge, während die Revolution sich offen als Revolution zeige und dadurch den Mythos abschaffe.

Weitere Essays beschäftigen sich mit solche Phänomenen wie dem Glücksversprechen der Waschmittelwerbung, dem Sehnsuchtspotential von und die göttlichen Qualitäten des Citroën DS, oder der Aktualität der Nautilus.

Roland Barthes
Mythen des Alltags - Vollständige Ausgabe
Aus dem Französischen von Horst Brühmann
suhrkamp taschenbuch 4338, Broschur, 325 Seiten
ISBN: 978-3-518-46338-3
D: 11,99 €
A: 12,30 €
CH: 17,90 sFr

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-11-26)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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