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Peter Beard - Peter Beard
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Beard, Peter:
Peter Beard

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(Bücher frei Haus)

„Schöne Frauen vor dem Hintergrund Afrika zu fotografieren und `schöne´ Bestien als Requisiten zu verwenden, meinst du nicht, das könnte man auch billig nennen?“ So provokant sich diese Frage des Interviewers und auch alten Freundes von Peter Beard anhört, so lakonisch die Antwort des Künstlers: „Das kriege ich ständig zu hören.“ Das Insistieren von Aronson auf der Frage, fördert eine weitere ausweichende Antwort zutage: er stöhne, sagt Beard, und glaube als „kultivierter Parasit“ könne er auf diesem Gebiet eben beides tun. „Extreme Schönheit ist nun einmal extreme Schönheit. (…) und ich liebe die deutsche Sachlichkeit.“

Wer die beiden „Volumes“ des Taschenverlages durchblättert, wird Peter Beard besonders bezüglich der Schönheit zustimmen. Wie keinem anderen Fotografen gelingt es ihm, Momente einzufangen, die Paul Valery`s „La science c`est nous. L`art c`est moi“ im Betrachter wachrufen und das bestätigen, was Beard in seinem Interview Einstein unterschiebt: Es komme nicht auf das Wissen an, sondern auf die Imagination. Diese „imagination“ ist bei Peter Beard durchaus auf einer realen Grundlage entstanden, seine Afrikabilder wirken aus gutem Grund so authentisch und „breathtaking“, denn schließlich hat er schon als siebzehnjähriger dort gelebt, Karen Blixen (Jenseits von Afrika) kennengelernt, sich von Francis Bacon porträtieren lassen ohne je bei ihm „sitzen“ zu müssen, das internationale Model „Iman“ entdeckt (wofür ihm Bowie heute noch dankbar sein dürfte) und mit Truman Capote über die Rolling Stones gefachsimpelt (TC: „Frank Sinatra ist nur ein Künstler, die Stones sind Entertainer.“ PB: „DA- lag er falsch!“). Zu seinen Parties kamen nicht nur die Deneuve oder Warhol, er kannte auch die Kennedys und Onassis. Keith Richards von den Stones war übrigens auf Long Island ein Nachbar von Beard und kam ihn öfters in seiner Windmühle besuchen, bis diese aufgrund einer Ofenexplosion abbrannte: mit all seinen Erinnerungen, Dokumenten, Kunstwerken und Tagebüchern.

Das persönliche Armageddon des Peter Beard war der 27. Juli 1977, als Montauk, seine Windmühle, abbrannte, aber es sollte noch dicker kommen, vergleichbar mit seinem ganz eigenen 911. Am 9. September 1996 wurde er von einer wild gewordenen Elefantenkuh halb tot getreten. Ausgerechnet ihn, der die Welt auf das Aussterben dieser Spezies hingewiesen hatte, traf die Wut einer Elefantenmutter. Sie spießte nicht nur sein linkes Bein mit einem Stoßzahn auf, sondern malträtierte mit der Stirn auch noch sein Brustbein so, dass er gerade noch einmal so lebend davon kam: sieben Titanplatten und 28 Schrauben allein in seinem Becken. Seither arbeitet er nur mehr auf einer Matratze am Boden liegend, denn Peter Beard ist wahrscheinlich noch mehr für seine Collagen, als für seine Fotos bekannt, wovon man sich in der unglaublich prächtigen Ausgabe des Taschenverlages auch überzeugen kann und diese Collagen erfordern nun einmal, wie man auch auf einzelnen Fotos sehen kann, sehr viel Sitzfleisch. Und Sitzfleisch, das hat er auch von Salvador Dali bestätigt bekommen. Peter Beard, der eine ungemeine Fülle an Material produziert hat, wohl um den Verlust von Montauk zu überkompeniseren, bekam vom König des Surrealismus die Antwort: „it`s the quantity“. Dass diese „quantity“ auch eine außergewöhnliche „quality“ besitzt, wusste Peter Beard wohl ohnehin selbst schon.

Volume I dieser Sonderedition versammelt auf fast 600 Seiten die schönsten Collagen und Fotografien des amerikanischen Künstlers, der 1938 geboren wurde und der von sich sagen kann, der Enkel des Erfinders des „Tuxedo“ (amerikanisch für: Smoking) zu sein, obwohl er selbst sich - laut Eigendefinition – immer noch nachlässig kleidet. Auch sein Urgroßvater dürfte übrigens eine gute Eintrittskarte in die Welt der Reichen und Berühmten gewesen sein: James J. Hill war der Finanzier der transkontinentalen Eisenbahnstrecke und ihm wurde sogar von Scott Fitzgerald im Great Gatsby ein Denkmal gesetzt. Hill, einer der wenigen „edlen“ Kapitalisten, habe sogar eine Kunstgalerie in Minnesota besessen, darunter einige Corots, Rousseaus, Courbets, Daumiers und Delacroix. Später landeten diese Gemälde in den Wohnungen Manhattens, in denen der Urenkel aufwuchs und vielleicht gerade dadurch zu seinem Stil inspiriert wurde. Peter Beard selbst definiert die Fotografie in seinem Essay „From Biology to Photography“ mit den Worten „technology, timing, access, accident, psychology, persevereance, pure coincidence, blind luck, visual genius. All this is photography, and photographers need it all“. (Wer Zweifel daran hegt, dass Peter Beard dies alles besitzt, der hat ganz einfach keinen Geschmack.)

Besonders viel von Zufall und Glück dürfte Peter Beard in Afrika gehabt haben, natürlich ist auch viel Können dabei, ohne Zweifel. Denn Peter Beard drückt nicht einfach nur auf den Auslöser, was in Afrika relativ schnell zu erstaunlichen Ergebnissen führen kann, sondern fügt dem magischen und einzigartigen Moment eines Fotos auch noch eine weitere Dimension hinzu. Die Nachbearbeitung des Augenblicks, sei es durch graphische oder fotocollagierte Elemente, weist über die reine Fotografie hinaus und drückt der Kunst (= “everything that makes life enhancing“) einen ganz besonderen Stempel auf, den Fingerabdruck eines Mannes auf einem Regenbogen, die Verbindung von Realität und Traum, Illusion und Wirklichkeit. Die Verwirklichung seines eigenen, Van Gogh entlehnten Credos, „Transform the banal into the mysterious“, ist ihm dabei mehr als gelungen.

Andy Warhol, mit dem er ebenfalls befreundet war, nannte Beards Tagebücher nicht umsonst „trip books“, Salvador Dali hatte ihn gewarnt, wenn er jemals Drogen nehmen würde, keinem jemals etwas davon zu erzählen. Die Liste der Bekannten von Peter Beard ist so illuster wie seine Afrikabilder, die ebenfalls einen Stempel tragen, den Stempel eines goldenen Elefanten, den der Taschen Verlag auf den ebenso edlen Umschlägen dieser Luxusausgabe angebracht hat: es könnte sich bei dem Motiv des Elefanten um eine gedruckte Reproduktion jener Brosche handeln, die Karen Blixen Peter Beard eigenhändig geschenkt hatte und die später in seiner Windmühle zu einem Metallklumpen verschmolzen war. Die Liebe zum Detail wird hier also durchaus auch vom Verleger gepflegt, womöglich inspiriert von der Detailverliebtheit des Verlegten. So fließen auch in dieser Ausgabe des Taschen-Verlages Form und Inhalt wohltuend ineinander.

Die beiden Bände kommen mit eben jenem goldenen Elefanten und ebenso goldenen Lettern auf rotem Leinen und in einem praktischen blauen, leinenen Kartonschuber mit brüllendem Elefanten versehen. Und das wird bestimmt nicht das letzte Lebenszeichen dieses edlen Tieres gewesen sein! Volume II enthält neben dem Index zu Volume I (das ausschließlich die Fotografien auf teil ausklappbarem Hochglanzpapier enthält) auch ein Interview von Steven M.L. Aronson mit Peter Beard und eine Essay des Fotografen über die Fotografie „From Biology to Photography“. Außerdem eine Liste von ausgewählten Ausstellungen und Publikationen und eine ausgewählte Filmographie von Peter Beard, dem letzten Abenteurer der westlichen Hemisphäre, der mit seiner Kamera wohl mehr Elefanten geschossen hat, als der berühmteste Wilderer, und auf diese Weise auch zur Erhaltung der Art einen großen Beitrag geleistet hat. Natürlich spielen auch andere Tiere (Krokodile, Nashörner, Geparden, etc) in Peter Beards Afrika-Fotografien und Collagen eine große Rolle und ach ja, ein paar schöne Frauen auch…

Peter Beard
Volume I&II
Dreisprachig

2008
Taschen Verlag
www.taschen.com
2 Bände a 166 und 576 Seiten
S/W und Farbabbildungen
Format 22 x 32
ISBN: 978-3-8365-0877-3
75.-

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-01-30)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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