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Gisela Becker-Berens - bis an den traumrand
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Becker-Berens, Gisela:
bis an den traumrand

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(Bücher frei Haus)

Folge deiner Fantasie
Gisela Becker-Berens neuer Lyrikband „bis an den traumrand“

Die Lyrikerin Gisela Becker-Berens hat nicht nur, wie gelegentlich bei Lyrikbüchern üblich, einfach irgendeinen inspirierenden Titel für ihren neuen Gedichte-Band gewählt. Eher ist „bis an den traumrand“ eine indirekte Gebrauchsanweisung an die Lesewilligen: Komm mit mir bis in die Nähe der Träume und folge dann deiner eigenen Fantasie.

Mit den ersten beiden Kapiteln „ähnlichkeiten“ und „vom erzählen“ nimmt die Autorin (Jahrgang 1946) ihre Leser vor allem mit in die kindliche Vergangenheit.
Doch selbst wenn sie sich eindringlich an die Nachkriegsjahre und die „schwarzweiße blässe der hungerzeiten“ erinnert, regen die beim Lesen entstehenden Bilder dazu an, sich in Situationen der jeweils eigenen Kindheit zu begeben, obwohl die möglicher Weise in gänzlich anderen Zeiten er- und gelebt wurde. Und wie selbstverständlich stellt sich der Leser mit der Autorin gemeinsam die Frage „was hat mich/zu mir gemacht“.
Gisela Becker-Berens nimmt ihre Leser mit auf ihren Lebensweg, der gewiss keiner jener (angeblich so) geraden war, denn unumwunden stellt sie fest: „mein weg ist/nicht immer/leicht/zu finden/nur selten/ist es der/kürzeste“
In zumeist unaufdringlich leiser Tonart verfasst, präsentieren ihre Gedichte durchlebte Geschichten, die der Leser unaufgefordert mit eigenen Gefühlen und daraus entstehenden Erinnerungen und Geschichten fortzusetzen vermag.
Allerdings brechen nahezu unbarmherzig immer wieder Realitäten in die vermeintliche Idylle ein. Und „du riechst benzin/statt warmer erde“
Besonders eindringlich werden diese Einbrüche, wenn Becker-Berens aus der näheren Vergangenheit erzählt.
Gleich einer „fata morgana“ – so die Überschrift des vierten Kapitels – überfallen die Autorin unglaubliche Geschehnisse.
So gibt das vorläufige „protokoll zum einsturz des kölner stadtarchivs“ – sicherlich einer der eindringlichsten Texte dieses Bandes - in skizzenhaften und dennoch treffend genauen Versen wieder, wie das „gedächtnis der stadt“ „ausgelöscht“ wurde.
Auch unser globalisiertes kapitalistisches Wirtschaftssystem – „wachstum – na klar/aber streng ökolgisch“ - bekommt sein Fett ab.

In der Mitte des Lyrikbandes erlauben sechs „tanka“ einen komtemplativen Blick in den Garten der Autorin. Diese kurzen (japanischen) Gedichte lassen Ruhe und Entspannung entstehen, die offenbar jene Realitätsüberfälle auszuhalten halfen und helfen.
Am Schluss gelingt dann ein tröstlicher und hoffnungsvoller Blick auf ein Kind und damit in die Zukunft. „und es wird hell/in deinem gesicht“.
Alles in allem ein ausgewogenes Buch, das zwar seine Brüche hat, aber bei Menschen fühlbare Erlebnisse hinterlässt, wenn sie sich mit Fantasie, Hoffnung und Realitätssinn auf eine erlebnisreiche Lesereise einlassen.
Nicht umsonst schreibt der bekannte Lyriker Jürgen Becker im Klappentext: „Diese Gedichte (…) horchen dem Echo des Vergangenen nach und den Geräuschen des aktuellen Geschehens; sie sprechen von Trauer und Trost und machen einem „Mut für den Tag“.

Gisela Becker-Berens, bis an den traumrand, Wiesenburg Verlag, Schweinfurt, 2013, 109 Seiten, € 12.-

[*] Diese Rezension schrieb: Karl Feldkamp (2014-01-05)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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