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Amy J. Berg - JANIS: LITTLE GIRL BLUE
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Berg, Amy J.:
JANIS: LITTLE GIRL BLUE

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(Bücher frei Haus)

„What ya gonna do in Casablanca, anyway?“, singt Janis Joplin in einer Live-Version von „Cry, baby“ und augenblicklich wird der Zuseher Zeuge der Authentizität einer (weißen) Bluessängerin, die ihre Lieder nicht nur sang und interpretierte, sondern auch intensiv lebte. Der Schmerz bei Janis, der war echt. Dabei war die am 19. Jänner 1943 im texanischen Port Arthur geborene Ikone des Bluesrock in ihrer Kindheit eher so etwas wie eine Außenseiterin gewesen, wie auch die neue Dokumentation von Amy Berg glaubhaft vermittelt. Auch bei ihrer zehnjährigen High-School-Re wurde ihr immer noch nicht die Beachtung zu Teil, die sie sich schon als Teenagern erhofft hatte. Janis Joplin bekam mit gerade mal 25 Jahren 25.000 Dollar allein dafür, dass sie auf ihren Pressefotos immer eine Flasche „Southern Comfort“ bei sich trug. In einem Jahr hatte sie 750 000 Dollar verdient, sich einen Porsche gekauft und bunt bemalen lassen und trug ausgeflippte Klamotten, die ebenfalls ein Vermögen gekostet hatten. Aber Anerkennung bekam sie weder für ihre Leistungen, noch für ihren Ruhm.

frenetic and mellow
Aber glücklich sollte sie in ihrem jungen Leben (Tod mit 27) immer nur für jene kurzen Momente genießen in denen sie auf der Bühne stand und alles gab, was sie hatte. Ihren Gesangsstil bezeichnete sie selbst einmal als „frenetic“, die Pausen nach den Konzerten dann aber eher als „mellow“: sie spritzte sich Heroin um von ihrer ekstatischen Euphorie des Singens wieder runterzukommen und eines merkt man auch in den vielen Archivbildern der Dokumentation: Janis war nie nur eine Performerin, sondern vor allen Dingen eine Inkarnation des Bluesfeelings schlechthin. Mit „Ball und Chain“ sollte sie am Monterey Pop Festival (1967) ihren Durchbruch erreichen und so schon jung eine Berühmtheit erlangen, die den meisten erst im hohen AlterAVa zu Teil wird.

„How can you groove on a G 5?“
„Nothing could stop her...not even a hangover“, erzählt einer ihrer Bandkollegen und Freunde, ein anderer schickt die Geschichte, die sie ihm selbst einmal erzählt haben soll, dass sie auch in Reihe vor Jimi’s (Hendrix) Klo stand und der andere Jim (Morrison) einmal ihren Kopf fest zwischen seine Schenkel gepresst hatte, in den Äther und schämt sich sogleich dafür. Ihr größtes Vorbild war Bessie Smith, der sie auch einen Grabstein stiftete. Als sie von Los Angeles nach San Franisco zog hatte sie schon eine Band: Big Brother & The Holding Company. Später noch zwei: Kozmic Blues Band und die Full Tilt Boogie Band. Die Locations, in denen Janis Joplin in San Francisco am Höhepunkt der Hippie-Bewegung auftrat, etwa das Avalon oder das Fillmore waren damals noch Tanzsäle gewesen und vielleicht verdankte Janis auch diesem Umstand Teile ihres Erfolgs, denn wer ihre Stimme hört, kann nicht still halten und muss sich unweigerlich bewegen und tanzen. „How can you groove on a G 5?“ soll Janis über Auftrittsorte mit Sitzbänken geätzt haben, denn ihre Musik war tatsächlich vor allem eines: sehr, sehr körperlich.

Euphorie des Aufbruchs
„On stage I make love to twenty five thousand people; and then I go home alone“, soll Janis Joplin einmal gesagt haben, aber die Hell’s Angels, die es sich in ihrer Küche einmal des Nachts gemütlich gemacht hatten, warf sie dafür eigenhändig raus. Am nächsten Tag hätten sie den Kühlschrank sogar wieder fein säuberlich aufgefüllt, erzählt David, einer der vielen Interviewpartner in dieser ganz besonderen Dokumentation. Janis Joplin wurde für eine Generation von Außenseitern zur Identifikationsfigur und wie sie selbst bei ihrem legendären (weil versoffenen) Woodstock-Auftritt sagte: „Once we were lonely, now we are masses“. Die Euphorie des Aufbruchs, die Janis Joplin wie keine andere auch für Frauen in der Rockmusik, noch heute verkörpert, wird in vorliegender Dokumentation mit eindrucksvollen Live-Auftritten und von Cat Power intim verlesenen Briefen von Janis an ihre Eltern authentisch vermittelt. Allein die Liebesgeschichte mit David Niehaus, der sie warten hatte lassen, um vorher noch die Welt zu sehen, zeigt auch die Trauer über den privaten Verlust. Die Welt hatte am 4. Oktober 1970 eine der größten weißen Bluessängerinnen verloren, eine Frau, ohne die es viele Frauen, die heute im Rockbusiness sind, nicht geschafft hätten. David seine Frau.

Am Tag nach ihrer (letzten) Überdosis, von der sie nie mehr aufwachen sollte, erreichte ein Liebesbrief von David aus Casablanca das Landmark Motor Hotel in Hollywood, in dem nur mehr die Leiche von Janis Joplin geborgen werden konnte. Er hatte sie wohl einfach zu lange warten lassen, wie es im oben angesprochenen Song von Janis heißt: You can go all around the world/Trying to find something to do with your life, baby,/(...)All you ever gotta do is be a good man, one time, to one woman/And that'll be the end of the road, babe,(...).“

Amy J. Berg
JANIS: LITTLE GIRL BLUE
Ein Dokumentarfilm von Amy J. Berg
USA 2015, 107 Min.
Erzählt von Chan Marshall (Cat Power)
Arsenal Film
https://www.arsenalfilm.de/janis/

[*] Diese Rezension schrieb: jürgen Weber (2016-05-13)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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