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Stephan Bierling - Geschichte der amerikanischen Außenpolitik von 1917 bis zur Gegenwart.
Buchinformation
Bierling , Stephan - Geschichte der amerikanischen Außenpolitik von 1917 bis zur Gegenwart. bestellen
Bierling , Stephan:
Geschichte der
amerikanischen
Außenpolitik von 1917
bis zur Gegenwart.

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(Bücher frei Haus)

Die vier wichtigsten Akteure der US-amerikanischen Außenpolitik sind neben dem einzigen „nationalen“, also vom – wenn auch indirekt - gesamten Bundesvolk gewählten Amt des Präsidenten auch das Außenministerium, das Verteidigungsministerium und das NSC. Außenpolitik in Europa ist zumeist nur Sache der Regierung, in den USA mischen sich aber neben den bereits genannten Institutionen auch noch viele Lobbys ein, die versuchen, die Außenpolitik der USA zu beeinflussen. Der Präsident hat als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, höchster Diplomat, Regierungs- und Staatschef, Gesetzesinitiator auch noch die Funktion der Stimme des Volkes und soll so alle Interessen seines Volkes gleichmäßig vertreten. Die Gesetzgebungsinitiative liegt zwar formal beim Kongress, aber der Präsident spiele die „zentrale legislative Rolle“ schreibt Bierling. Auch sein Veto gegen Initiativen des Kongresses gestaltet Außenpolitik, es kann nur von einer Zweidrittelmehrheit beider Kammern zurückgewiesen werden. Andere Organisationen, die die Außenpolitik mitgestalten wollen sind aber auch das Friedenscorps, die Agentur für Internationale Entwicklung (AID), die Ruüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde (ACDA), das US-Informationsamt (USIS) und das Büro des Handelsbeauftragten (USTR). Aber auch der Direktor des CIA oder der Schatzminister spielen eine Rolle.
Spannend wird es dann auch mit dem „Council on Foreign Relations“ oder der „Trilateralen Kommission“ oder den Political Action Committees, den PACs, die wie etwa im Falle von Chiquita Inc. auch dafür sorgen können, dass selbst der Präsident, in diesem Falle Clinton, direkt beeinflusst wird, etwa als die Bananen-Importverordnung der EU von diesem verurteilt wurde, weil Chiquita den Demokraten nahesteht und diesen Spendengelder zukommen lässt. Die Verquickung von Business und Politik gehört in den USA ohnehin zum Alltagsgeschäft. Weitere Organisationen, die die Außenpolitik beeinflußen, sind die sogenannten Think Tanks, etwa die Brookings Institution, die Rand Corporation, das konservative „American Enterprise Institute“, oder das eher links stehende „Institute of Foreign Policy“, aber es gibt noch eine ganze Reihe mehr dieser Institutionen. Die Heritage Foundation versorgte etwa die Republikanische Armee mit Politikern wie Rumsfeld, Cheney oder Wolfowitz, allesamt Falken der US-Außenpolitik. Bis zum Vietnamkrieg zählten übrigens auch die Medien zu außenpolitischen Akteuren, aber spätestens seit Johnsons „Ich kann diesen Krieg nicht ohne die Unterstützung der New York Times führen“ ist klar, dass die Presse ihr Recht auf Freiheit 100%ig ohne Rücksicht auf die nationale Sicherheit wahrnimmt. Bierling gibt allerdings zu bedenken, dass die Macht der Presse ohnehin überschätzt werde: sie könne die Pollitik nur dann beeinflußen, wenn diese kein klares Konzept habe.
Den Eintritt in die Weltpolitik habe die USA erst am 18.3.1917 vollzogen, denn deutsche U-Boote zwangen Wilson geradezu dazu, aber auch die Nachfolger Harding, Coolidge und Hoover bis zu Roosevelt verfolgten eher eine isolationistische als eine interventionistische außenpolitische Linie. Auch wenn letzterer durch den Lend and Lease Großbritannien und die UdSSR schon vor dem amerikanischen Kriegseintritt mit Waffen versorgte und damit aktiv unterstützte war es erst durch den japanischen Angriff auf Pearl Harbour zu einer wirklichen Kriegserklärung gekommen. Der 7. Dezember 1941 ist aber dennoch umstritten, da behauptet wird der ohnehin kriegsbereite Roosevelt habe nur auf einen Vorwand gewartet, um endlich in den Krieg eintreten zu können. Amerika war vier unveräußerlichen menschlichen Freiheiten verpflichtet: der Freiheit der Rede, der Religion, von und von Furcht und diese Freiheiten wollte es nun auch in der Welt verteidigen. Es folgte der D-Day, die Operation Overlord, in der Normandie vom 6. Juni 1944 und endlich der Sieg der Alliierten über Hitler am 8.5. und über den Tenno im August 1945. 400.000 US-Soldaten waren gestorben, 670.000 Verwundete und 2896 Milliarden Kriegskosten. Eine schreckliche Bilanz, aber dennoch der Beginn einer neuen Ära für die USA: die der Weltdominanz.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt nämlich erst das eigentliche „amerikanische Jahrhundert“, da erst ab dem Einsatz der „Bombe“ in Hiroshima und Nagasaki die tatsächliche Überlegenheit der USA demonstriert worden war. Im Wettstreit mit der Sowjet lieferte sich die USA eine „Schlacht der Ideen“, die sie nicht nur in Asien oder Afrika Stellvertreterkriege führen ließ, sondern selbst das Weltall zum Schauplatz des Kalten Krieges machte. Stefan Bierling beschreibt die Außenpolitik der USA bis zum Krieg gegen den Terrorismus, bei dem man der letzten verbliebenen Supermacht wohl nur einen schnellen Sieg wünschen kann, mit viel Verve und Detailwissen.

Stephan Bierling
Geschichte der amerikanischen Außenpolitik von 1917 bis zur Gegenwart.
2007
www.beck.de
ISBN: 9783406494284

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-03-05)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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