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Rezensionen


 
Georges Bizet - Carmen
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Bizet, Georges:
Carmen

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(Bücher frei Haus)

„L'amour est un oiseau rebelle, (…)L'amour est enfant de bohème/il n'a jamais jamais connú de loi:/ si tu ne m'aimes pas, je t'aime;/si je t'aime, prends garde à toi!/“ „Des Glück is a Vogerl“ auf gut Wienerisch oder: die Liebe ist nur von kurzer Dauer und fliegt davon, wann sie will, singt die Carmen (Elena Obraztsova) in der wohl berühmtesten Arie aus der gleichnamigen Oper von Georges Bizet gleich im ersten Akt. Man bemerke, dass sie ihre Warnung gleich ausstößt: „Mais si je t`aime prends garde à toi.“! (Aber wenn ich dich liebe, dann pass` auf Dich auf!) Don Josè (Placido Domingo) wird Carmen im Verlauf der Handlung, im vierten Akt, erstechen und er kann dann nicht behaupten, dass eben diese Carmen ihn nicht gewarnt hätte. Wahre Liebe kennt eben keine Grenzen, weder moralische noch sittliche: sie verzehrt einen wie ein Feuer, alles andere ist nur Schall und Rauch. „Cela monte gentiment à la tête. Tout doucement cela vous met l`âme en fête. Le doux parler des amants ? C`est fumée ! Leurs passions et leurs serments? C`est fumée!“ In der Raucherszene der Fabrikarbeiterinnen der Tabakwerke Sevillas wird auf der Bühne starker Tobak verzehrt und der Chor singt von den Freuden des Rauchens und dass die Liebe genauso vergeht wie der Rauch, die Leidenschaften und Gefühle, alles nur Rauch!

„Man wird beim Zuhören selbst zum Meisterwerk“ soll kein Geringerer als Friedrich Nietzsche beim Lauschen derselben Oper geäußert haben: „Die Musik scheint mir vollkommen. Sie kommt leicht, biegsam, mit Höflichkeit daher. Sie ist liebenswürdig, sie schwitzt nicht.“ Ganz anders dürfte es dabei allerdings dem heutigen Opernzuseher ergehen, dem durchaus so manche innere Wallung ein höheres Glück verheißen könnte: 500 Statisten und acht Pferde und Carlos Kleibers „ausdrucksvolle Gestik und sein markanter Kopf“ machen diese „Oper fürs Wohnzimmer“, erschienen bei Arthaus Musik, zu einem bleibenden Erlebnis, da Franco Zeffirelli auch bei der Fernsehproduktion Regie führte und seinen Dirigenten in Szene setzte, indem er ihn zum Teil des Spektakels machte. Der Zuseher zu Hause bekommt so mehr vom Zusammenspiel zwischen Orchester und Dirigent mit, als wenn er selbst live dabei gewesen wäre, zumal Kleiber inzwischen leider verstorben ist und die Aufführung mehr als 30 Jahre zurückliegt. Also eine ganz besondere Gelegenheit, den Meister bei seiner Arbeit zu sehen. Besonders rasant fällt Kleibers Carmen-Version aufgrund seiner ganz eigenen Tempi und Selbstinszenierung aus. Mediterrane Leidenschaft wird genauso spürbar wie nordisch anmutende akkurate Klarheit und dramatische Intensität. Aber das liegt natürlich auch am Stoff des Dramas.

Der Sergeant Don Josè, der eigentlich mit der blonden Micaela (Isobel Buchanan) verlobt werden sollte, wird Zeuge eines Auftritts der leidenschaftlichen Zigeunerin Carmen, die ihm provokant eine Blume zuwirft. Diese Geste, die ebenso zufällig wie austauschbar wirkt, versinnbildlicht wohl die Liebe, die sich ihre Opfer genauso wahllos aussucht. Und wer ihr zum Opfer fällt, muss eben bluten. Als Don Josè sogar seine Einheit verlässt und zu den Schmugglern wechselt, nur um seiner geliebten und verehrten Carmen näher zu sein, beginnt diese bereits sich mit ihm zu langweilen und sich für einen anderen, Escamillo, zu interessieren. Carmen, die von Prosper Merimée als Opfer ihrer eigenen Leidenschaften beschrieben wird, ist sich keiner Schuld bewusst, denn es ist die Liebe, die die Verantwortung trägt und alle unterwirft, wie ein rebellischer Vogel: „L'amour est un oiseau rebelle(…) L'amour est enfant de bohème“…

Georges Bizet, der Ritter der Ehrenlegion, schuf ein Werk über „gewöhnliche“ Menschen und ihre Leidenschaften. Es gibt bei ihm keine Götter, Helden oder Geister, nur Arbeiter, Zigeuner und Soldaten. Drei Monate nach der Uraufführung seiner „Carmen“ verstarb der Komponist und man sagte ihm Selbstmord oder zumindest einen Tod an gebrochenem Herzen nach, denn die Kritiker ließen kein gutes Haar an der volllockigen Zigeunerin. Dass „Carmen“ bald zur meist gespielten Oper der Welt werden sollte, dieser Erfolg war dem Schöpfer nicht vergönnt, am Ende mussten die Kritiker, die ihn ins Grab gebracht hatten schweigen, und Georges Bizets Werk beglückt uns noch heute. Die Wiener Staatsoper an der diese Inszenierung der „Carmen“ 1978 aufgeführt wurde, beherbergt übrigens auch die Wiener Philharmoniker, die durch ihre Gastspiele im Ausland schon 1947 in Frankreich Aufsehen erregten: "Wie reich ist dieses arme Österreich!", soll ein Kritiker damals geschrieben haben. Zahlreiche Weltstars waren ursprünglich Ensemblemitglieder der Wiener Staatsoper, Direktor Ioan Holender entdeckte zahlreiche junge Sänger für die Wiener Staatsoper und somit für die internationale Musikwelt. Das neue Opernhaus wurde von den Wiener Architekten August von Sicardsburg, der den Grundplan entwarf, und Eduard van der Nüll, der die Innendekoration gestaltete, in der Regierungszeit Franz Josefs erbaut. Die beiden Architekten erlebten die Eröffnung „ihres“ Opernhauses nicht mehr. Der sensible van der Nüll beging Selbstmord, da der Kaiser sich negativ über „seine“ Oper geäußert haben soll. Seither geht das Bonmot, Franz Josef habe nur mehr den Satz „Es war sehr schön, es hat mir sehr gefallen“ bei der Beurteilung öffentlicher Gebäude geäußert. Sicardsburg erging es ähnlich wie seinem Kollegen: er erlag wenig später einem Schlaganfall. Die Staatsoper Wien bietet 1709 Sitzplätze und 567 Stehplätze, um die teilweise ein „rechtes Griß“ herrscht, wie der Wiener sagt.

Sternstunden der Oper
Georges Bizet
CARMEN
Regie: Franco Zeffirelli
Dirigent: Carlos Kleiber
Mit Placido Domingo, Elena Obraztsova, Isobel Buchanan

2010
154 Minuten
Eine Produktion der Staatsoper Wien aus dem Jahre 1978

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2010-02-21)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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