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Reinhard Blomert - Adam Smiths Reise nach Frankreich
Buchinformation
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Blomert, Reinhard:
Adam Smiths Reise nach
Frankreich

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(Bücher frei Haus)

Nichts ist rühmlicher, große Theorien, die ihrerseits Einfluss auf gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklung genommen haben, den Armen einer populistischen Verfälschung zu entreißen. Das wäre und ist in vielen Fällen hilfreich, täte immer wieder bei Nietzsche gut, hülfe das eine oder andere Mal bei Darwin und ist sicherlich mehr als angebracht bei Adam Smith. Dessen Wohlstand der Nationen ist dermaßen den Reißwölfen des verballhornenden Mainstream zum Opfer gefallen, dass einem der Mann nach mehr als zweihundert Jahren Grabesaufenthalt noch heute Leid tun kann. Die Reduzierung seiner ökonomischen Theorie auf die "unsichtbare Hand", die wie von Wunder den Markt regele, wird seiner Theorie einfach nicht gerecht und ist ein törichtes, aber wirkungsvolles Machwerk wirtschaftsliberalistischer Ideologen.

Der Autor Reinhard Blomert, seinerseits Redakteur des Leviathan - Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft, hat in der Reihe Die Andere Bibliothek des Eichborn Verlages, der seinerseits dafür steht, jenseits des Mainstream Perspektiven zu entwickeln, die Licht ins Dunkel bringen, eine Schrift mit dem Titel Adam Smiths Reise nach Frankreich oder die Entstehung der Nationalökonomie verfasst. Sein Ziel war es, Transparenz herzustellen über die Entstehung des Werkes Der Wohlstand der Nationen, mit dem der schottische Moralphilosoph weltberühmt wurde und den Einfluss des vor-revolutionären Frankreich auf seine Gedanken zu dokumentieren.

Die Leserinnen und Leser erfahren folglich einiges aus dem Leben des Adam Smith vor seiner Reise und sie erhalten ausführliche Beschreibungen und Porträts aus besagtem Frankreich der Jahre 1764-1766, dem Zeitraum, in dem sich Adam Smith als fürsorglicher Lehrer eines schottischen Adeligen in Frankreich aufhielt. Man bekommt einen wirtschaftlich aufschlussreichen Vergleich der Hafenstädte Toulouse und Bordeaux, ein großartiges Bild von Voltaire, eine Einführung in die Pariser Salons einflussreicher Damen bis hin zur Pompadour und eine elaborierte Skizze zu dem Arzt und Ökonomisten Francois Quesnay, dessen Überlegungen Smith am stärksten bei seinen Ausführungen in seinem Hauptwerk beeinflusst haben. Und es wird deutlich, dass Smith als Moralphilosoph in Frankreich ankam, d.h. er immer auch einen Ethos der wirtschaftlich Handelnden einforderte, woran die Reise nichts geändert hat.

Die Extrakte, die sich auf dessen Wirtschaftstheorie auswirkten, sind allerdings spärlich und lassen nur die Vermutung aufkommen, worin sich Smith von späteren Vertretern des freien Marktes unterschied: Eben nämlich durch sein Postulat an die Wohlhabenden, sich auch am Wohle der Allgemeinheit orientieren zu müssen. Doch neben der wirtschaftspolitischen Auffassung, dass eine Liberalisierung des Getreidehandels und eine Forcierung der Arbeitsteilung zum Wohlstand einer Nation beitrage ist dieser Appell zwar in der Rezeptionsgeschichte über Adam Smith wichtig, aber er bringt keine Erkenntnisse über die Relevanz seiner Theorie gegenüber heutigen Versionen des ungezügelten Wirtschaftsliberalismus. Die Ehrenrettung Adam Smith´gelingt, weil deutlich wird, wie sehr er für eine liberale Wirtschaftsordnung plädierte, aber den Trieb des Egoismus jenseits der gesellschaftliche Ratio kannte und daher immer auch für maßvolle Maßnahmen staatlicher Lenkung plädierte, sei es durch Zölle, durch Steuern oder durch Konsum.

Die große Stärke des Buches ist das gezeichnete Sittenbild des vor-revolutionären Frankreichs. Der Einfluss auf Smith kann nur, wie im Text allerdings auch expressis verbis bestätigt wird, vermutet werden und die Relevanz der wirtschaftspolitischen Positionen, die in den Salons diskutiert wurden, kommen zu kurz. Dem Zusatz im Titel, die Entstehung der Nationalökonomie, hätte eine andere, stärkere Gewichtung der wirtschaftspolitischen Aspekte entsprochen.

[*] Diese Rezension schrieb: Gerhard Mersmann (2012-12-24)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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