Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Diane Broeckhoven - Kreuzweg
Buchinformation
Broeckhoven, Diane - Kreuzweg bestellen
Broeckhoven, Diane:
Kreuzweg

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Ihre kleinen Bücher „Ein Tag mit Jules“ und „Eine Reise mit Alice“ haben mich vor Jahren begeistert und bewegt. Als ich das neue Buch von Diane Broeckhoven in die Hand nahm, erinnerte ich mich vor allem an den lyrischen Schluss der „Reise mit Alice“, einem wunderbaren, sensiblen und zarten Buch über das Alter und seine Würde. Eine Hommage war das an die Liebe, die den Tod übersteht und mit hinübergeht über die Grenze, von wo noch keiner berichten konnte:

"Verdunsten will ich.
Verwässern.
Wie neblige Tropfen Fieberschweiß
Herabfallen auf meinen Rücken.
Flüssig werden
und in der gläsernen Wasserpfütze
meine Seele sich widerspiegeln sehen.

Eine Frau in Weiß,
die Linda heißt
und manchmal auch Lena,
legt mir ein Handtuch
um die Schultern
und hüllt mich ein.

Ihre Hand kreist
Zwischen meinen Flügeln,
Sie summt Worte in mein Haar.
Ihr Atem breitet sich aus
Unter meiner viel zu weiten Haut.

Weg will ich
Weit weg.
Auf die Reise.
Wo ist die Welt geblieben?
Wo ist die Grenze?"

Ihr neues Buch „Kreuzweg“ hat mich nicht enttäuscht. Mit einer poetischen Sprache, die noch dichter, noch reifer, noch spiritueller geworden ist, beschreibt sie in fünfzehn Stationen das Leben der Ich-Erzählerin, die namenlos bleibt.

Diane Broeckhoven wählt für die einzelnen Lebensabschnitte, die die Frau rückblickend reflektiert, das biblische Bild des Kreuzwegs Christi und zeigt damit ihre Interpretation jenes Geschehens am Kreuz, die der Rezensent als Pfarrer über Jahrzehnte gepredigt hat, gegen alle feministischen Vorbehalte: Im Leiden Christi und in seinem Tod am Kreuz hat Gott, nachdem er in der Krippe Mensch geworden war, auch das Elend, das Leid, das Elend, den Schmerz, die Verzweiflung, das Sterben und den Tod der Menschen geteilt.

Die namenlose Erzählerin führt den von der ersten bis zur letzten Seite nicht nur gebannten, sondern in der Tiefe seiner Seele und seines Herzens getroffenen Leser zurück in die dramatischen Geschehnisse ihrer Kindheit und Jugend, die sich, wie sich herausstellen wird, über ihr ganzes Leben wie ein Schatten gelegt haben. Sie hat Träume, wie alle Mädchen, möchte studieren, ein normales Leben führen. Doch irgendwann verunglückt die Mutter tödlich. Sie bleibt allein mit dem Vater zurück. Vielleicht spürt sie das Übergriffige, was vom Vater ausgeht; sie hält ihre Tür immer verschlossen. Doch eines Tages ignoriert der Vater das Schloss und betritt das Zimmer….

Die Frau versucht zu vergessen, was das geschehen ist, was ihre Seele getötet hat. Sie schützt sich vor ihrer Erinnerung. Doch schon früh ahnt der sensible Leser, dass ihr das auf Dauer nicht gelingen wird. Und so treibt Diane Broeckhoven die Berichte der Frau auf einen erschütternden Höhepunkt zu, der überraschend sein mag, den man aber schon lange geahnt hat.

Ein poetisches und literarisches Kleinod mit einer ganz subtilen theologischen Botschaft.

Diane Broeckhoven, Kreuzweg, C.H., Beck 2012, ISBN 978-3-406-63941-8

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2013-06-03)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Diane Broeckhoven ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Die Frau, die vom Himmel fielMawer, Simon:
Die Frau, die vom Himmel fiel
Schon lange zählt der britische Schriftsteller Simon Mawer auf der Insel zu den literarischen Geheimtipps und hat es mit seinem Roman „The Glass House“ sogar auf die Shortlist des Bookerpreises geschafft. Seinen neuen hier vorliegenden Roman „Die Frau, die vom Himmel fiel“ darf man mit Fug und Recht als würdigen Nachfolger [...]

-> Rezension lesen


 Die Verteidigung des Menschen. Warum Gott gebraucht wirdRoß, Jan:
Die Verteidigung des Menschen. Warum Gott gebraucht wird
Schon seit vielen Jahren ist Jan Roß als Journalist der ZEIT einer großen Zahl von Lesern bekannt als ein differenzierter, gleichwohl sehr engagierter Kritiker und Verfechter der Religion in ihrer jüdisch-christlichen Tradition. In einer Zeit, in der auf der einen Seite von der Wiederkehr der Religion gesprochen wird, und auf der [...]

-> Rezension lesen


NauseaCrumb, Robert :
Nausea
Robert Crumb wurde 2012 sogar in Paris mit einer großen Einzelausstellung geehrt und das hängt sicherlich nicht damit zusammen, dass der 1943 geborene Amerikaner aus Philadelphia in den 90er nach Südfrankreich gezogen ist, sondern dass sicherlich eher damit, dass er einer der bedeutendsten Autoren und Zeichner ist, die die Comicwelt [...]

-> Rezension lesen


 Grand Hotel. Redesigning Modern LifeVancouver Art Gallery:
Grand Hotel. Redesigning Modern Life
Das Grand Hotel. Seit jeher der Inbegriff der großen weiten Welt, des Luxus, der Kultur und des polyglotten Kosmopolitismus. Die prachtvollen Paläste der Belle Époque und die eleganten Bauten des Art déco setzten Maßstäbe, deren moderne Epigonen doch nur wie ein Abklatsch erschienen, denn im 19. Jahrhundert in dem die meisten Grand [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.018799 sek.