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Geeta Bruin - Vincent van Gogh - Die Farben der Nacht
Buchinformation
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Bruin, Geeta:
Vincent van Gogh - Die
Farben der Nacht

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(Bücher frei Haus)

Vincent van Gogh
Die Farben der Nacht
Texte von Geeta Bruin, Maite van Dijk,
Jennifer Field, Sjraar van Heugten, Joachim Pissarro,
Chris Stolwijk

2008
Hatje und Cantz
www.hatjeundcantz.de
160 Seiten, 121 Abb., davon 115 farbig
ISBN 978-3-7757-2265-0
29,80.- €

Von Jürgen Weber

„Le cafe de nuit“ ist ein Gemälde van Goghs, das 1888 entstanden war und heute in der Yale University Art Gallery in New Haven hängt. Wie wohl kein anderes Gemälde des wohl bekanntesten Impressionisten des 19. Jahrhunderts so deutlich zeigt das „Nachtcafe“ das Talent des Malers zur Farbkombination. Die Nacht, die die eigentliche Muse dieser in diesem Buch ausgewählten Werkschau van Goghs ist, zeichnet sich ja gemeinhin durch die Abwesenheit von Licht aus, doch van Gogh vermag gerade das: nämlich der Dunkelheit Licht zu verleihen. Künstlerisches Vorbild für dieses Gemälde war einerseits „Die Kartoffelesser“, andererseits Bordellszenen des Malerkollegen Emile Bernard. In einem wie im anderen Fall handelt es sich um Zufluchtsstätten, vertriebene, armselige Gestalten, die einen Platz zum Aufwärmen suchen, weil sie in ein Hotel nicht eingelassen werden: entweder aufgrund ihrer Armut, oder weil sie schon zu betrunken sind.

Ein Cafe de Nuit war in Südfrankreich, wo das Gemälde entstand, ein Etablissement, das die ganze Nacht hindurch geöffnet blieb und auch der Künstler selbst blieb drei Nächte, um die Atmosphäre dieses real existierenden Nachtcafes einzufangen. Das Geniale dabei ist - wie gesagt – die Farbgebung: die Decke ist in einem Louis XV-Grün gehalten (so nannte van Gogh selbst diesen Farbton), das sich im Billiardtisch und den auf den Tischen abgestellten Weinflaschen wiederholt. Die Wände sind in einem satten Rot gestrichen, das mehr an einen Stierkampf als an eine stilles, gemütliches Nachtcafe erinnert. Der Bretterboden wiederum in einem Gelb, das stark an van Goghs Weizenfelder erinnert und ebenso intensiv leuchtet, wie die von van Gogh an die Decke gehängten Gas- und Öllampen. Die meisten Tische sind leer, an einem sitzen zwei Bauern in ihren Absinth (?) versenkt, am hinteren Tisch ein Pärchen, dann noch eine andere vereinsamte Gestalt, in sich selbst versunken an einem anderen Tisch. Neben dem Billardtisch steht jedoch gewissermaßen ebenso auffällig wie störend eine in weiß gekleidete Gestalt. Könnte es ein Anstaltsarzt, ein Pfleger, eine andere bedrohliche Gestalt sein? Van Gogh selbst hat sich diesbezüglich nicht geäußert, wer diese Person sein könnte, sehr wohl jedoch, dass er bei einer Revision des Bildes die Person bunt malen würde und nicht mehr weiß.

Gewissermaßen im Kontrast dazu steht das titelgebende Bild (siehe Titelbild) dieser Werkschau van Goghs, „Die Sternennacht“. Sie zeigt keinen Innenraum, keine Menschen und auch kein künstliches Licht, sondern allein die Pracht der Natur, die über einem südfranzösischen Dorf einen wahren Zauber entfacht hat. Das vom Menschen Geschaffene scheint hier marginal, es dominiert eindeutig die Natur und ihre unvergleichliche Schönheit. Hier ist zwar das Licht auch Gelb, umrändert von grünen und blauen Kreisen, aber als viel dominantere „Farben der Nacht“ kristallisiert sich ein starkes, dunkles Marineblau heraus. Bei diesem Bild habe er sich hauptsächlich für ein „Blau in einer Skala zusammenhängender Nuancen“ entschieden“, schreibt Sjraar van Heugten in seiner Interpretation des Bildes, das 1889, also ein Jahr nach Cafe du Nuit, entstanden ist und heute im New Yorker „Museum of Modern Art“ zu besichtigen ist. In vorliegendem prächtigen Nachtkatalog van Goghs ist dieses Gemälde auf zwei Seiten redproduziert und erhält damit das ansehnliche Ausmaß von 2 x 22,80 x 28,80 cm. Eine würdige Widmung an den großen Meister also für alle diejenigen, die gerade nicht nach New York oder New Haven unterwegs sind.

Die Ausstellung „Die Farben der Nacht“ wird noch bis 5.1. 2009 in New York gezeigt und kommt danach auch nach Europa, eine der wenigen Gelegenheiten also, die beiden hier beschriebenen Gemälde im Original zu sehen, und zwar vom 13.2.2009-7.6.2009 im van Gogh Museum in Amsterdam. Natürlich finden die „Nachtschwärmer“ und alle anderen Liebhaber Vincent van Goghs in diesem 115-farbigen Werk noch viele andere Gemälde (121 Abbildungen) des wohl größten Malers aller Zeiten und dazu viele interessante Texte, die sich mit Leben und Werk Vincent van Goghs beschäftigen. Ein guter Trost bis Februar also!


[*] Diese Rezension schrieb: Juergen Weber (2008-11-28)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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