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Bernd Brunner - Die Kunst des Liegens Handbuch der horizontalen Lebensform
Buchinformation
Brunner, Bernd - Die Kunst des Liegens Handbuch der horizontalen Lebensform bestellen
Brunner, Bernd:
Die Kunst des Liegens
Handbuch der
horizontalen Lebensform

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(Bücher frei Haus)

Wer bei „horizontal“ an ein einschlägiges Gewerbe in gewissen Vierteln bestimmter Metropolen dieser Welt denkt, irrt! Denn die unterschätzte „Kunst“ des Liegens wurde auch schon von Philosophen untersucht, schließlich liegt man auch so, wie man sich bettet. Mehr als die Hälfte bis ein Drittel unseres Lebens verbringen wir in der „Waagrecht‘n“, also wird es endlich Zeit, auch darüber einmal zu sprechen. Bernd Brunner lädt den geschätzten Leser zu einem entspannten Streifzug durch die Welt des Liegens ein, der einen bald freispricht von Gewissensbissen, wird doch Liegen im Allgemeinen mit Stillstand, Passivität und Faulheit assoziiert.

Kunstgeschichte des Liegens
Aber sind nicht auch die Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle im Liegen entstanden? Hat nicht auch der Autor der „Suche nach der verlorenen Zeit“ im Liegen geschrieben? Vielleicht liegt also dem Menschen das Liegen ja vielmehr als das Sitzen? Schon Groucho Marx wusste schließlich, dass das, was man nicht im Bett tun kann, es nicht wert ist, getan zu werden. Hat er das im Liegen geschrieben? Eine ganz neue Technologie wäre zu erfinden, würde man den neuen Maximen des aufgeklärten Kosmopoliten folgen. Denn wer nicht mehr im Büro sitzt, hat auch keine Bandscheibenvorfälle mehr, wer nicht mehr sitzt, beklagt sich auch über keine Rücken- oder Kopfschmerzen mehr und schließlich wer nur mehr liegt, bekommt neue Perspektiven, denn der Blick kann kreisen und schaut nicht mehr nur eine Oberfläche (Bildschirm genannt). Schon der heute 85-jährige Hugh Hefner, der Gründer des Playboy, wollte in den Fünfzigern mit der Erfindung des „rotating bed“ zeigen, dass es wichtig ist, öfters mal die Perspektive zu wechseln, denn das hält bekanntlich jung, da würde wohl auch Francis Picabia zustimmen.

La génération vautrée
„In der Horizontalen geraten Gewissheiten leichter ins Wanken als anderswo“, bringt es Bernd Brunner auf den Punkt und erzählt die Geschichte des wahren Menschen: einen Großteil unserer Energie verwenden wir gegen die Gravitation anzukämpfen, was liegt also näher, als sich hinzulegen, „wenn einem die Dinge zu schwer werden“? Wenn man es genau nimmt, beginnt das Leben ja auch im Liegen und endet zumeist in dieser Position. Edmond und Jules de Goncourt nannten es die drei große Akte des Lebens: „Kindbett, Koitus und Tod“. In Frankreich spricht man schon von der génération vautrée, jungen Menschen, die es ganz einfach verweigern, sich in die engen Korsette der Schulbänke zu zwängen und lieber am Boden lümmeln, als sich in diese Zwinger „einspannen“ zu lassen, die wohl auf das spätere langweilige Büroleben vorbereiten sollen.
Der Blick in den Himmel weitet die Seele und vielleicht sollte man dieses Sprichwort öfters beherzigen und auch im Büroalltag wieder einmal einen Blick nach oben riskieren. Michelangelo und Proust, die in obigem Rätsel angesprochen wurden, schicken ihre besten Empfehlungen und der Autor Bernd Brunner hat noch viele weitere Anekdoten über das Liegen in seiner aufschlussreichen kurzweiligen Lektüre zu bieten, die man natürlich – wie könnte es anders sein – am besten im Liegen studiert. Denn nur Gehen ist gesünder…

Bernd Brunner
Die Kunst des Liegens
Handbuch der horizontalen Lebensform
Verlag Galiani Berlin
ca. 160 Seiten, reich illustriert
Gebunden mit Schutzumschlag
Euro 16,99 (D) | sFr 24,90 | Euro 17,50 (A)
ISBN 978-3-86971-051-8

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-04-04)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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