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Dieter Buchhart - Zwischen Paradies und Untergang
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Buchhart, Dieter - Zwischen Paradies und Untergang bestellen
Buchhart, Dieter:
Zwischen Paradies und
Untergang

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(Bücher frei Haus)

Der Einband des vorliegenden Kunstkataloges zeigt das Bild „Puffmutter“, das als Aquarell 1923 entstand und aus der Otto Dix Stiftung aus Vaduz stammt. Das Oeuvre des Malers reicht nicht nur vom Expressionismus hin zu kubistischen und futuristischen Anklängen bis zur neuen Sachlichkeit, es ist auch von der Themenwahl als vielfältig und vor allem auch schlicht als „mondän“ zu bezeichnen. Auch wenn sich Dix` Ikonographie im Krieg gestaltet habe und daraus entstanden sein, wie die Herausgeber, Dieter Buchhart und Hartwig Knack, schreiben, dürfe man nicht auf seine vielen anderen sozial- und gesellschaftskritischen Ansätze vergessen. Bei der Ausstellung in der Kunsthalle in Krems werden immerhin 200 Werke aus dem Oeuvre Dix` gezeigt und ein Großteil davon findet sich natürlich auch im Katalog wieder und wird zudem von interessanten Beiträgen begleitet und erklärt.

„Ich brauche die Verbindung zur sinnlichen Welt, den Mut zur Hässlichkeit , das Leben ohne Verdünnung“, soll der Maler einmal gesagt haben und dabei sehr exzentrisch gewesen sein, allein die Kunst hätte ihm die Möglichkeit der Selbsterlösung geboten. Ein Selbstporträt mit dem Titel „An die Schönheit“ (1922) zeigt Dix selbst in einem Vergnügungsetablissement mit der Hand am Telefon und grimmigem Blick. Man könnte meinen er fleht die Schönheit an, denn auf dem Bild ist sie nicht zu sehen: alles nur Imitat, Groteske und Surrogate, ja, Talmi! Sein Credo sei es gewesen zu bezeugen, nicht zu bekehren, wie Ulrike Lorenz Dix in ihrem Einleitungsessay „Maler ohne Muse“ zitiert. Dennoch sei er auch immer Betroffener gewesen und nicht nur Beobachter, was nicht zuletzt seine Diffamierung als „entarteter Künstler“ durch die Nazis beweist.

„Lebt denn das Schwein noch?“ notierte der führende Nationalsozialist Dresdens auf Dixs Entlassungspapiere von der dortigen Kunstakademie und Dix wurde nicht nur verfemt, sondern auch seine Werke beschlagnahmt. 262 seiner Werke wurden aus deutschen Museen entfernt, beschlagnahmt, verbrannt oder ins Ausland verkauft. „Dresden“ vernichtete förmlich seine Existenz und der Maler zieht sich in die „innere Emigration“ an den Bodensee zurück. Nietzsches „Die Wüste wächst, wehe dem, der Wüsten birgt“ wird ihm zum politischen Vermächtnis und auch in seine düsterste Phase seiner Bilderzyklen eingearbeitet, es entstehen 1933 „Die sieben Todsünden“, auf dem auch Hitler als „Neid“ porträtiert wird. Im Spätwerk, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, folgt noch ein expressiver Aufbruch, in dem ihm die Selbstdeutung wichtiger erscheint als die Zeitdeutung. Am Ende hat ihn vielleicht doch die Muse geküsst?

Dem Textteil folgt ein Bildteil, in dem einige der Bilder von Dix auch großflächiger abgebildet werden. Sie zeigen einen bisher eher unbekannten Dix, einen Kubisten und Expressionisten, aber auch den Maler einiger Triptychons, „Der Krieg“ etwa oder „Die Großstadt“, einem Thema, dem derzeit auch eine andere interessante Ausstellung und ein Buch des Hatje und Cantz Verlages gewidmet ist. Otto Dix starb am 25. Juli 1969 in Singen am Bodensee an einem Schlaganfall, nachdem er in zwei Weltkriegen gekämpft hatte: von 1915 bis 1918 als Maschinengewehrschütze in Frankreich und Russland und 1945 wurde er noch – als 54-Jähriger - zum Volkssturm eingezogen. Er wäre heuer 108 Jahre alt geworden und stammte aus Thüringen und gilt immer noch als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

Otto Dix
Zwischen Paradies und Untergang
Katalog zur Ausstellung in der Kunsthalle Krems
vom 15. März bis zum 12. Juli 2009

2009
Hirmer Verlag
127 Seiten
ISBN 978-3-7774-2021-9
23.- €

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-04-18)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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