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Armando Chitolina - Valentino
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Chitolina, Armando:
Valentino

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(Bücher frei Haus)

Vor genau 50 Jahren eröffnete der Mann, der nur unter seinem Vornamen bekannt ist, sein erstes Modegeschäft in Rom. Pret-a-porter-Kollektionen und Haute Couture gehören seit jeher zum Metier des italienischen Couturiers, der in vorliegender Luxusausgabe des Taschenverlages durch Zeichnungen, Aufnahmen für Zeitschriften, Anzeigen, Porträts, dokumentarische Fotografien und durch zahlreiche chronologische Zeitungsartikel und Zeitschriftenbeiträge nun endlich auch dem breiten Publikum persönlich vorgestellt wird. Ein Hauch von Hollywood mit Paris Flavor weht durch diese Luxusausgabe einer Zeitreise mit anderen Mitteln. Fashion Victims der letzten 5 Dekaden werden ihre wahre Freude haben, alle Früchte von Valentinos Arbeit noch einmal Revue passieren zu sehen und darüber hinaus auch noch einiges über seine ganz eigene persönliche Handschrift in Erfahrung zu bringen.

Valentinos Welt
Der Mann, „der die Frauen immer schön aussehen lassen wollte“, erzählt sein Leben gleich auf den ersten Seiten in einem Interview mit Matt Tyrnauer und Matt Pressmann. Danach werden die Sechziger in Analysen von John Fairchild und Franca Sozzani beleuchtet, die Siebziger „Donne, Basta Pantaloni!“ in vielen Zeitungsausschnitten und Fotos, die Achtziger von Rupert Everett und die Neunziger sowie das 21. Jahrhundert von den Herausgebern selbst. Aber auch auf die Proteste gegen die Modewelt wird eingegangen. Etwa, wenn in Rom die Frauenbewegung mit Schildern „Ci fanno comprare per non farci pensare“ (sinngemäß: „Wir sollen kaufen, um uns vom Denken abzulenken“) gegen die Reichen und Schönen der Welt demonstrieren. Aber genau das ist eben „Valentinos Welt“ und so heißt auch ein weiteres Kapitel in vorliegendem Luxusalbum des berühmtesten Couturiers, das den Mann des Geschmacks durch die Feder von Ingrid Sischy, Frah Diba, Anna Wintour, Graydon Carter oder Patrick McCarthy darstellt.

Begegnung zweier Legenden
Im letzten Kapitel, „45 Jahre Stil – Zeichnungen & Kleider“ werden auch diese noch genauer betrachtet und von Anna Wintour kommentiert. Valentino erfüllt sicherlich stets alle Ansprüche mit Klasse, darüber sind sich wohl die meisten Kommentatoren und auch Autoren des vorliegenden Buches einig. Selbst der berühmte Andy Warhol erkennt in einem hier abgedruckten Interview mit Valentino die Arbeit des Designers an, die sicherlich noch aufwendiger sei, als die eines Autors, wie Andy – selbst weder noch - meint. Auf die Frage, wie er, Valentino, das viele Reisen verkrafte antwortet ihm dieser: „Manchmal muss ich mich sehr zusammenreißen und den schrecklichen Drang, faul, allein und frei zu sein, bekämpfen. Manchmal reise ich voller Enthusiasmus und fühle mich wie ein Entdecker, dann wiederum fühle ich mich als ob ich ein bekanntes Muster wiederhole, auf altbekannten Wegen.“ Und weiter: „Ich mag hier und da ein Glas Champagner, weil es mich in eine festliche Stimmung versetzt! In Champagnerbläschen liegt etwas, das mich an die Mode oder eine Modenschau erinnert: Sie sind nicht beständig, sie schmecken nach dem Moment.“ Da wird der Gute wohl nicht etwa einen über den Durst getrunken haben? Andy Warhol holte eben auch als Interviewer das Wesentliche aus einer „Marke“ heraus!

Auf der Suche nach der wahren Schönheit
Am besten kann man die Philosophie Valentinos vielleicht anhand seines Schönheitsideals erklären. „Bei sehr vielen Partys saß ich auf einmal allein in einem großen Wohnzimmer auf dem Sofa – weil alle anderen verschwunden waren. Ich war immer eine sehr altmodische Person, und dazu stehe ich. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich nie im Leben betrunken war. Wenn ich etwas tue oder sage, möchte ich es lieber mit einem vollkommen wachen und klaren Kopf tun.“ Ist das Schönheit? Viele seiner Kleider wurden für den Laufsteg oder zur Verleihung der berühmtesten Preise der Filmindustrie entworfen und getragen, selbst seine beliebteste Farbe, wurde bald zu einem Valentino-Rot, weil es in jeder Kollektion zumindest ein rotes Kleid gibt. Ist das etwa nicht Schönheit? Natürlich sprechen seine zahlreichen Fans und Bewunderer und die Frauen, die seine Kleider tragen, am besten für ihn. Kann man sein Schönheitsideal vielleicht gerade mit diesen berühmten Namen beschreiben: Claudia Schiffer, Gwyneth Paltrow, Sophia Loren, Anjelica Huston? Aber das sind nur einige der Namen, die auf Valentino als Designer Stein und Bein schwören und in vorliegender Haut Couture Hommage auch persönlich mit Original-Zitaten (und nicht nur schönen Hochglanz-Fotos) zu Wort kommen. Ist das Schönheit? Außerdem wird auch das Konzept des Binomio, die Partnerschaft mit Giammetti, erklärt und so mancher kritische Rückblick, etwa auf den Verkauf des Labels 1998 um sagenhafte 330 Millionen Dollar, gehalten. HdP setzte das Unternehmen allerdings vorerst in den Sand, worauf die italienische Textilfirma Marzotto das Unternehmen 2002 für 210 Millionen Dollar zurückkaufte. Wohl weniger schön! Seither hatte es der Designer sogar an die Börse in Mailand gebracht und 2005 dort sogar die Eröffnungsglocke geläutet. Schön, schön!

Schönheitsideale zum Angreifen
Aber Valentino ist selbstverständlich mehr als nur viel, viel Geld, vielmehr eine Lebenseinstellung, die sich zwar die wenigsten leisten können, die paar dafür aber wirklich. „Apres moi, le deluge“ sagt der bald 75-jährige Valentino am Ende des Interviews kokett und weiß doch selbst sehr genau, dass sein Unternehmen auch ohne ihn weiter bestehen wird. Das zumindest wünscht er sich, auch wenn er damit sagt: „Nach mir, die Sintflut.“ Zumindest wird die Welt in einem roten Kleid und mit etwas Stil zugrunde gehen, das mag man sich übrigens auch für so manchen Gentleman wünschen. „Ich weiß nicht, was es bedeutet, meine Jacke auszuziehen, weil es heiß ist. Diesen Wunsch haben, kenne ich nicht und habe ich nie gekannt. Gut gekleidet zu sein ist eine Frage der Erziehung. Wenn man schlechte Laune hat, sollte man das für sich behalten.“ Solche Zitate lieben die Journalisten, schön wenn ein Mann druckreif spricht, ohne sich dabei in Widersprüche zu verwickeln. Die Rache des Journalisten heißt ja nicht umsonst „Archiv“. Aber alle diese Maßstäbe gelten für einen Mann wie Valentino Garavani selbstverständlich nicht. Seine Mode spricht für sich. Und die kann man ausgiebig in dieser luxuriösen und gebundenen Prachtausgabe des Taschen-Verlages bewundern. Schönheitsideale zum Angreifen eben. Ist das jetzt nicht schön?

Armando Chitolina/Suzy Menkes/Matt Tyrnauer (Hrsg.)
Valentino Garavani
Eine italienische Legende

2009
Taschen
576 Seiten viele farbige Abbildungen
ISBN: 978-3-8365-0330-3
49,90.-€

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-07-23)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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