Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Nicholas J. Conard - Die Venus aus dem Eis
Buchinformation
Conard, Nicholas J.  - Die Venus aus dem Eis bestellen
Conard, Nicholas J. :
Die Venus aus dem Eis

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Archäoliteratur

Eine Wortschöpfung ist es, die im Sinne der Autoren Sinn und Ziel des Buches beschrieben. Es stellt einen archäoliterarischen“ Versuch dar. Das zumindest soll entstehen, wenn zwei anerkannte Wissenschaftler ihre Fachrichtungen zusammen bringen, um eine ganz andere Art der Kunstgeschichte zu schreiben.

Nicholas John Conard leitet als Professor die Abteilung Ältere Urgeschichte an der Universität Tübingen, Jürgen Wertheimer ist Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, ebenfalls in Tübingen.

Beide gemeinsam geben der Geschichte ihren Inhalt und ihren Rahmen. In der Form einer abenteuerlichen Novelle stellen beide eine junge Neandertalerin mit Namen Khar in den Mittelpunkt ihrer Geschichte. Diese trifft auf eine Gruppe einer sich neu entwickelten Menschenart, der Homo sapiens und soll auf diese Weise zu einem Bindeglied zwischen den Welten geworden sein. Und das in einer Welt, die sich anschickt, tiefen Wandlungen entgegen zu sehen. Die klimatischen Bedingungen ändern sich rapide, soziale Strukturen entfalten sich, ständige Aufbrüche kennzeichnen das Leben der frühen Menschen, Neandertaler wird es bald nicht mehr geben. Innerhalb der sozialen Strukturen entfaltet sich zudem erste Ansätze von Kunst und Kultur. Das zeigen die archäologischen Funde der „Venus aus dem Eis“ und, fast zeitgleich, einer Flöte aus der gleichen Zeit. Aus diesen Ansatzpunkten durch die Funde her gestalten die Autoren die Grundintention ihres Buches, dass gerade die beginnende Kunst aus den verschiedenen Gruppen früher Menschen, eben aus Neandertalern und Homo sapiens gemeinsam hervorgegangen ist. Daher erklärt sich der Untertitel des Buches „Wie vor 40.000 Jahren unsere Kultur entstand“.

Im gesamten also erzählen beide Autoren einerseits eine abenteuerliche Geschichte mit ausgeprägten Charakteren, die sowohl sprachlich wie inhaltlich durchaus zu fesseln weiß. Die besonderen Stärken der Erzählung liegen dabei weniger auf aktionsgeladenen Szenen (auch wenn die ein oder andere schwierige Situation zu bestehen ist), sondern vor allem darin, den Leser in die Welt der Steinzeit zu entführen und vermittels der gestalteten Charaktere die Lebensumstände und Entwicklungen der prähistorischen Zeit fassbar zu gestalten. Mit fachlichen Einschüben und Erläuterungen werden zudem Geographie, Flora und Fauna, klimatische Bedingungen, Werkzeuge und Waffen, Lebensweisen und frühe Musik u.a. jeweils erläuternd eingeschoben.

Ein intensiver und durch die abwechslungsreiche Geschichte aus vielerlei Blickrichtungen der handelnden Personen auch differenzierter plastischer Eindruck des Lebens der Steinzeit dringt so durch die Seiten des Buches in die Gegenwart, bei dem die Autoren akribisch darauf achten, dem aktuellen Stand der Forschung jener Zeit zumindest nicht zu widersprechen.

Dennoch bleibt es nicht aus, das eine Reihe von Elementen doch eher dem Bereich der Fantasy zuzuordnen sind, zu ungesichert sind viele Erkenntnisse, auch wenn Erklärungsversuche durchaus plausibel erscheinen mögen. Gerade über das Zusammentreffen von Neandertalern und Homo sapiens liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. So muten manche Passagen des Buches denn auch wie ein mythischer Bericht über Schamanen an oder wie eine Verlagerung aktueller sozialer Sinnfragen hinein in die Steinzeit.
Ebenfalls ist die sprunghafte Entwicklung der Kunst gerade im Bereich des Schnitzens sicherlich in dieser Form kaum in einem solch kurzem Zeitraum wie im Buch entstanden.
So verbleibt eine in sich schlüssige und gut zu lesende Geschichte des Lebens in der Steinzeit, getragen von überzeugend gestalteten Figuren, die allerdings gerade dem Untertitel nicht gerecht wird. Es hätte eher heißen müssen „So könnte es vor 40.000 Jahren auch gewesen sein“.
Dennoch ein empfehlenswertes Buch ob der vielen feinen und prägnanten Details der Lebensumstände, die in solchem gesammelten Überblick innerhalb einer literarisch fiktional gut zu lesenden Geschichte tatsächlich einen leicht verständlichen und teils intensiven Einblick in die Entwicklung der Menschheit geben.

[*] Diese Rezension schrieb: Michael Lehmann-Pape (2010-10-24)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Nicholas J. Conard ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Das Tor zur UnterweltGaude, Laurent:
Das Tor zur Unterwelt
Das geöffnete Reich des Todes Mattieo de Nittis ist ein einfacher Taxifahrer. Für philosophische Überlegungen, religiöse Mythen und überhaupt für all das, was außerhalb seines täglichen Versuches steht, das Leben für sich und seine kleine Familie zu sichern, hat er weder Zeit noch großes Interesse. In Neapel herrschen harte [...]

-> Rezension lesen


 Kein Schweigen, das nicht endetBetancourt , Ingrid:
Kein Schweigen, das nicht endet
Als Mensch überleben Das Buch enthält eine Geschichte, die sich bereits ohne größeres, sprachliches Zutun, völlig von alleine tragen würde. Eine Leidensgeschichte, die jeden Pseudo Abenteuer-Roman und jedes Horror Szenario leicht durch das Leben selbst überholt. Aber mehr als eine Geschichte schreibt Ingrid Betancourt über [...]

-> Rezension lesen


Managementpraktiken unternehmerischer NachhaltigkeitStein, Lars :
Managementpraktiken unternehmerischer Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit stellt die Sinnfrage Obwohl der Begriff „Nachhaltigkeit“ seit Jahren bereits in aller Munde ist, ist und bleibt er doch seltsam unbestimmt. Sicher schwingen positive Grundintentionen im Begriff mit, aber was genau Nachhaltigkeit in sich fasst, bleibt doch oft der Einzelinterpretation überlassen. Lars Stein hat in [...]

-> Rezension lesen


 Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alleTwickel, Christoph:
Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alle
Sieht man sich die großen Stadtentwicklungsprojekte in den Metropolen dieser Welt an, so zeichnen sich Trends ab, die bis in die Soziologie hinein registriert worden sind. Bestimmte soziale Stratifikationen führen zu einer Neudefinition urbaner Ballungsräume, die, gebunden an alte wirtschaftliche Blütezeiten, längst ihren Zenit [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.021470 sek.