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Rezensionen


 
Francis Ford Coppola - Der Große Gatsby
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Coppola, Francis Ford:
Der Große Gatsby

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(Bücher frei Haus)

„Jack Clayton (hat) aus Der Große Gatsby einen Film gemacht …, der, meiner Meinung nach, sogar den Roman von F. Scott Fitzgerald übertrifft“, hat Tennessee Williams in seinen Memoiren (1972) geschrieben. Sollte es wirklich zutreffen, dass ein Film einen Roman übertreffen kann, wäre es sicherlich nicht nur dem Drehbuch von Francis Ford Coppola zu verdanken, sondern auch den Schauspielern, in deren Hauptrollen sich unter der Regie von Jack Clayton immerhin Robert Redford als Jay Gatsby, Mia Farrow als Daisy Buchanan, Bruce Dern als ihr Ehemann Tom Buchanan und Sam Waterston als Nick Carraway, dem Erzähler der Geschichte

Raffinierte Symbolik
Nick Carraway der als Nachbar vom „Great Gatsby“ die in dessen Palast stattfindenden Parties mit kritischer Distanz betrachtet, ist eigentlich nur ein allein lebender, eher schüchterner junger Börsenmakler. Doch in der Nähe lebt auch seine Cousine Daisy, die mit dem steinreichen Tom Buchanan verheiratet ist und ihn bald in die unheilschweren Ereignisse hineinziehen wird, aus denen sich der junge Nick eigentlich heraushalten wollte. Daisy war vor acht Jahren nämlich die Angebetete von Jay Gatsby und dieser bittet Nick nun, seine Cousine in sein Haus einzuladen. Als sich die beiden dann in Nick’s bescheidenen Haus wiedersehen, zeigt die Kamera zuerst die Spiegelung Gatsbys, die Daisy hinter den weißen Rosen in einem barocken Spiegel wahrnimmt. „Erkenne dich selbst in dem anderen“, könnte nicht treffender inszeniert werden, man denkt dabei an Jacques Lacans Spiegelgleichnis und die Spannung erhöht sich als sich Daisy dem Spiegelbild zuwendet und die beiden Geliebten sich schließlich minutenlang wortlos gegenüberstehen.

Charleston-Parties für die Reichen und Schönen New Yorks
Gatsby hatte die vielen Charleston-Parties eigentlich nur veranstaltet, um Daisy auf sich aufmerksam zu machen, denn sie wohnt am anderen Ufer von Long Island und er beobachtet jeden Abend wie in ihrem Haus die Lichter ausgehen. In der Szene in der sich Nick und Gatsby das erste Mal begegenen sagt letzterer zu ihm: „I’m afraid, I’m not a very good host, and besides…I don’t like parties too much.“ Sagt’s und schließt die Fenster zu seinem prachtvollen Garten in dem sich die Reichen und Schönen von New York auf seine Kosten ein Stelldichein geben. Gatsby, der seinen sagenhaften Reichtum, in ominösen Geschäften gemacht hat, ist ein sehr romantischer, sensibler Mensch. Er hat im Krieg gedient, das Vermögen seiner Eltern verloren und dann doch wieder alles neu aufgebaut. Ein echter selfmademan, für den wohl jede Frau ihr Leben geben würde, nur nicht seine Daisy, die es nicht erwarten konnte, bis er aus dem Krieg zurückkommt und den erstbesten Reichen heiratete, der sich ihr anbot.

“Rich Girls Don’t Marry No Poor Boys“
Als Gatsby Daisy schließlich frägt, warum sie Buchanan geheiratet habe, sagt sie „Don’t you understand, rich girls don’t marry poor boys“. Jetzt wo Gatsby sogar noch reicher ist als ihr Mann Tom will sie ersteren zwar als Liebhaber, aber nicht als Ehemann akzeptieren. Daisy steht weder zu ihren Gefühlen noch zu sich selbst, sie ist eine selbstsüchtige auf ihren eigenen Vorteil bedachte Prostituierte, die sich dem bestverdienenden Mann hingibt und ihm sogar seine Seitensprünge verzeiht. Das Drama entwickelt sich in Jack Clayton’s Gatsby Interpretation sehr langsam und entfaltet deswegen umso effektiver seine volle Wirkung, die den Zuschauer über die scheinbare Ausweglosigkeit des Schicksals erschrecken läßt. Denn am Ende bezahlen die Ehrlichen und die Feigen und Hinterhältigen obsiegen. Der von F. Scott Fitzgerald 1925 verfasste Roman ist kein „tragisches Liebesdrama“, als das er oft dargestellt wird, sondern vielmehr eine kritische Reflexion über die Korrumpierung von Macht und Geld. Die letzten Ehrlichen sind der Tankwart Wilson, der den Tod seiner Frau Myrtle, an der falschen Person rächen wird und Gatsby selbst. Denn auch Nick, der Erzähler, streckt am Ende die Waffen und schafft es nicht, seiner Cousine Daisy seine Abscheu vor ihr auszudrücken. Da sowohl Wilson als auch Gatsby ursprünglich aus armen Verhältnissen stammen, könnte man eine gewisse Sozialromantik in Fitzgerald’s Dramaturgie hineininterpretieren und auch resignierend feststellen, dass selbst die Liebe es nicht schafft, Klassengrenzen zu überwinden.

Jack Clayton/Francis Ford Coppola
The Great Gatsby/Der Große Gatsby (1974)
BluRay 138 Minuten
Paramount 2013

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-04-28)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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