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Rezensionen


 
Francis Ford Coppola - Rumble Fish
Buchinformation
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Coppola , Francis Ford:
Rumble Fish

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(Bücher frei Haus)

„I love you, but I gotta run“, meint Rusty James zu seiner Anbeteten, Patty, nachdem er während des Pettings auf ihr eingeschlafen ist. Rusty hat nämlich an diesem Abend noch eine andere Verabredung. Eine Verabredung zum Sterben. Eine Verabredung zum Prügeln. Mit seinen Freunden will er nämlich die alten Tage der Gang-Schlägereien wieder aufleben lassen, bevor die Droge Heroin alles zerstört hätte, habe es nämlich so etwas wie ehrliche Schlägereien gegeben. Früher sei überhaupt alles besser gewesen, früher als sein Bruder noch da war, der dann unvermittelt während der Schlägerei mit dem anderen Gangboss auftaucht und so die Verletzung Rustys erst verursacht. Aber dieser symbolische Akt steht vor allem auch dafür, dass Rusty in naiver Bewunderung seines älteren Bruder ihn immer nachzuahmen versuchte und so eigentlich gar nichts aus ihm werden konnte. Armer Rusty James!
„Someone’s gotta put the fish back in the river“
Schon in der ersten Szene des Films, als Midget den Billardsalon betritt, wird dem Zuschauer klar, dass dies ein besonders „cooler“ Film wird, auch wenn Patty zu Rusty an einer Stelle sagt, er wäre warmherzig, aber natürlich auch „cool“. Das cineastische Handwerk beherrscht Coppola natürlich aus dem eff-eff, also mit Effé, und so gibt es eine Menge an geilen künstlerischen Kameraeinstellungen, wie etwa rauchende Feuerleitern oder die Leuchtschrift „CAIN`S“ in den Morgenhimmel geschrieben. Die Welt, die Coppola beschreibt, ist tatsächlich ein Kain’s Land, wo der Bruder seinen Bruder erschlägt, der Nachbar seinen Nachbarn, usw. Auch die im Titel gegebene Anspielung an die „Rumble Fish“ - das einzig Bunte im Film - die sich in ihren Käfigen gegenseitig fressen würden, wären ihre Aquarien nicht getrennt, ist ein Zitat biblischen Ausmaßes. „Someone’s gotta get you away from the streets“, sagt der Policofficer, der Rusty’s Bruder schon lange auf dem Kerbholz hat und dieser antwortet: „Someone’s gotta put the fish back in the river“.
Police and Thieves
So wie die „rumble fish“ im Aquarium sogar nach ihrem eigenen Spiegelbild schnappen, so benehmen sich die Jungs in dieser amerikanischen Stadt, die sinnbildlich für ganz Amerika steht. Wenn Rusty den Polizisten frägt, warum er seinen großen Bruder so hasst, antwortet dieser: „I hate him so much, because you kids think he is someone he is not.“ Der Mangel an guten Vorbildern ist es auch, der Rusty James zu seinem großen Bruder aufblicken lässt. Der Vater der beiden ungleichen Brüder, großartig vom kürzlich verstorbenen Dennis Hopper verkörpert, ist ein Alkoholiker, der wohl als einer der wenigen Lawyers on welfare ist. Seine Frau hat ihn verlassen und damit auch seine Selbstkontrolle, er ist so verwahrlost, wie die Stadt in der sie leben. Tom Waits als Bartender philosophiert über Zeit und gibt zu Bedenken, dass es nur mehr 35 Sommer wären, die er erleben würde, nachdem früher alles zu langsam ging, ginge es heute alles einfach viel zu schnell, je älter man werde.
„You & me: we could have run the whole place.“
Die kühle künstliche Ästhetik von „Rumble Fish“ macht ihn zum cineastischen Erlebnis der Sonderklasse, the music (Stewart Copland/Police), the dust, the suits und das ganze Staraufgebot machen den Rest. „Mum and Das and you, you always thought I was a little dumb, just because I didnt know the big words, huh? You and me you know, we could have run the whole place, you know?“, wird Rusty enttäuscht seinem älteren Bruder vor, aber auch dieser hat keine Antwort auf die Herausforderungen der Zeit und stirbt eine Art Märtyrertod, damit sein jüngerer Bruder endlich besser leben kann. „Even the most primitive societies have some inane respect for the insane.“ Ein Testament und Nachlass, der verwaltet werden muss: no more heroes war nicht umsonst eine Parole der 80iger.
Koch Media legt den Film als BluRay in einer schönen Ausstattung mit Booklet vor. Darin ein schöner Text zum Film und einige Fotos. Weitere Extras: Audiokommentar mit Francis Ford Coppola, Making of, Featurette zur Musik, Geschnittene Szenen, Kinotrailer.

Francis Ford Coppola
Rumble Fish
Koch Media, BluRay, 1983
91 Minuten
Musik: Stewart Copeland
Mit Matt Dillon (Rusty James), Mickey Rourke (Der Motorrad-Typ), Diane Lane (Patty), Dennis Hopper: (Vater), Diana Scarwid: Cassandra, Vincent Spano (Steve), Nicolas Cage (Smokey), Christopher Penn (B.J. Jackson), Laurence Fishburne (Midget), William Smith (Patterson), Michael Higgins (Mr. Harrigan), Glenn Withrow (Biff Wilcox), Tom Waits (Benny)

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-11-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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