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Rezensionen


 
Robert Crumb - Kafka
Buchinformation
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Crumb, Robert:
Kafka

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(Bücher frei Haus)

1963 fand zu Kafka’s 80. Geburtstag auf dem Schloss Liblice bei Prag ein Kafka-Kongress statt, der vielleicht dazu beigetragen haben könnte, dass das marode politische System der damaligen Tschechoslowakei einige Jahre später beinahe einstürzte. Erstmals wurden nämlich die Werke des weltbekannten Autors wieder ins Tschechische übersetzt und die Affinitäten seiner Romane „Schloss“, „Prozess“ u.a. zum herrschenden politischen System waren allzu offensichtlich. Natürlich führten noch viele andere Umstände dann zum Prager Frühling 1968, aber wollte man historische Prozesse auf eine Ursache reduzieren, würde diese Annahme dem Werk Kafkas durchaus gerecht werden: dass es nämlich nichts weniger vermag, als ganze Systeme zum Einsturz zu bringen, so viel Sprengstoff beinhalten sie.

Prophet der Apokalypse
„Herr K.“ hatte in seinem Oeuvre nämlich nicht nur die absurden Schauprozesse in der Sowjet vorweggenommen, sondern auch so manche weiteren schrecklichen Auswüchse des 20. Jahrhunderts. In einem von Kafka gegenüber seinem Freund und Herausgeber Max Brod geäußerten Wunsch, sollten die meisten seiner Werke verbrannt werden und auch wenn Brod diesen letzten Willen nicht erfüllte, fielen doch etliche Manuskripte in den Dreißigern –bereits nach Kafka’s Tod - der Gestapo zum Opfer und wurden tatsächlich verbrannt. Seine Geliebte Milena Jesenska und seine Schwestern wurden in Konzentrationslager deportiert und dort wie in seiner Erzählung „Die Verwandlung“ wie Ungeziefer gehalten. Aber auch vor dem Nationalsozialismus gab es bereits viele Pogrome, denn in der Ersten Tschechoslowakischen Republik wurden die Juden meist als Deutsche behandelt und dementsprechend behandelt. Hebräische Schriften wurden vor der Alt-Neu-Synagoge aufgehäuft und verbrannt, und der tschechische Bürgermeister nannte das eine „würdige Manifestation des Staatsbewusstseins“.

Kafka als Kellner
Wie der Graphic Novel Artist der ersten Stunde, Robert Crumb, in seinem meisterhaft düster illustrierten Narrativ über Kafka’s Leben und Werk darstellt, hatte sich Kafka selbst eigentlich nie als Jude gesehen, denn sein Vater war assimiliert und hatte sich sogar umbenennen lassen, um sich von den Juden abzugrenzen. Aber die Geister die Kafka plagten bestanden nicht nur in der Autorität seines Vaters, sondern auch in seinem ungelösten Verhältnis zum sog. schwachen Geschlecht und der damit verbundenen schmerzhaften oder traumatisch erlebten Sexualität („Der Koitus ist die `Sehnsucht nach Schmutz´. Der Koitus ist die Bestrafung für das Glück des Beisammenseins.“). Als er mit seiner Schwester Ottla auf einem Hof in Zürau im Norden Böhmens lebte, soll er das Zusammenleben als „kleine gute Ehe“ bezeichnet haben, „Ehe nicht auf Grund des üblichen gewaltsamen Stromschlusses, sondern des… geradeaus Hinströmens“. Erst in den letzten Monaten seines von Tuberkulöse gezeichneten Lebens soll er so etwas wie Zufriedenheit gefunden haben. Mit Dora Diamant zog er sogar nach Berlin und sie planten nach Tel Aviv zu ziehen um dort ein jüdisches Restaurant aufzumachen: mit Kafka als Kellner!

Bei Kafka sei die Dualität von „düsterer Melancholie und überschwänglicher Selbsterniedrigung“ immer zu finden, schreiben Mairowitz/Crumb. „Kafkaesk“ bedeute schließlich „voller Schreckensvorstellung und bitterer Seelenqualen“ und das obwohl seine Geschichten immer auch etwas komisch seien, so Mairowitz/Crumb. Kafka als Comic von Crumb, was kann man sich mehr wünschen? Die Biografie mit den Zeichnungen von Robert Crumb ist mittlerweile selbst ein Klassiker, Reprodukt legt das Buch neu überarbeitet vor, und auch „Nausea“, „Fritz the Cat“ und „Mein Ärger mit den Frauen“ ist bei Reprodukt erhältlich.

Kafka
David Zane Mairowitz, Robert Crumb
Aus dem Amerikanischen von Ursula Grützmacher-Tabori
Handlettering von Marianne Nuß
176 Seiten, schwarzweiss, 14 x 21 cm, Klappenbroschur
ISBN 978-3-943143-54-6
EUR 17,00

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-07-17)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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