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Paul Duncan - Film Noir
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Duncan, Paul:
Film Noir

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(Bücher frei Haus)

Wer einmal die Szene „Anybody got a match?” in der Literaturverfilmung des Ernest Hemingway Romans „To have and have not“ mit Laureen Bacall und Humphrey Bogart gesehen hat, wird sich wohl genauso in das Genre verliebt haben, wie die beiden Schauspieler bei den Dreharbeiten zu diesem Howard Hawks Film aus dem Jahre 1944 sich ineinander. Die knisternde Erotik und Spannung der beiden frisch Verliebten läßt sich auf einem bekannten Online-Portal jederzeit erneut aufrufen und am besten man spielt sie durch bis zu dem Moment in dem Bacall ihr „Feuer“ bekommen hat, Bogart die Zündhölzer zurückwirft und während sie die Tür zumacht in sein Schlafzimmer haucht: „You know how to whistle, don’t you, Steve? You just put your lips together and… blow”. Es bleibt einem wahrlich die Luft weg, so viel Energie ist in dieser Szene, dass auch das renommierte American Film Institute ihn zu einem der 100 besten Liebesfilme of all times kürte. Aber mit Sicherheit steht er auf Platz 1, was Dialoge in Liebesfilmen betrifft. Macht das bisher Gesagte „Haben und Nichthaben“ eigentlich schon zu einem klassischen „Film Noir“?

Love doesn‘t live here anymore
Grundsätzlich zählt es zu den Kennzeichen der Filme dieses Genres, dass sie in den Vierziger oder Fünfziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts gedreht wurden und, dass die Charakterisierung der handelnden Personen beinahe wichtiger ist, als die Handlung selbst. So zumindest beurteilten die französischen Filmkritiker Nino Frank und Jean Pierre Chartier eine Reihe von Produktionen zu denen auch „Der Malteser Falke“(1941), ein andere wichtiger Bogart-Film, sowie „Laura“ (1944) oder „Frau ohne Gewissen“ (1944) gehören. Weitere Merkmale des Film Noir sind aber auch grundsätzlich Crime-Stories, also psychologische Thriller, die ein Verbrechen durch einen zumeist verbitterten Antihelden, einen Detektiv aufklären lassen. Die existentielle Nausea, der den Protagonisten auszeichnet, beruht zumeist auf enttäuschter Liebe, die er aber durch seine Coolness gegenüber dem Rest der Frauenwelt wieder wettzumachen versucht. Oft gibt es dann auch eine Rettung des männlichen Protagonisten durch eine engelsgleiche Frau, die es einmal ausnahmsweise ehrlich meint. Die düstere Atmosphäre wird natürlich nicht nur durch S/W unterstützt, sondern auch durch die entsprechende Beleuchtung und Kameraführung. Da die ersten Filme des Genres zur Zeit des Zweiten Weltkrieges in den USA gedreht wurden, zeichnen sie sich auch durch eine zutiefst pesssimistische Weltsicht aus, denn anfangs sah es ja tatsächlich so aus, als ob die Deutschen gewinnen würden.

Crime Certainly Does Pay
“Was ist Noir?“ fragt der Herausgeber gleich im ersten Kapitel und zitiert die literarischen Vorbilder des Filmgenres, darunter finden sich nicht nur Hemingway und Hammett, sondern auch Chandler, Cain, Goodis und Woolrich. Der deutsche Expressionismus und poetische Realismus seien ebenso Pate gestanden, wie die Stummfilme der ersten deutschen Filmära, etwa „M“, „Kabinett des Caligari“ oder „Nosferatu“. Natürlich war die Film Noir Welle in den USA auch dem Umstand zu verdanken, dass viele der ehemals deutschen Regisseure aus ihrem Heimatland vertrieben wurden und in den USA in Hollywood Arbeit fanden. Aber auch andere Emigranten trugen durch den Export der existentialistischen Philosophie aus Frankreich und die Psychoanalyse aus Österreich zur Genese des Genres bei. Die Protagonisten der Films noires – sie werden im Vorwort „die Wahrheitssucher“ genannt - seien aber nicht unbedingt positive Identifikationsfiguren, wie die Herausgeber unterstreichen, oft versuchten sie gerade durch ein Verbrechen gegen die Absurdität des Daseins anzukämpfen, ganz so wie Meursault in Camus‘ „L‘Ètranger“ (1942). Am Ende muss der Protagonist sich meist selbst neu erfinden, ganz so wie Antoine Roquentin in „La nausée“ (1938) von Jean-Paul Sartre.

Diese – natürlich ganz in S/W getauchte – Publikation des TASCHEN Verlages unterrichtete in vielen Einzelkapiteln die einzelnen Gegenstände des Film Noir, seien es Mord aus Liebe, korrupte Polizisten, Liebe ohne Chance, psychologisch fundierte Handlung oder anderes. Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Spielfilmen des Genres werden u.a. geliefert zu: „Frau ohne Gewissen“, „Rattennest“, „Gefährliche Leidenschaft“, „Gewagtes Alibi“, „Umleitung“, „Ein einsamer Ort“, „Geheimagent T“, „Goldenes Gift“, „Schweigegeld für Liebesbriefe“ und „Im Zeichen des Bösen“.

Film Noir
Paul Duncan, Alain Silver, James Ursini
Hardcover, 24 x 30 cm, 192 Seiten, € 9,99

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2012-10-21)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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