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Rainer Werner Fassbinder - Die Filme 1966-1982
Buchinformation
Fassbinder, Rainer Werner - Die Filme 1966-1982 bestellen
Fassbinder, Rainer Werner:
Die Filme 1966-1982

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(Bücher frei Haus)

Der 1982 verstorbene deutsche Regisseur drehte in seiner kurzen Schaffensperiode – er wurde nur 37 Jahre alt – 44 Kino.- und Fernsehfilme. Das vorliegende enzyklopädische Filmbuch des Münchner Schirmer/Mosel Verlages ehrt den Regisseur derselben Heimatstadt mit einem 328 Seiten starken Werk, das insgesamt 1414 Abbildungen – Stills und Frames – seiner Filme enthält und Texte von und über das enfant terrible des Neuen Deutschen Films der Sechziger, Siebziger und Achtziger. Gezeigt werden Fotos seiner Filme, eigene Auftritte, seine Schauspieler, Kameraleute, Ausstatter, Filmarchitekten und die engsten Freunde und Mitarbeiter.

Deutschland im Herbst
Zwischen Kriegsende und Mauerfall hatte Rainer Werner Fassbinder in seinen Filmen ein Deutschland entstehen lassen, das unter dem Einfluss von Bert Brecht, Jean-Luc Godard und Andy Warhol, unter dem RWF in jener Zeit stand, zu einem Deutschland wurde, in dem sich vor allem die Frauen lernten, sich durchzusetzen und gegen ihre Unterdrückung zu wehren. Tatsächlich sollte ja der gesellschaftliche Rollback in Fassbinders Schaffensperiode einsetzen, in der die Frauen aus ihren während des Krieges erworbenen emanzipierteren Rollen wieder zurück an den Herd gedrängt werden sollten, da die geburtenstarken Jahrgänge wieder eine männliche Dominanz ermöglichten, die durch das Ausbluten der Soldaten im Krieg ja verloren gegangen war.

Liebe und Macht
„Fassbinders Filme bewohnen das Unbewusste vieler Zuschauer, weil sein Stil, so hinreißend er ist, auch hyperreal, unverwechselbar und niemals starr ist. Fassbinders Visionen werden mühelos ins geistige Auge absorbiert. Fassbinders Storys sind zwar direkt, grundlegend und schmissig, aber sie entwickeln sich wie Traumstücke“, schreibt Herausgeber Laurence Kardish im Vorwort. Am wesentlichsten war aber wohl, dass er das Private politisch machte, denn was sich in den eigenen vier Wänden abspielte war oft die Reflektion der realpolitischen Machtverhältnisse. „Liebe und Macht in Beziehungen innerhalb der häuslichen vier Wände oft die stärkste und wirkungsvollste Art sind, gesellschaftlich Zwänge und Manipulationen zu betrachten...In diesem Kräftefeld wiederholen sich historische und politische Strukturen“, so Kardish weiter.

Sein Leben leben
Aber auch Fassbbinder selbst kommt in Texten und Selbstzeugnissen am Ende des Fotobandes zu Wort. So etwa in seinen drei Lebensläufen, einer Filmkritik zu Vivre sa vie (Geschichte der Nana S.) von Godard und auch einem mehrseitigen Beitrag zu seiner Beziehung zu seiner Lieblingsschauspielerin Hanny Schygulla sowie Alfred Döblins Alexanderplatz, den er ja auch verfilmt hatte. Der Film hat mir geholfen „nicht kaputt zu gehen“, schreibt RWF an einer Stelle dieses Essays und er sei „für sein Leben mitentscheidend“ gewesen. Fassbinder, der ursprünglich aus der deutschen Alternativszene stammte und seine ersten Erfahrungen mit den Kollektiven Aktions-Theater und „antiteater“ machte, wuchs bald darüber hinaus und ging seinen eigenen, sehr individualistischen und nicht ganz unumstrittenen Weg. „Und ob im übrigen das Festhalten an alten Idealen, oftmals womöglich wider besseres Wissen, womöglich krankhaft, nun soviel positiver ist, als das vielleicht sehr schmerzhafte Anerkennen einer illusionslosen Wirklichkeit, gepaart mit dem hilfreichen Arrangement mit einer Realität, die sich der Träume, die man von ihr hatte, entledigt hat, sei dahingestellt. So what?“

Rainer Werner Fassbinder
Die Filme 1966-1982
R.W. Fassbinder
Die Filme 1966-1982
An illustrated catalog of works with 1,368 film stills from 44 films Edited by Lothar Schirmer and Juliane Lorenz
With essays by Laurence Kardish, Juliane Lorenz, and Lothar Schirmer, plus Rainer Werner Fassbinder German Edition 328 pages, 1,414 illustrations
ISBN 978-3-8296-0698-1 € 49.80

[*] Diese Rezension schrieb: jürgen Weber (2016-06-16)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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