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Rainer Werner Fassbinder - Lili Marleen
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Fassbinder, Rainer Werner - Lili Marleen bestellen
Fassbinder, Rainer Werner:
Lili Marleen

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(Bücher frei Haus)

Wer liebt hier wen mehr? Die Sängerin Willie (Hanna Schygulla), die ihre Karriere opfert, um ihren Geliebten Robert Mendelssohn, vor den Nazischergen zu retten, oder Robert, der seiner Willie misstraut, weil sie bei den Nazi-Bonzen aus und eingeht? Die Geschichte dieser Liebe geht am Ende auch traurig aus, denn Robert ist bereits verheiratet, als Willie sich endlich für ihn frei machen kann. Verpasste Chancen, wo man hinblickt.
Die Autobiographie der Lale Andersen inspirierte das Enfant terrible des Deutschen Films, Rainer Werner Fassbinder, zu diesem Film, der in die Atmosphäre der 1930er und 1940er abtaucht. Willie macht mit ihrem Lied „Lili Marleen“ Karriere im Deutschen Reich und wird sogar vom Führer persönlich verehrt, der ihr eine eigene Villa schenkt. Willie hat einflussreiche Freunde in der Partei, aber als ihr Geliebter, der Jude Robert Mendelssohn, der einer Widerstandsorganisation angehört, von den Nazis eingesperrt wird, kann selbst sie ihm nicht helfen. Erst ihr Selbstmordversuch macht es möglich, das das beste Propagandainstrument des Regimes im Austausch für ihren Neueinsatz Robert die Freiheit bringt. Aber die Liebe kann den Krieg dann doch nicht überdauern, weil Robert glaubt, dass Willie längst zu den anderen gehört, den Nazis, und so verrät er ihre Liebe, indem er eine andere heiratet.
Hanna Schygulla spielt die Willie als eine etwas naive Künstlerin, der es nur um ihr Lied geht. „Es ist doch nur ein Lied“, sagt sie und versteht nicht, warum es plötzlich zu einem so großen Politikum wird. Sogar Hitler und Göbbels, der Reichspropagandaminister, stritten sich über den Gehalt des Lieds, Göbbels sah darin eine melancholische, defätistische Grundstimmung und wollte es verbieten, aber der Erfolg bei den Soldaten verhinderte dies vorläufig und erst als die Beziehung zwischen dem Juden Robert und Willie in der Öffentlichkeit bekannt wird, wird es verboten, das kann dann selbst der Führer nicht mehr gutheißen, so will es einem zumindest der Film glauben machen.
Rainer Werner Fassbinder schneidet Kriegsszenen und Bühnenauftritte von Willie übereinander, besonders eindrucksvoll sind die Bilder, als auf dem Schlachtfeld tote Soldaten durch die Luft fliegen, und Willie auf der Bühne tausende Blumen vor die Füße geschmissen bekommt. Dass Willie etwas naiv gewesen sein muss, wenn sie sich für die Propaganda der Nazis so hat einsetzen lassen und wirklich dachte, es wäre doch nur ein Lied, mag diese Einstellung rechtfertigen, jedoch ist die Vorlage der Figur Willie, Lale Andersen, keineswegs so naiv gewesen, wie Fassbinder glauben machen will. So unterschlägt Fassbinder etwa die zeitweiligen Probleme der Andersen mit den Nazis und ihr Berufsverbot ab dem 41er Jahr. Was bleibt ist jedenfalls die Liebesgeschichte, die wieder einmal beweist, dass immer der verliert, der mehr liebt. Robert mit seinen Zweifeln machte jedenfalls gleich zwei Frauen unglücklich: seine Frau und Willie. Und Willie zeigt, dass wahre Liebe Vertrauen voraussetzt. Aber so etwas gibt es eben nur im Film. Unsere beiden Schatten/Sah'n wie einer aus,
Daß wir so lieb uns hatten,/Das sah man gleich daraus./Und alle Leute soll'n es seh'n,//Deine Schritte kennt sie,/Deinen schönen Gang./Alle Abend brennt sie, Mich vergaß sie lang./Und sollte mir ein Leid gescheh'n,/Wer wird bei der Laterne steh'n,/Mir Dir, Lili Marleen?//Aus dem stillen Raume,/Aus der Erde Grund,/Hebt mich wie im Träume/Dein verliebter Mund./Wenn sich die späten Nebel dreh'n,/Werd' ich bei der Laterne steh'n/Wie einst, Lili Marleen./.“ Lili Marleen, Musik: Norbert Schultze, Text: Hans Leip, Deutschland 1939

Rainer Werner Fassbinder (Regie)
Lili Marleen
Mit Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer, Karl-Heinz von Hassel, Mark Bohm, Christine Kaufmann, Udo Kier,…
D 1980
116 Minuten
Edition Der Neue Deutsche Film 2/1980 bei Zweitausendeins
www.zweitausendeins.de

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-02-20)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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