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Rezensionen


 
Gabriele Franger - Fridas Vater
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Franger, Gabriele:
Fridas Vater

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(Bücher frei Haus)

Viele Legenden ranken sich um Frida Kahlo, und zu den meisten hat sie selbst die Fährte gelegt, doch die beiden Wissenschaftler und Herausgeber vorliegender Publikation haben sich dank ihrer akribischen Recherche davon nicht in die Irre führen lassen. Eine dieser falschen Fährten betrifft etwa Fridas Vater, Guillermo Kahlo (1871–1941). Unter dem Portrait, das die berühmte Tochter von ihrem Vater angefertigt hatte, schrieb sie, er sei „ungarisch-deutscher Abstammung“ gewesen; irgendwann später seien dann auch noch „jüdische Wurzeln“ hinzugekommen.

Wie die Historikerin Gabriele Franger und der Lateinamerikanist Rainer Huhle jüngst herausgefunden haben, hieß Friedas Vater eigentlich Carl Wilhelm Kahlo und kam im badischen Pforzheim als Sohn lutheranischer Eltern zur Welt. Seine Familie verfüge sogar über einen langen Stammbaum, denn sie lässt sich in Deutschland bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. 1890 wanderte Carl nach Mexiko aus, nannte sich nunmehr Guillermo und wurde dort zu einem der angesehensten Architektur- und Industriephotographen. Übrigens gibt es auch einen Brief der Frida Kahlo, der in einem Faksimile dokumentiert wird und zeigt, dass auch die Malerin selbst großes Interesse an ihrer deutschen Verwandtschaft hatte. Wie ein Schuljunge dem andern soll Carl seiner Tochter nach ihrem schweren Unfall seinen Malkasten geborgt haben und damit den Grundstein für eine der berühmtesten Malerinnen gelegt haben, soll die Malerin selbst einmal erzählt haben. Er sei zwar gegen die Heirat mit Diego gewesen, aber die finanzielle Situation sei ohnehin nicht mehr so erfreulich gewesen und Rivera übernahm immerhin die Schuld der Familie, ein Umstand unter der ihr Vater natürlich gelitten habe.

Unter den 119 Duotone-Tafeln und weiteren 60 Abbildungen befinden sich auch Fotos des berühmten Hauses der Kacheln in Mexiko-Stadt, wo sich erst der Jockey-Club und dann die „Bohemia literaria“ traf, oder Chapultepec mit Park, sowie Aufnahmen von Stahlgerüsten. Besonders interessant ist auch die Dokumentation des Baus von der Casa Boker, einer Eisenwarenhandlung, den der Fotograf Kahlo mit akribischer Sorgfalt und Genauigkeit in seiner Kamera festgehalten hat. Diese Dokumentation sei auch zum Schlüssel für den Einstieg Kahlos in seine fast vier Jahrzehnte dauernde Karriere als Fotograf gewesen, wie die Autoren schreiben. Kahlo bildet aber auch viele offizielle Gebäude wie das Rathaus, den Nationalpalast, die Hauptpost oder das Nationalstadion in Mexiko-Stadt ab. Die Tafeln 72-86 zeigen aber auch das Land Mexiko, nicht nur die Hauptstadt, und dabei kommt auch die indianische Urbevölkerung nicht zu kurz. Die Reproduktion der Fotos ist in ausgezeichneter Qualität auf festem Papier und der Band gebunden, ein wirkliches Prachtwerk, wie man es von Schirmer Mosel schon gewohnt ist.

Gaby Franger und Rainer Huhle legen eine reich bebilderte und sehr informative Monographie vor, in der nicht nur die Geschichte der wohl berühmtesten mexikanischen Malerin, sondern vor allem auch ihr Vater, ein erstaunlich moderner Photograph, zu entdecken ist. Die mexikanische Malerin wird bald in Retrospektiven in Berlin (29.4. bis 9.8.2010) und danach auch in Wien (1.9. bis 5.12.) ausgestellt werden. Nicht nur aus diesem Grund sind im Schirmer/Mosel Verlag zahlreichen Publikationen erschienen, darunter auch die Liebesbriefe der Kahlo, ihre Fotografien, ihre Kleider und mehrere Bücher zu Sammlungen ihrer Gemälde. Bitte konsultieren Sie dafür die Homepage des Verlages.

Fridas Vater
Der Photograph Guillermo Kahlo

2010
Schirmer/Mosel
Mit Texten von Juan Coronel Rivera, Cristina Kahlo Alcalá, Helga Prignitz-Poda, Raquel Tibol und den Herausgebern.
248 Seiten, 119 Duotone-Tafeln, 60 Abb.
Format: 23,5 x 27,5 cm, gebunden
ISBN: 9783829601979

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2010-03-10)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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