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Rezensionen


 
Tony Frank - Serge Gainsbourg
Buchinformation
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Frank, Tony:
Serge Gainsbourg

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(Bücher frei Haus)

Nadelstreif-Sakko, weißes Hemd, Bluejeans und weiße Lederschlüpfer: war Serge Gainsbourg der Mann, der den legeren Look der 60er erfunden hat? Bekannt geworden ist er natürlich durch seine Chansons, sein süffisantes Grinsen und die filterlose Gitane in seiner Hand, die Locken stets durch einen Scheitel sauber getrennt und das unrasierte Gesicht frech in die Kamera haltend. 1969 entstand sein wohl berühmtestes Lied „Je t`aime…moi non plus“ im Duett mit seiner damaligen Lebensgefährtin Jane Birkin, wofür die beiden nicht nur auf die Watchlist des Vatikans gesetzt wurden, sondern auch von vielen anderen Ländern boykottiert wurden. Wer genau hinhört, auf den Text, wird allerdings feststellen, dass „Je t’aime“ vergleichbar harmlos ist, zumal ja eh niemand mehr Französisch spricht, oder?: „Comme la vague irrésolue/ Je vais, je vais et je viens/ Entre tes reins/ Je vais et je viens (…)/
Tu es la vague, moi l’île nue/ Tu vas, tu vas et tu viens/ Entre mes reins… .“

Die Fotografien von Tony Frank zeigen einen jungen frech grinsenden, fast lausbübischen Serge Gainsbourg, der mit seiner Gitane kokettiert oder seine Geliebte Jane liebkost, die sich als Melody Nelson verkleidet und bald nicht nur die Perücke auszieht. „Signalement yeux bleus, cheveux chatains, Jane B. anglaise, des sexe feminin“ wird ein anderes Kapitel des Buches übertitelt und zeigt die Birkin in kniehohen weißen Lederstiefeln mit einem Stoffäffchen im Arm oder später mit Hot Pants und Babykorb im Schlepptau. In seiner Wohnung zeigt Serge stolz seine Plattensammlung, oder ein Meerjungfrausofa in seinem Salon mit orientalischem Goblin an der Wand. Ziemlich mondän scheint seine Bleibe gewesen zu sein, denn es fand nicht nur ein Flipperautomat, sondern auch seine geliebte Marionette (ein kleiner Serge, der eingangs beschriebene Kleidung trägt), ganz zu schweigen vom Flügel, darin Platz. Tony Frank zeigt sein „Model“ immer wieder privat in seiner Wohnung in intimen Szenen mit seiner Familie, aber auch bei öffentlichen Auftritten mit seiner „Punk“band oder im Cafe, auf der Straße, beim Rauchen. So entsteht ein ganz intimes Porträt des vielfältigen Künstlers, der wohl kein Genre ausgelassen hatte: Malerei, Gesang, Film, Literatur und nicht zuletzt „Je t`aime…moi non plus“: Wir hingegen werden dich immer lieben, liebster Serge, allein dafür, dass du den Rock`n´Roll auch in Frankreich akzeptabel gemacht hast und die Jeans mit dem Nadelstreif kombiniert hast!

Serge Gainsbourgs Eltern stammen eigentlich aus Russland und waren säkularisierte jüdische Immigranten, die sich im Frankreich der 20er im 20. Arrondissement von Paris niederließen, wo „Lucien Ginsburg“ (Serge) und seine Zwillingsschwester Liliane geboren wurden. Der Vater war Pianist, doch die Familie musste bald vor den Nazis flüchten, später kehrten sie nach Paris zurück, wo sich Serge auch an der Uni einschrieb, damals wollte er eigentlich Maler werden, doch sein Vater ermuntert ihn zur Musikerkarriere. Im Alter von 26 Jahren konzentriert sich Serge dann zunehmend auf die Musik und arbeitet erst im Cabaret de Madame Arthur, wo er Boris Vian, der auch als Schriftsteller sehr bekannt ist, singen hört und daraufhin beschließt, selbst Sänger zu werden. Ab 1957 nennt er sich Serge Gainsbourg und als 1959 Vian stirbt nimmt er in der französischen Musikszene quasi seinen leeren Platz ein. Anfangs haben eher andere Leute mit seinen Songs Erfolg und auch er selbst nimmt seine Arbeit nicht allzu ernst: „Ich finde es akzeptabler, unprätentiöse Rockmusik zu machen, als Chansons, die vorgeben, einen literarischen Anspruch zu besitzen.“ Drei Monate lang teilt er nicht nur seine Lieder mit der Bardot, die auch die erste Duettpartnerin von „Je t`aime“ ist: der Song wurde auf Bardots Bitten hin nie veröffentlicht. Mit Jane Birkin, mit der er immerhin 12 Jahre zusammenlebt, gibt es diesbezüglich mehr Einigkeit und die beiden werden bald als „das“ Paar berühmt. Doch in den Siebzigern folgen nach einigen musikalischen und filmischen Erfolgen auch die ersten Krisen und da Serge bald dem Alkohol verfällt, trennen sich die beiden 1980. Auch sein Roman, auf Deutsch unter dem Titel „Die Kunst des Furzens“ hilft ihm nicht weiter bei seiner persönlichen Krise, die wohl hauptsächlich ein Ergebnis des zu schnellen Erfolges war. Serge ist inzwischen allerdings schon 52! Er dreht Filme, schreibt Musik für Isabelle Adjani, Jane Birkin („Baby Alone in Babyland“) oder auch für seine neue Geliebte Bambou oder seine Tochter Charlotte. Seine eigene musikalische Karriere ist immer mehr auch von Reggae und Funk beeinflusst, am 2. März 1991 stirbt er jedoch an einem Herzinfarkt in seinem Haus in der Rue Verneuil 5bis an einem Herzinfarkt.

Der Fotograf Tony Frank, 45er Jahrgang, stammt trotz des Namens aus Frankreich und arbeitete schon in den Sechzigern bei der Musikzeitschrift Salut Les Copains. Bitte besuchen Sie auch sein Homepage, die seinen Namen und fr als Kürzel trägt, um mehr über sein Werk zu erfahren.

Tony Frank (Fotograf)
Serge Gainsbourg
Unter Mitarbeit von Jane Birkin, Bambou und Charlotte Gainsbourg
Übersetzt von Ulrike Lelickens

2009
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag
160 Seiten 24x30 Quadrotone und Farbe
ISBN: 978-3-89602-923-2
29,90.-€

[*] Diese Rezension schrieb: Juergen R. Weber (2009-10-06)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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