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Francois Garde - Was mit dem weißen Wilden geschah
Buchinformation
Garde, Francois - Was mit dem weißen Wilden geschah bestellen
Garde, Francois:
Was mit dem weißen
Wilden geschah

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(Bücher frei Haus)

Für diesen beeindruckenden Roman ist der 1959 geborene und als hoher Regierungsbeamter unter anderem auf Neukaledonien tätig gewesene Francois Garde in Frankreich mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem begehrten und für Debütanten so wichtigen „Prix Goncourt du premier roman“.

Er erzählt die wahre Geschichte eines französischen Matrosen namens Narcisse Pelletier, der, nachdem er schon seit seinem 15. Lebensjahr zur See gefahren ist, im Jahr 1843 als junger Mann von seiner Crew versehentlich an der Ostküste des damals noch wenig erschlossenen Kontinents Australien zurückgelassen wird.

Nach 17 Jahren wird er von einer Expedition zufällig an einem Strand gefunden und mitgenommen. Er ist nackt, am ganzen Körper tätowiert und spricht die Sprache der Aborigines, die ihn aufgenommen hatten, und bei denen er fast zwei Jahrzehnte gelebt hat.

Ein französischer Wissenschaftler mit Ambitionen, sich durch Expeditionen in der Heimat einen Ruf zu machen, Octave de Vallombrun, ist zu dieser Zeit in Australien für seine Forschungen und beginnt sich mit dem „weißen Wilden“ zu befassen. Sein Ziel ist es, nicht nur ihm zu entlocken, was er dort bei Aborigines erlebt hat, mehr zu erfahren über deren uralte Kultur und deren Mythen, sondern von Anfang plant er, zu seinem eigenen Ruhm und für die Wissenschaft, Narcisse Pelletier wieder nach Frankreich zu bringen und seiner Familie zuzuführen.

Der Roman besteht aus zwei Teilen, die sich in entgegen gesetzter Richtung aufeinander zu bewegen, und sich kapitelweise abwechseln. In einem Teil berichtet ein Erzähler, wie Narcisse Pelletier sich von seiner Mannschaft zurückgelassen, an einem einsamen Strand wiederfindet, von Aborigines langsam sozusagen adoptiert wird, und wie er nach mehreren vergeblichen Fluchtversuchen zu spüren beginnt, dass es für ihn kein Zurück mehr gibt.

Der zweite Teil des Buches ist ein Briefroman, in dem Octave de Vallombrun dem Präsidenten der wissenschaftlichen Societe, die ihn ausgeschickt hat, in gewissen Abständen über seine Fortschritte in der Arbeit mit Narcisse Pelletier berichtet.

Denn nachdem er über viele Monate vergeblich eine lohnende und ihn ausfüllende geografisch-wissenschaftliche Aufgage im pazifischen Raum gesucht hat, kommt ihm die zufällige Begegnung mit einem Kapitän gerade recht, der ihm von dem aufgefundenen weißen Wilden erzählt. Octave ruht nicht, bis er vom Gouverneur die Erlaubnis bekommt, mit dem jungen Mann zu arbeiten.

Es ist faszinierend zu beobachten und zu lesen, wie auf der einen Seite der gestrandete Matrose sich langsam von seiner eigenen Sprache und Kultur entfernt, um schließlich ganz in die Welt der Aborigines einzuwachsen, und wie auf der anderen Seite er sich durch die Hilfe seines Mentors seiner ursprünglichen Sprache und Lebensweise wieder annähern soll.

Es geht in diesem Roman, der bei der Schilderung der Lebensweise der Aborigines an manchen Stellen an die Bücher von Bruce Chatwin erinnert, die ganze Zeit zwischen den Zeilen darum, was Zivilisation ist und welchen Preis sie hat. Denn dass ein Preis zu bezahlen ist, wird immer deutlicher, auch wenn die genaue Handlung hier nicht vorweggenommen werden soll.

Und auf einer tieferen Ebene geht es um etwas Zeitloses, nämlich darum, dass in unserer menschlichen Seele sozusagen eine wilde und eine zivilisierte Seite wohnen, wobei wir Zeitgenossen das Wilde gar nicht mehr wahrnehmen. Es ist wie bei zwei sich abstoßenden Polen, (oder ziehen sie sich an?), die unser Leben bestimmen sich aber nie wirklich miteinander versöhnen lassen.

Der Roman ist spannend zu lesen, gut aufgebaut und geschickt komponiert. Ein historisches Sujet, dessen klandestine Botschaft aber höchst aktuell ist, wenn man an die überall in der globalisierten Welt aufeinandertreffenden verschiedenen Kulturen denkt, bei denen, wie sich zeigen wird, keine die Hegemonie beanspruchen wird können, wollen die Menschen in Zukunft noch gut zusammenleben.

Francois Garde, Was mit dem weißen Wilden geschah, C. H. Beck 2014, ISBN 978-3-406-66304-8

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2014-01-29)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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