Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Margherita Giacombino - Familienbild mit dickem Kind
Buchinformation
Giacombino, Margherita - Familienbild mit dickem Kind bestellen
Giacombino, Margherita:
Familienbild mit dickem
Kind

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Um die insgesamt vierbändige „Napolitanische Saga“ der Napolitanerin Elena Ferrante, deren zweiter Band im Januar 2017 bei Suhrkamp erscheint (die Bände drei und vier folgen noch im Jahr 2017) gab es in den letzten Monaten eine erregte Debatte, die sich leider manchmal mehr um die Aufdeckung des Pseudonyms drehte, unter dem die Autorin schreibt als um die literarische Qualität der Bücher.
Die ganze Reihe ist von der Literaturkritik gelobt worden, wie ich finde zu Recht. Ich halte es für ein mit großer Kraft geschriebenes Meisterwerk über die große Macht und Kraft einer lebenslangen Freundschaft.

Ich war atemlos begeistert von diesem auch sprachlich anspruchsvollen Buch.

Doch nicht weniger begeistert – und deshalb setze ich es in eine Beziehung – war ich von dem hier anzuzeigenden Buch der in Turin lebenden Schriftstellerin und Regisseurin Margherita Giacobino, das unter dem Titel „Familienbild mit dickem Kind“ bei Kunstmann erschienen ist.

Ebenso autobiographisch geprägt und authentisch wie Ferrantes Saga, erzählt sie eine mehr als ein Jahrhundert umspannende Familiengeschichte aus Piemont. Ein altes Familienbild steht am Anfang:
„Ich sehe dieses Bild wie durch fließendes Wasser. Wer waren diese Frauen und Männer wirklich? Waren sie so rau und streng, wie sie aussahen? Liebten oder ertrugen sie sich? Was würden sie erzählen, wenn sie die Gewohnheit hätten, von sich zu erzählen, die ihnen gewiss fehlt?“

Immer waren da die Frauen, die Margherita schon als Kind um sich hatte und die sie ausdrucksvoll charakterisiert, Tanten und Großtanten, die die Familie am Laufen hielten, während die Männer oft weit weg waren um Geld zu verdienen. Da ist die sanfte Polonia, die als Hebamme alle im Dorf auf die Welt gebracht hat, Michin, die Seelenverwandte mit dem scharfen Witz, die schon als junges Mädchen mit ihren Schwestern in die Fabrik arbeiten geht, und vor allem Ninin.
Großtante Ninin ist die Konstante in dieser Familiensaga. Ihr setzt die Autorin ein besonderes Denkmal, da sie drei Generationen erzogen hat und eine prägende Gestalt in ihrem eigenen Leben war. Nach dem Tod der Mutter hatte Ninin für ihre Geschwister gesorgt.
Nachdem Ninins Schwester in die USA ausgewandert war und deren Tochter Maria, die spätere Mutter der Autorin, als Waise in das Heimatdorf ihrer Eltern zurückkehrte, nahm sich Ninin auch dieses Kindes an. Auch die Autorin selbst wird hauptsächlich von Ninin groß gezogen, weil die Mutter - bei einem spiel- und alkoholsüchtigen Vater - für die Familie sorgen muss. Die Autorin erzählt die verschiedenen Abschnitte ihres Lebens jeweils passend aus der Sicht des Kindes, der Heranwachsenden und später aus der Rückschau der Erwachsenen, die über ihre Heimat und die Menschen, die sie prägten, dankbar nachdenkt.

Das Buch ist eine Hommage der Autorin an die emanzipierten Frauen ihrer Familie und an das Bergdorf im Piemont ihrer Kindheit. Aus der Begegnung mit diesen Frauen und auch ihren Eltern, für die sie ein urteilsfreies Verständnis zu finden sucht, rekapituliert sie ihr eigenes Leben heute.
Ein leider bisher viel zu wenig beachteter Roman, der den Vergleich mit Ferrantes Büchern nicht zu scheuen braucht.

Margherita Giacobino, Familienbild mit dickem Kind, Kunstmann 2016, ISBN 978-3-95614-119-5

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2017-01-02)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Margherita Giacombino ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Wie Johanna wieder fröhlich wurdeKauthe, Philipp:
Wie Johanna wieder fröhlich wurde
Philipp Kauthe, Wie Johanna wieder fröhlich wurde, Goldegg 2016, ISBN 978-3-903090-60-6 In seinem hier vorliegenden Mutmachbuch erzählt der als Kabarettist und Nachrichtenmoderator einem größeren Publikum bekannte Journalist Philipp Kauthe insgesamt 41 unterhaltsame und nachdenkliche Kurzgeschichten über eine junges Mädchen [...]

-> Rezension lesen


 Null KDeLillo, Don:
Null K
Dieser neue Roman des fast 80 –jährigen Don DeLillo, seit Jahren immer wieder für den Nobelpries gehandelt, lässt sich nicht einfach so lesen. Verstörend und irritierend, wie viele seiner letzten Romane, lässt er einen stolpern, sich immer wieder neu für das Weiterlesen motivieren. Der Leser fühlt sich vom Autor auf eine ganz [...]

-> Rezension lesen


Der Junge bekommt das Gute zuletztStermann, Dirk:
Der Junge bekommt das Gute zuletzt
Ein Roman, der mit einer Geschichte aufwartet, die auf der Rückseite des Buchumschlags mit der Aussage „ die allertraurigste Geschichte von allen“ beworben wird, erregt zunächst einmal die Aufmerksamkeit des Lesers. Es ist die Geschichte des dreizehnjährigen Claude, die da erzählt wird, eine Geschichte der Ausweglosigkeit, [...]

-> Rezension lesen


 GoodwoodGielen, Knut:
Goodwood
Revival, Member´s Meeting, Festival of Speed: Wer irgendwo schon mal etwas von einer dieser drei Veranstaltungen gehört hat, sollte dieses Buch nicht mehr aus der Hand geben! Es transportiert in fantastischen Bildern die einzigartige Atmosphäre, die feierfreudige Vintage-Fans mit Benzin im Blut zu den legendären Events auf die [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.014085 sek.