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Vince Gilligan - Breaking Bad - Staffel 2
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Gilligan, Vince:
Breaking Bad - Staffel 2

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(Bücher frei Haus)

„Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, die Existenz einer allgemeinen Herrschaft der Ordnung in der Natur zu entdecken und die Ursachen für diesen Auftrag zu finden. Und dies bezieht sich in gleichem Maße auf die Beziehungen des Menschen - soziale und politische – wie auf das gesamte Universum als Ganzes.“, schreibt der russische Erfinder des Periodensystems der Elemente, Dmitri Mendelejew, der nur wenige Monate vor seinem deutschen Kollegen im Jahre 1869 die chemische Welt in ein System brachte. Er soll aber auch gesagt haben: „Ohne Vertrauen zum Lehrer kann das Lernen keine guten Früchte bringen.“ und leistete mit seiner Doktorarbeit zum Thema „Über die Verbindung von Alkohol mit Wasser“ einen wichtigen Beitrag zur qualitativen Verbesserung der damaligen russischen Wodkaherstellung. In der Signation der amerikanischen TV-Serie „Breaking Bad“ wird das Periodensystem der Elemente zur graphischen Darstellung der Namen der Filmcrew benutzt, Mendelejew`s Leitsatz über das Verhältnis von Lehrern und Schülern könnte bei Breaking Bad aber ebenso Pate gestanden sein, wie die unverrückbare Tatsache, dass Chemie zwar sehr viel Schaden anrichten kann, aber eben auch sehr viel Gutes – wie etwa die qualitative Verbesserung von Alkohol. Aber wie sagte schon Paracelsus: „Die Dosis macht das Gift“. Quod erat demonstrandum.

Breaking Bad: neue revolutionäre Erzählform
In der Erzähltheorie und Erzählforschung literarischer Texte (Narratologie, Narrativik) geht man von einer systematischen Beschreibung der Darstellungsform eines Erzähltextes aus, um zu wichtigen wissenschaftlichen Ergebnissen des Erkenntniswerts eines Textes zu gelangen. Die neuere Erzähltheorie wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Ansätzen vom Russischen Formalismus entwickelt und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Strukturalismus weiterentwickelt. Die Kategorisierung der chronologischen Reihenfolge der erzählten Ereignisse ist nicht immer unbedingt identisch mit dem sprachlichen Ablauf der Erzählung selbst. Dieses literarische Phänomen wird auch gerne mit dem Begriff Anachronie bezeichnet, von der es wiederum verschiedene Arten gibt. So bezeichnet die Analepse eine Rückblende, einen Zeitsprung in die Vergangenheit, und als Retrospektion wird jede nachträgliche Erwähnung eines vergangenen Ereignisses betrachtet. Wenn das gleiche Ereignis später noch einmal erzählt wird, ist es hingegen eine repetitive Prolepse („Vorgriff“). „Breaking Bad“ macht sich einige dieser literarischen Erzählformen zunutze, etwa wenn im Vorspann einer Episode die Höhepunkte vorweggenommen werden, oder in einer Episode Ereignisse aus einer früheren Episode zitiert werden oder sogar nacherzählt werden. Das Changieren zwischen Ana- und Prolepse macht die Narration so spannend wie ein Puzzle, indem man einzelne Teile eben selbst zusammenfügen muss. Ein Beispiel für eine Retrospektion wäre etwa wenn Walt sich ein Toast-Sandwich macht: immer wieder wird darauf rekurriert, dass er den Rand des Toasts wegschneidet, so wie er es in der ersten Staffel für Domingo gemacht hat, den er dann bestialisch umbrachte.

“ Why dont we just call it a day?“
In der zweiten Staffel von Breaking Bad geht es wieder tough zu. Einerseits muss ein Drogenbaron beseitigt werden, andererseits ein neuer Großabnehmer gefunden werden. Walt und Jesse geraten in Gefangenschaft von dem ausgefreakten Tuco und seinem behinderten Onkel, der im Rollstuhl sitzt und auch in Staffel drei noch eine wichtige Rolle spielen wird. Aber es gibt auch erstmals Zeit für die Liebe, denn Jesse verliebt sich in die Tochter seines neuen Vermieters, Jane Margolis (Krysten Ritter) - oder besser: „Apology Girl“ - nachdem seine Eltern ihn aus dem Haus seiner verstorbenen Tante rausgeworfen haben. Jane ist allerdings selbst auf Bewährung, denn sie ist heroinabhängig. Einmal Junkie immer Junkie und bald zeigt sie Jesse, wie man`s macht. So schweben die beiden bald auf Wolke sieben bis eine Überdosis der vermeintlichen Idylle ein Ende macht. Alle Hoffnungen von Jesse werden jäh zunichte gemacht und er begibt sich in Therapie, als der letzte Faden zu Jane getrennt wird: die Telefonansage von ihr, die er immer anruft, wenn er Sehnsucht nach ihr hat, wird eines Tages gekappt und so bleibt ihm wirklich nichts mehr von ihr. Aber auch für viele andere Bewohner von Albuquerque wird der Tod von Jesse’s Freundin schreckliche Konsequenzen haben: der Vater von Jane, der als Fluglotse arbeitet, verursacht einen Aircrash, dem 167 Menschen zum Opfer fallen. Die Trümmer und Leichenteile fallen nicht nur in Walt`s Swimmingpool (das Haus der Whites liegt in der Einflugschneise), sondern auch auf die Heckscheibe seines Autos. Auch für dieses Ereignis wurde die oben angesprochene Erzählweise angewendet, da schon im Vorspann das Ergebnis gezeigt wurde: ein verkohlter rosaroter Teddybär, der in Walt`s Swimmingpool schwimmt.

“When the war is over…“
Unweigerlich stellt sich der Zuschauer natürlich die Frage nach der Schuld für den ganzen Schlamassel: der Tod von Jane, der von Walt beobachtet wurde, das Flugzeugunglück von Albuquerque, später auch der Überfall auf Hank, Walt’s Schwager. Und die Antwort darauf fällt nicht schwer, denn der Haupttäter ist leicht zu identifizieren: Dr. Heisenberg aka Walter White. Dieser zeigt keine Reue, er macht weiter bis zum bitteren Ende ohne schlechtes Gewissen, aber mit der Rechtfertigung, es gehe darum, seine Familie zu versorgen, sie nicht unversorgt zurückzulassen, wenn er eines Tages an Krebs sterben wird. Es gibt dazu eine weitere Schlüsselszene, die mit einem Song von den Black Seeds unterlegt wird: „One By One“. Ironischerweise heißt es in dem Lied, das eingespielt wird als Walt und Jesse ohne Batteriestrom in der Wüste nebeneinander zum Sterben liegen, nachdem sie drei Tage meth kochten:„Summon everything you've got/All your forces under the sun/Put the corn up into the sky/I'll take you one by one by one/Come on and take me on (x4)//Your words are life drawn with stones/Skipping across my skin/Take a warm look at what has gone before/There's no way you will ever win/Come on and take me on (x4)/`cause when the war is over,/the fight is done./Well I'll be lying in the sun/Yeah when the war is over,/the fight is done,/we`ll be lying in the sun“ Das „lying in the sun“ bekommt so eine ganz andere Bedeutung und doch kommt Walt bald die „zündende Idee“. In dieser Szene zeigt Walt aber auch erstmals Reue, angesichts seines Todes in der Wüste, ohne Wasser im RV, bereut er und akzeptiert seine Schuld: „I deserve it. I deserve this.“ Doch dann kommt es zur Peripetie, wie so oft bei „Breaking Bad“: Walt hat nicht umsonst Chemie studiert und so bastelt er sich selbst eine Batterie und sie kommen noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Forgiveness=salvation
Nach der Überdosis von Jane hat das Leben für Jesse eigentlich keinen Sinn mehr, auch wenn es das sowieso nie hatte. Die Stimme des Therapeuten rät ihm folgendes: „It's that sneaky, rat-bastard, 24/7 voice. You guys know what I'm talking about. That voice that tells you you're not good enough. Not good enough for what? Not good enough to…be what, President of the United States? Well, okay, so maybe you're not that good. But now are you good enough to deserve your share of basic human happiness? Are you good enough to be okay with who and what you are? Jesse lernt seine Lektion und als Walt ihn in der Therapiestation besucht, um zu sehen ob er es schafft, antwortet er ihm: „Now i understand what you said in the desert, `I deserve it´, now I know, that I deserve everything that happens.“ Jesse nimmt sein Schicksal an und beschließt, nun wirklich „böse“ zu werden, also wieder das zu tun, was er am besten kann: to be bad. Mit dem Drogengeld kauft er das Haus seiner Tante von seinen Eltern (!) zurück und zeigt auch seinen Erzeugern, wer der Boss ist, nämlich der, der vergibt, ohne zu vergessen.

Sony Pictures Home Entertainment
BREAKING BAD – Season Two (Vince Gilligan)
Deutsch/Englisch

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2012-10-06)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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