
|
Rezensionen


| |
Johann Wolfgang Goethe - Wilhelm Meisters Lehrjahre
Buchinformation Goethe, Johann Wolfgang: Wilhelm Meisters Lehrjahre
Bei amazon bestellen
(Bücher frei Haus)
Der sich selbst erschaffende Mensch: Bürger der Neuzeit,
Wilhelm Meister. Bildung ist ihm mehr als das halbe Leben,
der Rest: Streben nach Glück. Die Lehrjahre, von Goethe in
übersatter Sprache dargestellt, als Ganzes: der Roman einer
Epoche, Napoleon soll ihn mehrfach gelesen haben, Lukács
hielt ihm zeit seines Lebens die Treue usw. usf., ach, fragt
doch die Literaturwissenschaftler, wenn ihr weitere Fakten
dieser Art zu hören wünscht!
Wilhelm Meister, wie er vom harmlosen, heimlichen
Puppenspiel auf die Bretter des Theaters gerät, begleitet
von plötzlichen Toden, unerwarteten Freund- und
Leidenschaften, Gelagen mit Wein und Sang; eine riesige
Farce, unterbrochen von dozierenden, moralisierenden
Einschüben, Kunstbetrachtungen, Lebensschilderungen. Eine
einzige, langatmige Zumutung. Nichts im Leben ist, wie es
scheint. Jemand wirkt und zieht im Dunklen seine Fäden. Am
Ende die Auflösung der zahllosen Mirakel: dieser war jener,
jenes als solches gedacht - wie in einer schlechten,
hyperbolischen Komödie aus Shakespearscher Feder. Die
unübertreffliche Sprache als Trost, das Mittel als Zweck. An
dieser Stelle ein Zitat aus dem Sommernachtstraum, weil in
ihm der Geist des Romans steckt:
Nun jag ich euch und führ euch kreuz und quer
Durch Dorn, durch Busch, durch Sumpf, durch Wald.
Bald bin ich Pferd, bald Eber, Hund und Bär,
Erschein als Werwolf und als Feuer bald,
Will grunzen, wiehern, bellen, brummen, flammen
Wie Eber, Pferd, Hund, Bär und Feur zusammen.
Was bleibt zu sagen? So gut wie nichts.
Jede Generation, heißt es ganz zu Recht, muss sich ihre
Klassiker neu erobern und über ihren Wert für die Gegenwart
befinden. Ich habe es hier getan! Biedere Gymnasiallehrer werden, wenn sie mit ihrem geeichten
Rüssel darauf stoßen, aufseufzen: Wie kann man sich nur an
diesem Heiligtum vergehen! Welchem Heiligtum?
Und dennoch: "Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die
Entsagenden" - magnetischer Titel! Stachel im Kopf! Werde ich der Lektüre des zweiten Teils entgehen können? Ich
glaube nicht.
[*] Diese Rezension schrieb: Arne-Wigand Baganz (2006-07-20)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
-> weitere Bücher von Johann Wolfgang Goethe ansehen
-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?
[ weitere Rezensionen : Übersicht ] · Mehr über Wilhelm Meisters Lehrjahre
|
|
Aus unseren Buchrezensionen


Frisch, Max: Stiller Was ist nur mit diesem Roman, dass er mich so fasziniert
(ich verschlinge sogar schon Kommentare der hauptamtlichen
Damen und Herren Literaturkritiker!)?
Das blaue(hellblaue?), untersetzte und etwas abgegriffene
Suhrkamp-Taschenbuch liegt nun wieder einmal vor mir; die
vierhundertfünfzig Seiten – von der Seite betrachtet – …[...]
-> Rezension lesen
|
| Trifonow, Jurij: Das Haus an der Moskwa "Wer aus diesem Haus wegzieht, hört auf zu
existieren." Auszugsgründe finden sich viele, doch selten freiwillige.
"Das Haus an der Moskwa" ist eine schonungslose
Skizze der gesellschaftlichen Verhältnisse im
"klassenlos kommunistischen" Russland. Die
Handlung beginnt in den 30er und endet in den 70er …[...]
-> Rezension lesen
|
Bernhard, Thomas: Die Ursache. Eine Andeutung. Geschichte, in Erzählungen weitergegeben, kann, so Thomas
Bernhard in seinem autobiographischen Buch "Die
Ursache. Eine Andeutung." (1975), immer nur verfälschte
Geschichte sein. Ein bekanntes Problem jeglicher
non-fiktionaler Literatur: "Wie man es erzählen kann,
so ist es nicht gewesen" (Christa Wolf). Und so …[...]
-> Rezension lesen
|
| Jünger, Ernst: In Stahlgewittern Die Zeilen "Vorwärts! Vorwärts! Jugend kennt keine Gefahren." dichtete Baldur von Schirach einst seiner Hitlerjugend, sie
könnten aber auch als Motto Ernst Jüngers Kriegstagebuch von
1920 voranstehen. "In Stahlgewittern" ist die
gefühllose, bemüht detailgetreue Beschreibung einer Karriere
im Töten, einige ihrer …[...]
-> Rezension lesen
|
|
|