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Rezensionen


 
Peter Goldsworthy - Ernster als Liebe
Buchinformation
Goldsworthy, Peter - Ernster als Liebe bestellen
Goldsworthy, Peter:
Ernster als Liebe

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(Bücher frei Haus)

Von seinem ersten 2007 hier in Deutschland veröffentlichten Roman "Maestro", ein sensibles, außergewöhnlich gutes Buch über das Schicksal jüdischer Musiker in Wien vor und während des 2. Weltkrieges war ich begeistert. Dort gelang es ihm, auf eine bewegende und sehr poetische Weise, einen tragischen Teil der Geschichte der Alten Welt mit der Geschichte der Neuen Welt zu verbinden.

2009 folgt der Roman "Nacht für drei Hunde". In diesem spannenden, dichten und packenden Buch ging es um eine verwickelte Beziehungsgeschichte zwischen drei Menschen auf dem Hintergrund genuin australischer Zusammenhänge, und es wurden dabei allerdings, die ganze Tiefe menschlicher Gefühle ausgelotet. Da ging es immer wieder um Eifersucht und Liebe, den Widerstreit zwischen Empathie und Egoismus und vor allen Dingen und sehr überzeugend um Schuld und Sühne.

Um Liebe, ja sogar um Dinge die viel "ernster als Liebe" sind, geht es auch im neuen Roman von Peter Goldsworthy. Der Protagonist ist der Ich-Erzähler Robbie Burns, ein im Jahr 1964 , in dem der Roman spielt gerade mal 13- jähriger Junge, also genauso alt, wie Peter Goldsworthy damals war. Er hat mit Sicherheit viele seiner eigenen Kindheitserinnerungen in der dichten Schilderung der Lebensumstände, der Phantasie und der Gefühlswelt eines pubertierenden Jungen eingefangen.

Robbie Burns ist Sohn des Ortspolizisten der kleinen australischen Stadt Penola, in der nicht sehr viel passiert. Jedenfalls nicht genug um den hellen Kopf und die blühende Phantasie von Robbie Burns zu befriedigen. Immer wieder flüchtet er in Phantasiewelten, experimentiert gedanklich mit Zeitreisen und erfindet geniale Geschichten dazu. So reist er zu Beginn des Buches in ein kleines österreichisches Städtchen namens Braunau, um dort die dritte Schwangerschaft einer gewissen Frau Schickelhuber zu unterbrechen. Als er wieder in die Gegenwart zurückkehrt, stellt er fest, dass der Zweite Weltkrieg dennoch stattgefunden hat, die Juden trotzdem vergast wurden und Millionen Soldaten und Zivilisten umgekommen sind. Nur Hitler taucht nicht auf. Dafür aber Goebbels. Als er dessen Schwangerschaft unterbricht bei seiner nächsten Zeitreise, ist es Göring, der das Dritte Reich führt.

Meist jedoch führen ihn seine literarisch immer anspruchsvoller werdenden Zeitreisen in die Zukunft, vorzugsweise in Hundertjahressprüngen und vorzugsweise mit der Frage, wie sich die Sexualität der Menschen in der Zukunft entwickelt. Denn seine eigene meldet sich heftig zu Wort, und er probiert sie auch zusammen mit seinen Aborigines-Freund Billy aus.

Als eines Tages eine junge Lehrerin an seine Schule kommt, Miss Peach, die Literatur unterrichtet, tolle Sachen trägt und raucht, hat Robbie kein Interesse mehr an pubertären Spielchen mit Billy. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt dieser Frau, die den Kindern Gedichte vorliest eines angeblich berühmten Dichters, den sie gut kennt, Geoffrey Barry.

Miss Peach liest Robbies SF-Texte mit wachsender Begeisterung und der hält ihre Zuwendung für Liebe. Er wagt sich immer weiter, bricht während ihrer Abwesenheit auch in Miss Peachs Zimmer ein ( sie wohnt zusammen mit zwei lesbischen Frauen, deren immer im Dialog stattfindende Kommentare zu der fortlaufenden Handlung eines der köstlichsten Elemente des Romans darstellen), und eines Tages, nachdem sich Miss Peach mit dem alkoholabhängigen Dichter, der zu Besuch weilt, zerstritten hat, kommt es zwischen der betrunkenen Miss Peach und dem die ganze Zeit während eines versuchten Beischlafs zwischen Miss Peach und Goeffrey Barry unter dem Bett der beiden lauschenden Robbie zu dem, was er in seiner Phantasie seit Monaten ersehnt.

Doch die Folgen sind traumatisch für alle. Sie sind "ernster als Liebe" und werden von Peter Goldsworthy meisterhaft beschrieben. Ein großer Schriftsteller, dem bei uns nach wie vor viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird,

Peter Goldsworthy, Ernster als Liebe, DTV 2013, ISBN 978-3-423-14229-8

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2013-07-04)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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