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Rezensionen


 
Sara Gran - Die Stadt der Toten
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Gran, Sara:
Die Stadt der Toten

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(Bücher frei Haus)

Ein sehr außergewöhnlicher Kriminalroman ist hier anzuzeigen mit einer rästelhaften und skurrilen Ermittlerpersönlichkeit, der Privatdetektivin Claire de Witt, die sich ironisch als die beste Ermittlerin der Welt bezeichnet.

Ihr großes Vorbild und persönlicher Mythos ist der von Sara Gran eingeführte Jacques Silette, fiktiver Autor eines Handbuchs für Privatdetektive mit dem Titel „Detection“, aus dem sie immer wieder zitiert. Sätze etwa wie diesen: „Es gibt keine Zufälle. Nur uneingelöste Rätsel, unerkannte Hinweise. Die meisten Menschen sind
taub für den Gesang des Vogels, blind für das Blatt auf dem Weg. Sie denken sich nichts dabei, wenn die Nadel an immer derselben Stelle der Schallplatte springt oder ein Fremder am Telefon ist. Sie übersehen die Omen. Sie wissen die Zeichen nicht zu deuten. Für sie stellt sich das Leben als Buch mit lauter weißen Seiten dar. In den Augen des Detektivs hingegen ist es gefüllt mit einer leuchtenden, geheimnisvollen Schrift.“

Das spannende und besondere an diesem Roman, der wohl der Beginn einer Krimireihe darstellt, ist, dass die eigenwillige Claire de Witt, eine Frau mit einer Präferenz für Gewalt und politische Unkorrektheiten, diese hintersinnigen und oft kryptischen Lehren ihres Meisters bei der Lösung ihres Falles immer wieder anwendet, zur Freude und zur besten Unterhaltung des Lesers.

Der wird mit der Handlung in das New Orleans des Jahres 2007 geführt. Auch zwei Jahre nach dem großen Hurrikan herrschen dort noch weitgehend Chaos und Anarchie. Von einem Mann namens Leon Salvatore erhält Claire de Witt in ihrem Heimatort in Nordkalifornien einen Anruf. Sie soll nach dem während des Orkans verschwundenen Staatsanwalt Vic Willing suchen, einem Onkel Salvatores. Noch am Abend vor dem zerstörerischen Sturm hätten die beiden miteinander gesprochen und seitdem habe er nichts mehr von seinem Onkel gehört. Er wolle Gewissheit. Für Claire de Witt ist klar:
„Der Auftraggeber kennt die Lösung des Rätsels bereits. Aber er sträubt sich dagegen. Er beauftragt den Detektiv nicht, um das Rätsel zu lösen. Er beauftragt ihn, um sich bestätigen zu lassen, dass es keine Lösung gibt.“

Dennoch nimmt Claire de Witt den Auftrag an. Erstens braucht sie Geld, und zweitens bringt er sie zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder nach New Orleans. Mit sehr ungewöhnlichen Methoden ( sie wirft das I Ging und vertraut auf Träume und Eingebungen) und immer im geistigen Kontakt mit Silette und ihrer verstorbenen Lehrerin Constanze, bewegt sich Claire de Witt durch ein New Orleans, das auch vor dem Sturm ein Hort von Mord und Totschlag war, was sich danach noch gesteigert hat. Furchtlos ermittelt sie, beschreibt eine korrupte Polizei und Staatsanwaltschaft, die bis auf die Knochen rassistisch ist.

Sara Gran besticht durch eine kritische und radikale Analyse des Zustandes des Staates in den USA und ihrer Gesellschaftsordnung. In New Orleans, wo sie ständig auf die jungen schwarzen männlichen Opfern des Systems trifft, die selbst zu Tätern werden, kommt dieser „state of the “ nur besonders krass zu Tage.

Immer wieder wechselt Sara Gran die Perspektiven und die Zeiten und hält doch einen überzeugenden erzählerischen Faden fest, der ihr Buch zu einem bemerkenswerten Stück zeitgenössischer Kriminalliteratur macht.

Sara Gran, Die Stadt der Toten. Ein Fall für die beste Ermittlerin der Welt, Droemer 2012, ISBN 978-3-426-22609-4

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2013-08-13)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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