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Susanne Gretter - Triest
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Gretter, Susanne:
Triest

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(Bücher frei Haus)

„Man hat nicht einmal mehr Lust, über die eigene Vergangenheit nachzudenken, denn so wie die Hoffnungen tot sind, fühlt man auch die Nichtigkeit aller Sehnsüchte“, schreibt Giani Stuparich in „Tristan und Isolde“, einer Geschichte, die in den Weihnachtsferien im Jahre 1913 in Triest spielt. Rückblickend auf seine eigene Liebesgeschichte mit einer vermeintlichen Isolde, fühlt sich der Protagonist seinen eigenen Illusionen so sehr ausgeliefert, dass er selbst viele Jahre nach dem Ende der Liebesbeziehung seiner Holden einen Kuss abringen möchte. Doch bald muss er schmerzhaft fühlen, dass nichts schaler schmeckt, als eine aufgewärmte Geschichte: „Jämmerlicher Trost, diesen Mund, nach dem ich mich vor sieben Jahren so sehr gesehnt hatte, jetzt ohne Begeisterung und ohne Sehnsucht zu küssen.“ Zwischen seiner ersten Begegnung mit ihr lag immerhin ein Weltkrieg und doch spazieren wenig später die Menschen wieder durch die Straßen Triests, als ob nichts gewesen wäre und so wie der Krieg, wird ihm auch das Ende der Beziehung nichtig. „Bestimmte Ereignisse, die eigentlich unwiderruflich vergangen sein müssten, trage ich in mir wie Wurzeln, die jederzeit wieder ausschlagen können. Blicke ich auf mein Leben zurück, so finde ich nicht eine Perspektive, sondern viele, die einander durchdringen.“
Svevo habe seine Welt wie ein Schneckenhaus mit sich herumgetragen, schreibt Eugenio Montale in seinem Beitrag. Er beschäftigt sich mit Triests größtem Sohn, dem Schriftsteller und Lackfarbenhändler Ettore Schmitz, besser bekannt als Italo Svevo, der dieses Jahr im Dezember seinen 150. Geburtstag gefeiert hätte. Montale war ihm im Jahre 1926 sogar persönlich begegnet, vor einem Plakat des „Lohengrin“ stehend. „Von da an haftete ein Hauch von Terpentin an unserer Beziehung“ schreibt Montale ironisch, denn auch sein Vater war ein Farbenhändler, so wie Schmitz. Svevo hätte seinen Romanhelden geähnelt, so wie auch Pirandello im Alter zunehmend „pirandellianisch“ geworden wäre und habe in seiner Villa Veneziani am Meer gelebt wie ein Herrscher in seinem Sanssouci, ohne Sorgen wohl nur in Gedanken.
Eines der vier Tore der Höller soll sich an der Mündung des Flusses Timavo, in San Giovanni in Tuba, außerhalb der Tore Triests befinden, habe ihnen die Lehrerin stets erzählt, und genau hier würden auch eines Tages, am Tag des Jüngsten Gerichts, die Engel erscheinen und die Trompeten blasen. Wo ist „hier“? Vor den Toren Triests, so schreibt die 1957 geborene Susanna Tamaro in „Stadt im Wind“. Sie lobt nicht nur die „melancholische Schönheit“ Triests, sondern kritisiert auch die Architektur Triests, die über kein Bauwerk von außergewöhnlichen Wert verfüge. Schloß Miramare habe keine „großartige Vergangenheit“, sondern sei eher die Verwirklichung eines „eigenwilligen Kindertraums“, so Tamaro. Triest sei heute vor allem eine Stadt der Alten. „Eine Provinzstadt, mit dem Aufwand und dem Prunk einer Metropole erbaut.“ Giacchino Veneziani, der Schwiegervater Svevos und Urgroßvater Susanna Tamaros, habe seine Villa in einem Industriegebiet errichtet, statt in einem Wohnviertel. Aber diese Villa, in der auch Svevos Romanfigur Zeno Cosini lebte, wurde durch einen der letzten Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört und heute heißt nur mehr die Straße die dort vorbei führt Italo Svevo.
„Triest hat einen spröden Charme“, schreibt Umberto Saba in seinem gleichnamigen Gedicht, „Nach Laune gleicht`s einem ungeschliffenen, hungrigen Lausbub, mit blauen Augen und viel zu plumpen Händen, um eine Blume zu verschenken, einer Liebe mit Eifersucht.“ Aber seine Stadt habe an allen Enden voll Leben auch einen passenden Winkel für ihn und sein scheues, beschauliches Dasein. Allen Kritikern Triests ist wohl eines gemeinsam: das Heimweh, das sie immer wieder durch deren Straßen führ, auf deren Hügel führt, in deren Fluten stürzt. „Schmerz blüht in Schönheit“, so Srecko Kosovel, und darum sei „Triest so schön.“
Weitere Beiträgen stammen u.a. von: Bobi Bazlen, Theodor Däubler, Constantin Christomanos, Slavenka Drakulic, Nedjeljko Fabrio, Karl Friedrich Schinkel, Ervin Hladnik-Milharcic, James Joyce, Stanislaus Joyce, Srecko Kosovel, Claudio Magris, Rainer Maria Rilke, Ernst Molden, Eugenio Montale, Giuliana Morandini, Alma Morpurgo, Hans Raimund, Rainer Maria Rilke, Umberto Saba, Scipio Slataper, Hilde Spiel, Giorgio Strehler, Giani Stuparich, Italo Svevo, Susanna Tamaro, Marie Taxis, Fulvio Tomizza, Anonimo Triestino, Livia Veneziani Svevo, Alice Vollenweider.

Susanne Gretter (Hrsg.)
Triest
gebunden, Fadenheftung, Prägedruck, bedruckter Vor- und Nachsatz
272 Seiten, EUR 12,95 / sfr 21,70

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen WEber (2011-09-09)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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