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Wolf Haas - Wie die Tiere
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Haas, Wolf:
Wie die Tiere

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(Bücher frei Haus)

Sie sind mal das große Ding in der deutschsprachigen Kriminalroman-Landschaft gewesen, die sieben Abenteuer des gewesenen Polizisten und jetzigen Detektivs Brenner. Vor gut zehn Jahren muss das gewesen sein - und ah, inzwischen sind es acht Bücher mit dem Brenner. Focus - und da freut sich ein Verlag, wenn er das für seine Werbung verwenden kann: „Die Simon-Brenner-Bücher gehören zu den besten und komischten deutschsprachigen Kriminalromanen der letzten Jahre.“ Ich habe die Filme dann halt auch gesehen - mit dem Josef Hader: „Komm süßer Tod“, die Wiener Rettungssanitäter, „Silentium!“, die Salzburger Zöglingsmissbraucher, „Der Knochenmann“, die steirischen Menschenmetzger und Transsexuellen. Und es ist schon auch lustig gewesen. Gut besetzt halt.

Aber was mich beim ersten wirklichen Lesen eines Brenner-Krimis doch überraschte - und zwar eher unangenehm, ich sag es lieber gleich -, was auch der hervorstechendste, aber kaum verfilmbare Zug ist: dass die wörtlich vorerzählt sind! Da kannst mal den Unterschied lernen zwischen „wörtlicher Rede“ und „gesprochener Sprache“! „Wörtliche Rede“, was in dem Buch fast nirgends vorkommt und jemand hat ja mal gemeint, das wären die besten Bücher, wo das so wenig ist (und ganz unüblich im Krimi, wo es sonst immer stark gänsefüßelt), ist, wenn Anführungsstriche stehen, anschließend genau, was der gesagt hat, aber halt schon korrigiert, schon korrektes Deutsch, weil ewig die Stotterei immer erträgt man ja gar nicht zwischen zwei Buchdeckeln. Oder diese vernuschelten Dialektsprecher, die beim Hundertsten irgendwas anfangen, dann beim Tausendsten sind und jetzt schellt ihr Handy, gell. Gibt’s hier gar nicht, weil du, das ganze Buch ist, wie da einer sitzt und dir das von dem Brenner damals eben erzählt.

Wie der die Frühpension durchbringen wollt, deswegen nach Wien verzogen ist, wie er dort einen neuen Wohnsitz und Job gebraucht hat, deshalb diesen Auftrag von dem einen Zuhälter angenommen, wo er den Hundemörder im Augarten draußen hat suchen sollen, weißt es eh, die ekligen Stecknadeln in den Hundekeksen, die Tierschützer alle, die durchgedreht sind, und der Hochbunker da mit den alten Flak-Geschütznasen, um den sich heimlich alles die ganze Zeit gedreht hat. Wo dieser Manu gleich ihre Gurgel durchbissen worden ist, da hat der Zuhälter, obwohl eine Seele von Mensch, seinen eigenen Kampfhund spontan quasi erschossen, das war dieselbe Rasse, die sind selten und teuer.

Es ist die ganze Zeit einer am Reden, von dem wir nie erfahren, wer das ist. Kommt aber anscheinend in einem anderen von den Büchern dann noch raus. Und er ist schon bissel komisch, fängt immer so halbe Sätze an, sagt immer „und dann der dings, der hat ihm“, unterbricht die Handlung für so, was man in Österreich „Philosophische Betrachtung“ nennt, dass, wenn man sich an zwei beweglichen Orientierungspunkten, statt an einem einzigen, ausrichtet, man sich garantiert wieder zurechtfindet, dass die Frauen- im Gegensatz zu den Männerfällen harmlos losgehen, dann aber in die totale Katastrophe und halt so.

Den Filmen nach hätte ich persönlich nie gedacht, dass es so anstrengend sein wird, den vielen Geschichten zu folgen, die sich bei so was dann kreuzen. Ich hab gemeint, das wird wieder so ein „Kottan ermittelt“ sein, mit ein bissel weniger einer ewigen Blödelei drin. Obwohl, wenn’st natürlich siehst, dass es ein studierter und promovierter Germanist ist, der nachher Werbetexter gewesen ist und den (vom Südwestrundfunk später geklauten) Spruch „Ö3 gehört gehört“ erfunden hat... Da hättest dich auf diese Nonstop-Solo-Comedian-Nummer ja vorbereiten können, die man aber natürlich besser verstanden hätt, wenn man live im Publikum gesessen wär und es nicht in Wortform alles nachher hätt auflesen müssen. Ich sag ja bloß: Wenn irgendwas als Hörbuch sich je angeboten hat, dann des da.

Zitat:

Du musst wissen, der Augarten hat sechs Eingänge, und bei jedem einzelnen steht eine Orientierungstafel. Wunderbar die Wege eingezeichnet, die großen Alleen, ob das war obere Lindenallee, ob das war untere Lindenallee, ob das war Kastanien-Hauptallee, dann die Quergänge, da hat jeder Gang seinen eigenen Namen gehabt, Kaiser-Gang, Finsterer Gang, Schmaler Durchschlag und und und.

Jetzt warum hat der Brenner sich trotzdem dauernd verirrt? Sagen wir einmal so. Das „Sie sind hier“ hat auf den Plänen gefehlt. Und ohne diesen Punkt, der kann rot sein, der kann orange sein, der kann meinetwegen auch einmal gelb sein, aber er muss da sein, weil ohne dieses „Sie sind hier“ nützt der beste Plan nichts.


[*] Diese Rezension schrieb: Klaus Mattes (2014-10-03)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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