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Katharina Hacker - Skip
Buchinformation
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Hacker, Katharina:
Skip

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(Bücher frei Haus)

Im Jahr 2006 gewann sie mit ihrem Buch „Die Habenichtse“ den Deutschen Buchpreis. Nun legt Katharina Hacker, die von 1990 bis 1996 in Israel gelebt hat, einen neue Roman vor mit dem Titel „Skip“. Skip ist der Nickname des israelischen Architekten Jonathan Landau, ein Mann mit europäischen Wurzeln in der Mitte seines Lebens. Er, der sich bisher als einen soliden Zeitgenossen gesehen hatte, ein Architekt der das Sichtbare mag ("Mein Leben besteht aus Zimmern, aus Mauern, Wänden, Fußböden, Türen. Aus Sachen, die ich anfasse und die ich genau kenne".), ist plötzlich mit Dingen konfrontiert, die nur er wahrnimmt und über die er mit keinem Menschen sprechen kann. Mit einem übersinnlichen Phänomen einer inneren Stimme, die ihn mehrmals innerhalb mehrerer Jahre an Orte ruft, an denen wenig später eine Katastrophe geschieht: ein Zugunglück in Paris, ein Flugzeugabsturz in Amsterdam, ein Attentat auf ein Hotel in Ägyptens Hauptstadt. An jedem der Orte gibt es viele Opfer, darunter stets ein Mensch, dem Skip sich besonders verbunden fühlt. Seiner Seele leistet er solange Gesellschaft, bis sie sich daran gewöhnt hat, tot zu sein.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich Menschen, die mit einem Bein im Grab stehen, Hilfe suchend an Skip wenden. Denn Skip steht mit nur einem Bein im Leben. "Vor allem bin ich nicht", sagt er. Kein richtiger Architekt, weil er keine neuen Häuser entwirft, sondern nur alte Häuser umbaut. Kein richtiger Jude, weil seine Mutter keine Jüdin war. Kein richtiger Mann, weil er unfruchtbar zu sein scheint. Die beiden Söhne, die er mit seiner Frau Shira in Israel großzieht, hat wohl ein anderer Mann gezeugt - mit Skips Einverständnis. Der Gedanke daran quält ihn jahrelang.
Skip steckt in einer veritablen Identitätskrise. Dazu gehört, dass er sich immer weiter von seiner Frau entfernt. So nahe ihm die fremden Sterbenden kommen, so hypersensibel er auf ihr Leiden reagiert, so distanziert geht er mit ihr um, als sie unheilbar an Krebs erkrankt. Er spricht kaum mit ihr, nicht über ihre Krankheit und nicht über den Tod. Während sie stirbt, hat er sogar noch eine Affäre.
Immer wieder beschreibt Katharina Hacker historische Ereignisse, die in den neunziger Jahre (als sie selbst dort lebte) den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern geprägt haben. Attentate und immer wieder Tote. Der Tod ist in Israel bis auf den heutigen Tag nie abstrakt. Immer wieder denkt Skip über den Tod und seien mystischen Erlebnisse nach, doch mehr noch quält seine Gedanken das Leben: "Ich denke über den Tod nach, um über das Leben nachzudenken", weil es mir noch schwieriger erscheint, über das Leben nachzudenken".
"Wir wollen unser Leben, unsere Geschichte wie ein Haus", sagt der Architekt Skip. "Von Zimmer zu Zimmer wollen wir gehen und begreifen, wo die Türen sind, aus den Fenstern wollen wir hinausschauen, um zu sehen, in welcher Stadt das Haus ist und wer vorübergeht".
Doch während er durchaus erfolgreich, zuerst in Tel Aviv, später dann in Berlin, Häuser und Wohnungen baut und umbaut, bekommt er die Statik seines eigenen Lebens nicht recht in den Griff. Er ist sich selbst abhandengekommen.
"Vielleicht versucht man mit jedem Erzählen überhaupt herauszufinden, was der innere Zusammenhang von Dingen ist", sagt er. Es ist ein Versuch, der scheitert.
Mit einem Stil, der dem Leser allerhöchste Konzentration abfordert, dringt Katharina Hacker mitten in den Kern Israels vor. Sie verbindet eine persönliche Geschichte mit selbst erlebter Zeitgeschichte der neunziger Jahre, und ist dennoch aktuell. Denn es hat sich nicht viel verändert in diesem Land. Zusammen mit Sheruya Shalevs „Schmerz“ ist „Skip“ das Buch in diesem Herbst, das die mörderische Gegenwart Israels spiegelt und wie sie den Menschen zu schaffen macht.
„Skip“ ist auch meines Wissens der erste Roman einer deutschen Schriftstellerin, der in Israel spielt. Wenn man das Buch lesen würde, ohne die Autorin zu kennen, würde man sicher sein, der Roman stammte von einem israelischen Autor oder Autorin.
Ein wichtiges Buch von hoher literarischer Qualität.

Katharina Hacker, Skip, S. Fischer 2015, ISBN 978-3-10030065-2

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2015-10-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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