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David Hamilton - Bilitis
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Hamilton, David:
Bilitis

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(Bücher frei Haus)

„Il est fait pour rester seule“, meint Bilitis (Patti D’Arbanville) an einer Stelle über Miklas (Matthieu Carriere), den sie ihrer geliebten Melissa (Mona Kristensen) opfern will. Die 17-jährige Bilitis hat es sich nämlich zur Aufgabe gestellt, ihr einen Mann zu finden, da die zwar reiche, aber sehr unglückliche Melissa immer an den Falschen gerät, will sie das Glück ihrer älteren Freundin kurzerhand in ihre Hände nehmen, auch mit dem Risiko des Verlusts der Liebe ihrer geliebten Melissa. Der als britischer Soft-Porno der 70er Jahre verschrieene Film nach Gedichten von Pierre Louys („Chansons de Bilitis“, 1894) wird vielfach zu unrecht als billige Kost verschrieen, denn Sätze wie „Je me suis dévêtue pour monter à un arbre;/mes cuisses nues embrassaient l'écorce lisse/et humide;/ mes sandales marchaient sur les/branches./Tout en haut, mais encore sous les feuilles/et à l'ombre de la chaleur, je me suis mise à/cheval sur une fourche écartée en balançant/mes pieds dans le vide./Il avait plu. Des gouttes d'eau tombaient et/coulaient sur ma peau. Mes mains étaient/tachées de mousse, et mes orteils étaient/rouges, à cause des fleurs écrasées./Je sentais le bel arbre vivre quand le vent/passait au travers; alors je serrais mes/jambes davantage et j'appliquais mes lèvres/ouvertes sur la nuque chevelue d'un rameau.“ aus dem Gedicht „L’arbre“ werden in der Verfilmung nicht nur zitiert, sondern auch bildlich umgesetzt.
Die weibliche Seite der Erotik (1977) versus…
Die Bildsprache des britischen Fotografen David Hamilton wurden insgesamt für „Bilitis“ adaptiert und schmeichlerisch verschwommen durch einen Sommer an der Cote d’Azur lokalisiert. Im Haus ihrer Freundin und Adoptivmutter Melissa lernt Bilitis denn auch den Fotografen Lucas (alter ego) kennen, von dem sie sich gleichzeitig angezogen wie abgestossen fühlt, da der Freund von Melissa gewalttätig ist, nimmt die unerfahrene Bilitis dies auch von anderen Männern an. Und so fühlt sie sich immer mehr zu Melissa hingezogen, die so zärtlich ist, wie wohl kein Mann es sein kann. Hamilton erntete in den „wilden Siebzigern“ vor allem Kritik aufgrund der sehr freizügigen Darstellung junger „Lolita“-Mädchen und wahrscheinlich würden Feministinnen heute dagegen Sturm laufen, während Porno eher als normal „aufgeklärt“ gilt. Die Darstellung der „weiblichen“ Seite der Erotik durch einen männlichen Regisseur - namens Hamilton - ist sicherlich eine Einzigartigkeit und Stilblüte wie es eben nur die „wilden Siebziger“ hervorbringen konnten. Aber auch der Soundtrack von Francis Lai ging in die Geschichte des „sinnlichen“ Kinos ein wie kaum ein anderer.
… „Bow down, bitches!“ (2014)
Bleibt noch der Plot, der von Kritikern zwar kritisiert wurde, aber dennoch eine nachvollziehbare Umsetzung der Gedanken und Tagträume einer Siebzehnjährigen realisiert. Die Handlung spielt sich zwar nur im Kopf der Minderjährigen ab, aber die Entscheidungen, die daraus resultieren, sind nichtsdestotrotz radikaler als ein politischer Umsturz oder eine inszenierte Revolution: Bilitis opfert sich für das Glück ihrer Geliebten und… verschwindet. Ein Martyrium ungeahnten Ausmaßes für die Protagonistin, eine Tragödie für den Zuseher: „If you love someone, set them free…“. In der 2014er Version der neu aufestiegenen Göttinnen der Popmusik lautet dieses Diktum „Bow down, bitches!“ und wird von Beyoncé bei den MTV Awards verkündet, während sie vor halbnackt auf dem Boden liegenden Tänzerinnen wie durch eine Schlangengrube schreitent und selbst halbnackt singt und ihren Boyfriend und Producer Jay-Z im Publikum weiß. Feminismus wird so zu einer Persiflage auf sich selbst statt auf den bekämpften Machismo, wenn sich Frauen wie Machos benehmen und dieselben Statussymbole verwenden wie ihre männlichen Widersacher, nämlich die Unterdrückung der vermeintlichen „bitches“. Ist das die Version einer Bilitis reloaded 2014? Dann doch lieber zurück zum Original, ob mit oder ohne Lolita-Vorwurf.
Erstmals auf DVD in digital restaurierter ungekürzter Kino-Fassung wird hier der Klassiker des erotischen Films als deutsche Home Entertainment Premiere in franzöischer/deutscher Version mit deutschen Untertiteln vorgelegt. Ein Stück Geschichte. Ein Stück Feminismus. Ein Stück Vergangenheitsbewältigung.

David Hamilton
Bilitis
AL!VE, DVD, 91min,
Frankreich/Italien 1977/2014
Soundtrack: Francis Lai
Mit Matthieu Carriere, Bernard Giradeua, Patti D’Arbanville, Mona Kristensen, Gilles Kohler

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2014-09-22)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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