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Dian Hanson - The Big Book of Breasts
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Hanson, Dian:
The Big Book of Breasts

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(Bücher frei Haus)

Die Milchschalen der Marie Antoinette waren nach ihren Brüsten aus Porzellan geformt worden und überlebten sogar die Französische Revolution. Marie Antoinette wurde zwar der Kopf abgeschlagen, ihre Porzellanbrüste kann man aber auch heute noch in Rambouillet bestaunen, wenn auch nicht daraus trinken. Der Brustkult nahm für Hanson mit Jean-Jacques Rousseau in „Emile“ zur Schau getragenen Bauernkult seinen Anfang. Der populäre Roman des eigentlichen Philosophen prägte auch spätere Jahrhunderte und spätestens bei Sigmund Freud trat die Analogie zwischen Brust und Sexualität klar hervor, was bei den seit jeher prüden Amerikanerin zur Verhüllung derselben führte. Die moderne Frau sollte Milchpulver aus Kuhmilch verwenden und nicht ihre Brüste von saugenden Babys deformieren lassen. Hinzu kam der Zweite Weltkrieg, der die Frauen in die Fabriken schickte und ihnen auch gar keine Zeit zum Säugen ihrer Babys mehr ließ. 1956 wurden nur mehr ein Viertel aller amerikanischen Babys gesäugt. Ein Zufall?
Der Schweizer Pharmazeut Nestle machte mit seinem Milchpulver damals seine ersten Millionen und nach dem Krieg hielten die Amerikanerinnen am Fläschchen fest, während sich die Amerikaner Pin-Up Magazine besorgten. Diese waren anfangs noch sehr züchtig, die Brüste wurden hinter eng anliegenden Sweaters verborgen, Lana Turner bekam damals den stolzen Titel des ersten „Sweater-Girls“, Rita Hayworth „glänzte“ in einer Film-Produktion von dem Millionär Howard Hughes mit ihren zwei „schwergewichtigen Argumenten für ihren Aufstieg“ (Billboard-Zitat) und fiel doch bald der Zensur zum Opfer.

In Dian Hansons spektakulärer Publikation begegnet dem Leser auch der damals noch blutjunge Fotograf Russ Meyer, der später durch Filme wie „Faster Pussycat, kill, kill“ den sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmalen ein Denkmal setzen sollte und anfangs, in den Fünfzigern, noch als Fotoreporter für Busenmagazine wie „Fling“ arbeitete. Russe Meyer konnte schon im zarten Alter von 14 Jahren kaum mehr verhehlen Busenfetischist zu sein, denn schon damals drehte er Filme. 1955 wurde für den Playboy mit Hilfe Russ Meyers zum „Jahr der Brüste“, denn Meyers lichtete neben seiner Frau Eve auch Jayne Mansfield oder Diane Webber für das Herrenmagazin ab. Auch Frederick Mellinger war ein ehemaliger GI wie Meyer und entwarf einen BH mit dem Namen „Rising Star“, da er den Brüsten half, sich erfolgreich gegen die Schwerkraft zur Wehr zu setzen. Sein erklärters Ziel sei es gewesen – so erklärte der ewige Junggeselle in einem Interview – amerikanischen Hausfrauen zu etwas „Glamour“ zu verhelfen. Ein Blick hinter die Kulissen von Dian Hanson erlaubt zudem, die Konkurrenz der Marilyn Monroe in den Fünfzigern zu entdecken, denn die Herausgeberin zeigt eine Vielzahl freizügiger Fotos der ersten Stars des Genres, bei denen noch alles echt war und keine Implantate falsche Rundungen vortäuschten. Dabei hätten die Mädels, die sich ab den Neunzigern unters Messer legten, eigentlich viel mehr Achtung verdient, da sie ja etwas für ihre Schönheit „taten“, während die „Naturschönheiten“ davor es wohl kaum als ihren „Verdienst“ verrechnen konnten, mit einem schönen Busen geboren worden zu sein. Für etwas für das man nichts kann auch noch durch Anerkennung belohnt zu werden, ist doch eigentlich sehr ungerecht, oder?

“The Bigger the Better?”, heisst es provokant im ersten Kapitel von Dian Hanson Brustfetischismus-Etymologie und man denkt dabei an den Busenwahn der 1990er, in denen Megabrüste mit einem Volumen von 7,6 kg modern waren. Noch 2004 waren es allein in den USA 300.000 Implantierungen mit bescheidenen 300 bis 400 Kubikcentimeter. Dian Hanson will aber in ihrer Publikation vor allem den Blick auf „naturbelassene“ Brüste freigeben, aber auch die Implantat-Freaks kommen garantiert auf ihre Kosten, wenn man dabei an Annie Hawkins denkt. Zuerst widmet sich Hanson aber Tempest Storm, dem Star der Fünfziger, in einem weiteren Essay, das die Karriere von einer unglaublichen Frau nachzeichnet. Mit 14 hatte sie schon geheiratet, war vom Sheriff und Klassenkameraden und später auch von ihrem Stiefvater vergewaltigt worden und mit 20 hatte sie nach einigen Abtreibungen auch eine zweite Ehe mit einem Fallschirmjäger bereits hinter sich, Dauer des Bündnisses: zwei Wochen. Bei ihrem ersten Striptease-Auftritt dachte sich dann, dass es an der Zeit wäre, es allen Männern heimzuzahlen: „Ich werde nackt vor ihnen tanzen, aber keiner von ihnen darf mich berühren“. Ihr Busen wurde damals übrigens auf eine Million Dollar versichtert, damit war sie wohl die erste Lady, die mit ihrer Oberweite sogar einen Satelliten ins All befördern hätte können. Wenn diese atemberaubende Biographie nicht wahr wäre, müßte sie erfunden sein, denn es geht noch weiter mit Tempest Storms amerikanischen (Alb-)Traum, aber wie, das wird nur in Dian Hansons exklusivem Buch erzählt. Nur so viel noch: 1950 hatte sie 40 Dollar die Woche verdient, Ende desselben Jahrzehnts noch schlief sie mit Elvis und Jack Kennedy und verdiente mehrere Millionen. Aber natürlich halfen ihr dabei nicht nur ihre Brüste.

Ein weiteres Esssay widmet Dian Hanson, natürlich nach üppigen S/W und bunten Fotostrecken von großbusigen Models aus den 50er und 60ern, dann auch Candy Barr, die 2005 leider verstarb, deswegen auch die Widmung vorne im Buch. Candy Barr hätte durchaus noch zur Aufklärung des Kennedy-Mordes etwas beizutragen gehabt, war sie doch mit dem Lee Harvey Oswald Mörder, Jack Ruby, zusammen und saß außerdem wegen Marihuanabesitzes drei Jahre im Gefängnis, obwohl sie nie geraucht hatte. Sie hatte irische und indianische Vorfahren und züchtete am Ende ihres Lebens Hunde. Warum sie als Spielzeuge der Männer auf die Welt gekommen sei, wüßte sie auch nicht, aber sie würde sich nie mehr ausnützen lassen oder unter irgendjemandes Fuchtel stehen wollen.

Weiters findet man eine Interview mit June „the bosom“ Wilkinson, die mit ihren 100DD – 56 -91 die Welt des Busens aus den Fugen hob, die Geschichte der Uschi Digard, einer schwedischen Russ Meyer Schauspielerin, Candy Samples, Kitten Natividad und schließlich ein Interview mit Norma Stitz, the biggest natural breasts world record: 1,84 m (!) Brustumfang und 56 cm Länge.
Die Geschichte der “weichen Masse aus Fett und Drüsengewebe” kommt hier zu ihrer größten Ausdehnung und wohl auch ihrer ästhetischen Grenze, denn Dian Hanson kennt auch bezüglich Alter, Größe oder Hautfarbe keine Tabus. Ihr erstes Werk aus der Reihe „The Big Book of ...“ ist 2006 erschienen und sprengt in jeder Hinsicht alle Maßstäbe, wovon man sich auch 2010 noch überzeugen kann, das Buch ist (noch) nicht vergriffen.

Dian Hanson (editor)
The Big Book of Breasts – the Golden Age of Natural Curves
Dreisprachig: Deutsch-Englisch-Französisch

2006
www.taschen.com
ISBN 978-3-8228-3303-2
Von Jürgen Weber

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2010-06-22)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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