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Ernest Hemingway - Paris, ein Fest fürs Leben
Buchinformation
Hemingway, Ernest - Paris, ein Fest fürs Leben  bestellen
Hemingway, Ernest:
Paris, ein Fest fürs
Leben

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(Bücher frei Haus)

„Dort in Schruns kümmerte sich niemand darum wie man angezogen war oder was für eine Frisur man hatte, nur dass manche Leute in Schruns glaubten, weil wir aus Paris kamen, sei das jetzt dort so Mode.“, schreibt Hemingway im Kapitel „Heimliche Freuden“ des vorliegenden Buches und man merkt die Freude und das Glück, das Hemingway wohl in diesen Tage mit Hadley, seiner ersten Frau, verspürt haben musste, förmlich zwischen den Zeilen leuchten. Fast zärtlich wirken seine Worte im Austausch mit ihr, wenn sie gemeinsam beschließen, sich die Haare wachsen zu lassen und sich noch viele andere „Heimlichkeiten“ ins Ohr flüstern. Nicht umsonst nannten ihn die Einheimischen in dieser Zeit wohl auch den „Kirsch trinkenden bärtigen Jesus“, denn Hemingway soll ihn jenen Wintern nicht nur die Haare lang getragen haben.

„Papa, hast du lange unter den Peau-Rouges gelebt?“
In „Paris, ein Fest fürs Leben“ geht es eigentlich nur sehr marginal um Paris, vielmehr um die Schriftsteller und Maler die Hemingway dort kannte und die langen und damals noch sehr weißen Winter in Schruns im Vorarlberger Montafon, die er stets mit seiner Frau Hadley und ihrem gemeinsamen Sohn, den er wohl ebenso zärtlich stets „Mr Bumby“ nannte, glückstrahlend verbrachte. Ein ganzes Kapitel ist sogar ausschließlich der Montafoner Gemeinde gewidmet, aber es kommt ohnehin immer wieder vor, dieses Schruns, Hemingway erlebte dort wohl die glücklichsten Tage seines Lebens, auch wenn er wahrscheinlich nicht so viel zum Arbeiten kam, wie er es sich vorgenommen hatte. Obwohl manche sagen, dass gerade eine seiner berühmtesten Kurzgeschichten, „Schnee am Kilimanjaro“ in Schruns entstanden sein soll. Jedenfalls hatte er in Schruns fast mehr Kontakt zu den Einheimischen, als in Paris.

Die Anatomie der männlichen Seele
In Paris schrieb er jedenfalls einige Kurzgeschichten mehr und seinen Roman „Fiesta“. Hemingway traf sich mit Gertrude Stein zum Kaffee oder zählte F. Scott Fitzgerald zu seinen engsten Freunden, dem er anhand von so manchen männlichen Statuen im Louvre die Anatomie des männlichen Körpers erklärt und Fitzgerald beruhigend, seine Frau Zelda Lügen straft. Was die beiden fast aneinander krachen lässt, weil der eine doch nicht akzeptieren, dass der andere seine Frau eine Lügnerin nennt, obwohl er ihm damit doch eigentlich ein Kompliment macht. So kompliziert können Männerfreundschaften eben sein. In Paris traf er vornehmlich ausländische Prominenz, die sich aufgrund des guten Wechselkurses ebenfalls nach Paris verirrt hatte. Neben F. Scott Fitzgerald und seiner Frau Zelda, James Joyce, Blaise Cendrars, Wyndham Lewis, der schillernde Ezra Pound, Sylvia Beach, et. al. Von Franzosen und Parisern ist weniger die Rede, wohl auch weil der Amerikaner nie richtig Französisch lernte.

Posthum erschienen und dennoch Hemingways bekanntestes Buch
Im Sommer 1957 begann Hemingway mit den Skizzen zu seinem letzten Buch, das erst posthum, 1964, veröffentlicht werden sollte. Das Buch besteht aus diesem Grund auch aus vielen Fragmenten, denn seine Fertigstellung wurde durch den Selbstmord des Autors im Jahre 1961 verhindert. Selbst der Titel des Buches wurde erst im Nachhinein von seiner letzten Frau Mary hinzugefügt: Paris – a moveable feast, ein bewegtes oder bewegendes Fest.
Dabei waren die Jahre 1921 bis 1926, die Hemingway in seinen Erinnerungen beschreibt nicht nur die glücklichsten seines Lebens, denn das Ende dieser Periode bedeutete auch die Trennung von seiner ersten Frau Hadley. Die hier veröffentlichten 19 Kapitel basieren auf einem getippten Manuskript mit handschriftlichen Anmerkungen, dem letzten Entwurf des letzten Buches an dem er gearbeitet hat. Es lagert in der Ernest Hemingway Collection der John F. Kenneday Library in Boston und wird hier in der deutschen Fassung auch als Urfassung bezeichnet, weil weitere zehn Kapitel, die nur fragmentarisch erhalten sind, mitabgedruckt wurden.

„Nada y Pues Nada“
Die beiden Nachworte wurden von Hemingways Sohn Patrick und seinem Enkel Sean verfasst. Besonders aufschlussreich ist die Tatsache, dass er etwa das Kapitel „Nada y Pues Nada“, das in vorliegender Fassung mitabgedruckt wurde, nur drei Wochen vor dem Tod des Autors von ihm verfasst wurden. Wer da also etwas zwischen den Zeilen lesen möchte, der bedenke, dass sich auch Hemingway am besten laut liest, so empfiehlt es jedenfalls sein Enkel Sean. Wer also mehr über Pferderennen, Alkohol, die Pariser Boheme der 20er oder das Leben in Armut und wie man sich dagegen am besten wehren kann, erfahren möchte, der kann sich in „Paris, ein Fest fürs Leben“ einige Lektionen auch in besserem Boxkampf erteilen lassen. Eine der aufschlussreichsten Geschichten ist auch der „Lotsenfisch und die Reichen“ in dem Hemingway die Legende von der femme fatale wiederbelebt. Denn es sei die Schuld Pauline Pfeiffers, seiner zweiten Frau, dem Lotsenfisch, gewesen, dass er sich von Hadley getrennt hatte. Sie verschaffte ihm den Weg und den Anschluss in die Welt der Reichen und es waren seine Eitelkeit und sein Ehrgeiz, die seine erste Ehe zerstört hatten. Vielleicht hatte er sich deswegen am 2. Juli 1961, vor mehr als 50 Jahren, selbst gerichtet: Schuldgefühle und Reue.

Ernest Hemingway
Paris, ein Fest fürs Leben
Moderne Klassiker
Rowohlt, 320 Seiten
19,95 €
978-3-498-03008-7

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2012-01-06)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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