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Werner Herzog - Aguirre der Zorn Gottes
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Herzog, Werner:
Aguirre der Zorn Gottes

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(Bücher frei Haus)

Die Leyenda rosa/blanca und die leyenda negra werden gerne über „Kastilisch-Amerika“ erzählt, denn die Eroberung Mittel- und Südamerikas war tatsächlich kein Zuckerschlecken, weder für die Spanier, noch für die sogenannten „Indianer“, die einem Irrtum Columbus` zufolge zwangszivilisiert wurden. Dabei war die Kultur der Azteken, Mayas und Inkas selbst schon auf einem sehr hohen Niveau, was allein der Städtebau zeigt. Tenochtitlan, eine der Hauptstädte, die später zu Mexiko City werden sollte, hatte zwischen 100 und 150.000 Einwohner, in einer Zeit in der Sevilla als größte Stadt Spaniens gerade mal 100.000 zusammenbrachte. Hernan Cortes, einer der spanischen Conquistadoren, bezeichnete die Hauptstadt des Atztekenreiches, Tenochtitlan, als „das neue Venedig“, „die schönste Stadt der Welt“, so groß wie Sevilla und Cordoba, mit einem Platz von der doppelten Ausdehnung von ganz Salamanca. Mit der Aufteilung im Vertrag von Tordesillas (1494) bekam Portugal das heutige Brasilien und Spanien den ganzen Rest. Damit begann eine zum Teil unterschiedliche Kolonialisierung, die auch heute noch sichtbar ist.
Aguirre, der Zorn Gottes, ist tatsächlich eine historische Figur. Als Francisco und Gonzalo Pizarro gemeinsam mit Diego de Almagro zwischen 1532-34 das Inkareich eroberten und es zwischen letzteren zu einem Bürgerkrieg kam, lebte auch Lope de Aguirre, der sich später ebenfalls gegen seinen König auflehnen sollte. Diego de Almagro wurde von Pizarro hingerichtet (1538), dann Francisco durch Diegos Sohn umgebracht, schließlich blieb Gonzalo übrig und erhob sich auch noch gegen den König (1544). Die Rebellion von 1548, endete mit der Hinrichtung von Gonzalo Pizarro. Lope de Aguirre nahm den Aufstand gegen Philipp II. auf und wurde 1561 niedergeschlagen. Hier hakt Werner Herzogs Film ein, wenn er Klaus Kinski schließlich auf einem Floß den Amazonas hinabtreiben und auf die Krone und die ganze Schöpfung schimpfen lässt, von Pfeilen der Indios umschwirrt, einer der eindrucksvollsten Monologe der Filmgeschichte und ein Abgesang auf jedwede Kultur und Zivlisation.
Aguirre nennt sich selbst den „Zorn Gottes“ und was er sät, wird er wenig später auch ernten. Verblüffend ist die völlig authentische Atmosphäre und natürlich die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers, der in diesem Film übrigens das erste Mal mit Herzog zusammenarbeitete. Spätere gemeinsame Projekte waren von noch viel größeren Auseinandersetzungen überschattet, man denke an Fitzcarraldo, Cobra Verde oder Nosferatu, in denen die beiden bis aufs Blut stritten und Klaus Kinski immer mehr zu dem Maniac wurde, den er zuvor in so vielen Filmen schon dargestellt hatte. Ein genialer Film, der nun im Rahmen der Zweitausendeins-Reihe „Der Deutsche Film“ neu aufgelegt wurde und in einer ausklappbaren, mit Bildern und Text gestalteten, schönen Kartonversion als Nr. 1/1972 erschienen ist. Der Film dauerte (leider) nur 91 Minuten und ist in der deutschen oder spanischen Sprache zu sehen.

Werner Herzog (Regie)
Aguirre der Zorn Gottes
Mit Klaus Kinski
Zweitausendeins Der Deutsche Film Edition
www.zweitausendeins.de

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-02-14)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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