Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Ulrich P. Hinz - Gegen alle Hoffnung
Buchinformation
Hinz, Ulrich P. - Gegen alle Hoffnung bestellen
Hinz, Ulrich P.:
Gegen alle Hoffnung

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

"Seismograph der Jahrhundertwende"

Wenn "Traumstraßen blutwundgefegt" (Todblau leuchtet der Abend Vergessen), "zerquetschte Gedärme das Pflaster benetzen" (Zeitzeuge) fühlt man sich in der Bildsprache an den "Medizyniker" Benn erinnert: Ulrich P. Hinz erweckt in seinen sprachlich virtuos ausgeführten Texten traumgleich mit dem Mut zur Ästhetisierung des Häßlichen, ohne gekünsteltes Harmoniestreben eine Welt der Vereinsamung und Entmenschlichung, in der das Individuum von seiner Außenwelt gleichsam "gelebt" wird und darin Verzweiflung und existentielle Bedrohung erfährt.

Wie kommt es, daß seine Texte "gegen alle Hoffnung" dennoch nicht perspektivlos bleiben? Sie konfrontieren den Leser mit dem Reflex des Ichs auf diese Trostlosigkeit seines Daseins am Beginn des 21. Jahrhunderts; nämlich mit den Sehnsüchten und Träumen eines Ichs, das die reale Welt um sich als aus den Fugen geraten wahrnimmt, aber in der Versprachlichung seiner Verletzlichkeit den unbedingten Willen zeigt, sich seiner Dissoziation zu stellen, und dadurch dem Leser eine klare Lesart gleichsam als Appell nahelegt: 1. Erkenne die Banalität des Lebens als außengesteuert. 2. Lasse nicht zu, daß sie deine Gedanken gefangen nimmt.

Der Band "Gegen alle Hoffnung" ist somit Bestandsaufnahme einer auf sinnentleerten Ritualen sich gründenden und überkommenen Gesellschaft und Ausweg aus deren Banalität zugleich. Der Autor deutet die Konsequenzen der heutigen entemotionalisierten Wirklichkeit als fragil und leblos und stellt ihr als Wert das in seinen Gedanken immer autonome Individuum gegenüber. Der Mensch hat trotz aller Hoffnungslosigkeit stets die Möglichkeit, sich den Bedingungen seines Daseins bewußt zu werden und bei aller Zergliederung der Umwelt in dieser Möglichkeit eine ewige Konstante zu erkennen. Hierin liegt die große Menschlichkeit, Schönheit und letztlich auch Hoffnung des Bandes von Hinz, der den Einzelnen als autonom über die vermeintlichen Ansprüche einer deformierten Gesellschaft stellt. Aufgrund des künstlerischen Gehalts der Sprachmittel gelingt es Hinz in seinen Texten, diese aktuellen Zeitphänomene in zeitlose zu wandeln. So erklärt sich der hohe Wiederlesewert dieses Bandes, den man immer wieder zur Hand nimmt, um in ihm etwas über sein eigenes Menschsein zu erfahren.

Dieter Kannenberg


[*] Diese Rezension schrieb: Dieter Kannenberg (2004-12-02)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Ulrich P. Hinz ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Memorandum meines Lebensvon Platen, August:
Memorandum meines Lebens
"Memorandum meines Lebens" ist die Autobiographie des längst in Vergessenheit geratenen deutschen Dichters August Graf von Platen-Hallermünde (1796-1835). Sie folgt der Intention, eine aufrichtige Selbstschilderung abzuliefern, also, so Platen selbst, eher in der Tradition von Rousseaus "Beichte" als Goethes [...]

-> Rezension lesen


 in flagranti und andere KatastrophenMiersch, Martin:
in flagranti und andere Katastrophen
Zwei nackte Damen – fleischfarben - posieren in knietiefem Wasser eines mit Gesteinsbrocken übersäten Bachlaufes zur Winterzeit. Surreal wirkt das überarbeitete Foto mit den beiden Schaufensterpuppen. Die Titelgestaltung des Hochglanz Covers des 128 Seiten umfassenden Bandes ist von Frank Jacob. Das soll hier Erwähnung finden, denn [...]

-> Rezension lesen


Das letzte KapitelHamsun, Knut:
Das letzte Kapitel
"Ja, wir sind Landstreicher auf Erden. Wir wandern Wege und Wüsten, zuweilen kriechen wir, zuweilen gehen wir aufrecht und zertreten einander. So auch Daniel, der zertrat und selbst zertreten ward". - so beginnt der 1923 erstveröffentlichte Roman "Das letzte Kapitel" des norwegischen Schriftstellers Knut Hamsun und [...]

-> Rezension lesen


 GedichtePuschkin, Alexander:
Gedichte
Alexander Sergejewitsch Puschkin, 1799 in Moskau geboren und 1837 in St. Petersburg einem Duell zum Opfer gefallen, verfasste zwischen diesen Jahren Poesie und Prosa, die mit der Zeit nichts verloren hat, auch wenn die Mehrheit der hiesigen Bevölkerung den Namen Puschkin heutzutage allenfalls mit einer Wodkamarke in Verbindung bringen [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.022541 sek.