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Rezensionen


 
Andrea Hirata - Die Regenbogentruppe
Buchinformation
Hirata, Andrea - Die Regenbogentruppe bestellen
Hirata, Andrea:
Die Regenbogentruppe

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(Bücher frei Haus)

„Unter den zehn Schülern werden Sie einem Jungen namens Ikal begegnen. Ikal bedeutet Lockenkopf, und dieser Junge bin ich. An einem verregneten Morgen sah ich meine Lehrerin, diese schmächtige junge Frau über den Schulhof eilen. Zum Schutz vor dem Regen hielt sie in Bananenblatt über dem Kopf. Meine arme Lehrerin. In diesem Augenblick schwor ich mir, dass ich eines Tages, wenn ich erwachsen bin, ein Buch schreiben würde, um ihr für alles, was sie für uns tat, zu danken.“

Jahrzehnte später hat Andrea Hirata diesen Schwur eingelöst. Er hat ein Buch geschrieben, das sich allein in Indonesien über fünf Millionen Mal verkaufte. Und das ist kein Wunder, erzählt doch dieser faszinierende Roman nicht nur die Geschichte einer jungen, zu Beginn der Handlung gerade einmal 15 Jahre alten Lehrerin namens Bu Mus, von ihren Schülern ehrfurchtsvoll „Ibunda Guru“ genannt, die zusammen mit dem alten und erfahrenen Lehrer Pak Harfan eine alte muslimische Schule übernimmt, die Muhammadiya. Er erzählt auch die Geschichte von zehn Schülern, alle aus armen Familien von Bergarbeitern, die seit Jahrhunderten schon von den wechselnden Eigentümern der Zinkminen ausgebeutet werden.

Über viele Jahre machen die beiden Lehrer mit sehr bescheidenen Mitteln und einem Schulhaus, das eher einer verfallenen Hütte gleicht, aus den Kindern eine verschworene Gemeinschaft, die sich selbst die „Regenbogentruppe“ nennt. Gegen alle Versuche der Bergbaugesellschaft und der ihr hörigen Schulbehörde, die Schule zu schließen, behaupten sie sich und bringen in ihrer Schule eine beachtlicher Zahl außerordentlich talentierter Schüler hervor, denen es zusammen mit den anderen Kindern der Regenbogentruppe irgendwann sogar gelingt, die Eliteschule der Bergbaugesellschaft in einem Wettbewerb des Wissens zu schlagen.

Als Schüler ab etwa 10 Jahren hätte ich in meiner Kindheit ein solches Buch geliebt und verschlungen. Zeigt es doch eine Gruppe von Kindern und ihre engagierten Lehrer, die etwas lernen wollen und die mit dem, was sie lernen, ihr Leben verändern. Auch wenn sie nicht alle ihre ursprünglichen Pläne verwirklichen werden, die Zeit in ihrer kleinen Dorfschule haben sie nie vergessen. Andrea Hirati hat sie und die Kinder der Regenbogentruppe mit diesem Buch unvergesslich gemacht. Ein Buch, das in der Lebensgeschichte der einzelnen Kinder und Lehrer die Geschichte eines ganzen, lange geschundenen Landes und seiner ganzen Kultur widerspiegelt, und das deshalb in Indonesien so überaus erfolgreich war. In der Originalausgabe schon 2005 erschienen, wurde das Buch in Indonesien 2008 verfilmt und ist mittlerweile in 25 Sprachen übersetzt. Dank Hanser Berlin auch ins Deutsche. Dem Buch wünsche ich auch hier großen Erfolg. Es kann Kindern und Erwachsnen zeigen, warum wir lernen und wofür. Vielleicht kann man dann auch bald einmal eine deutsche Fassung des Films im Fernsehen sehen.

Zusammenfassend zitiere ich noch einmal die Haltung des alten Lehrers Pak Harfan, der das dem zunehmenden Materialismus geschuldete Ede seiner Schule nicht mehr erlebte. Er war davon überzeugt, „dass Wissen einen Wert an sich darstellte, dass unsere Erziehung eine Pflicht ist, die wir dem Schöpfer gegenüber schuldig sind. Und dass Schule nicht immer mit dem Ziel verbunden sein darf, Titel zu erwerben, Geld zu verdienen und reich zu werden. Vielmehr soll Schule Freude am Lernen schaffen, das Licht der Zivilisation verbreiten, zu Würde und Selbstachtung führen, die Werte der Humanität vermitteln.“

Wer Ohren hat zu hören, höre!

Andrea Hirata, Die Regenbogentruppe, Hanser Berlin 2013, ISBN 978-3-446-24146-6

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2013-04-27)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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