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Rezensionen


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Rafael Jablonka - Mike Kelley - Kandors
„It would be the most magnificent super-feat of all
history!But it`s impossible, of course!“, heißt es in einer Episode des in den Siebziger Jahren
erschienen Comics „Superman“. Tatsächlich imaginiert Mike
Kelley in seinen neuen Arbeiten die minimalistische Stadt
Kandor – Hauptstadt des Planeten Krypton und Heimat der
Comicfigur Superman. Die vorliegende Publikation des
renommierten Hirmer Verlages präsentiert die Werkgruppe
„Kandors“ und illustriert damit auch die Übertragung von
zweidimensionalen Comic-Bildern, Graphic Novels, in
plastische Skulpturen. Eine Episode an die ich mich noch
erinnern kann, habe ich sogar selbst gelesen, zwei
Comichelden an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere,
werden verkleinert und in die Stadt Kandor eingesetzt. Dort
werden sie als vermeintlich Spione gefoltert und als ärgste
Methode erschien mir damals, die Variante, in der einer der
beiden ganz einfach wach gehalten wird. Schlafentzug ist
zwar eine der scheinbar harmlosesten Foltermethoden, da dem
physischen Körper des Verhörten nichts getan wird, dafür
wirkt sich das Fehlen des Träumens nachhaltig desaströs auf
die Psyche des Laboranten aus. Auch die sensorische
Deprivation – das Einsperren in weiße Zellen, ohne
sensorische Reize – ist eine solche „harmlose“
Foltermethode, die leider nicht nur in Diktaturen
praktiziert wird. Aber das wäre eine ganz andere Geschichte.
Krypton, Superman und Kandor
Der letzte Rest des explodierten Heimatplaneten von
Superman, Krypton, Kandor, befindet sich in verkleinerter
Form unter einer Glasglocke, aber immerhin in Supermans
Besitz. Mike Kelley hat nun verschiedene Versionen von
Kandor unter Glasglocken realisiert, die trotz
offensichtlicher Unterschiede vorgeben, dieselbe Stadt
darzustellen. Denn es hat nie eine Standardisierung dieser
Stadt gegeben, und so hat der jeweilige Comic Artist die
Stadt ganz nach seinem eigenen Gutdünken gestaltet. Von den
vielfältigen Beispielen in den Superman-Comics hat Kelley
zehn Kandor-Bilder auf den menschlichen Maßstab vergrößert
und daraus Skulpturen geschaffen. „Kandor“ ist damit also
auch ein Versuch einer Übertragung graphischer Bilder in
dreidimensionale Skulpturen. Die Glasbehälter wurden 2005
übrigens eigens in der Tschechischen Republik bei Kavalier
Glass Factory in Sazava für Mike Kelley angefertigt. 2009
konnte ich einige der Kandor-Skulpturen auf der Architektur
Biennale in Venedig sehen, die von unten beleuchtet in
totaler Dunkelheit gezeigt wurden.
Bunte Graphiken in illuminierter Dreidimensionalität
Die überwiegend ganzseitigen Abbildungen werden in
begleitenden Texten in Bezug auf deren Planung und
Realisierung kommentiert. Graphisch und dennoch
dreidimensional – das ist der Widerspruch, den Kelley in
seinen Skulpturen lösen musste. Kandors ist bei Hirmer 2012
erschienen und der Text ist in Englisch oder Deutsch
erhältlich. 78 Seiten, 51 Farbtafeln, 5 Abbildungen in Farbe
und 27 in Schwarz-Weiß im Format von 24 × 31,5 cm, gebunden
erwarten den kunstinteressierten Leser auf qualitativ
hochwertigen Papier in satten Farben.
Hirmer
Hrsg. Rafael Jablonka
Mike Kelley - Kandors
Text: Deutsch | Englisch.
78 Seiten, 51 Farbtafeln, 5 Abbildungen in Farbe und 27 in
Schwarz-Weiß.
24 × 31,5 cm, gebunden.
ISBN: 978-3-7774-3141-3
39,90 € [D] | 53,90 SFR [CH]
[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2012-06-27)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
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