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Patrick Jeudy - Marilyn Monroe - ihr letzter Auftritt
Buchinformation
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Jeudy, Patrick:
Marilyn Monroe - ihr
letzter Auftritt

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(Bücher frei Haus)

Ladies and gentleman: „The late Marilyn Monroe“
Mit dieser ambivalenten Einleitung stellte der Conferencier die in ihrem neuen 6000 Dollar Kleid auf die Bühne wackelnde Monroe bei der Geburtstagsfeier von JFK auf der Bühne vor. Dreimal musste er sie ansagen, bis sie endlich in den Schweinwerferkegel trat und den berühmten Mikrotest mit ihren Fingern machte, bevor sie ihr Geburtstagsständchen „Happy Birthday, Mr. President, Happy Birthday to youhuuu“ hauchte und in die Geschichte einging. Die unmittelbare Folge ihres öffentlichen Bekenntnisses hatte die sofortige Beendigung ihrer Beziehung zur Folge, denn JFK beendete die komporomittierende Affäre mit Marilyn, die er sich mit einem Mafiaboss geteilt hatte, postwendend. In jenem Mai 1962 war die Monroe gerade mal 36 Jahre alt und im August desselben Jahres starb sie. „The late Marilyn Monroe“ traf also unfreiwillig ins Schwarze, denn die Frau, die da auf die Bühne torkelte, kam nicht nur zu spät, sondern sah auch ziemlich alt aus. Aber wie war es dazu gekommen, dass die sog. „schönste Frau der Welt“ sich in so kurzer Zeit zu einem derartigen Wrack heruntergewirtschaftet hatte? Die vorliegende Dokumentation des französischen Regisseurs Patrick Jeudy, geht nicht der Frage nach, wer die Monroe umgebracht hat, sondern vor alem was. Ihr Ruhm? Die Einsamkeit? Oder etwa die Psychoanalyse?

„I wanna be loved by you – poupoupidou!“
Die Monroe sei immer zu spät gekommen, sogar zu ihrem Psychoanalytiker. Zu spät kommen bedeute, dass die anderen auf dich warte, dass du unersetzlich bist, soll sie einmal kokett eingestanden haben und aus diesen Worten spricht vor allem ihre Sehnsucht nach uneingeschränkter, bedingungsloser Liebe, vielleicht deswegen, weil sie nie eine Mutter hatte. „Es ist immer der Liebende, der auf den anderen wartet“ habe sie einmal in einem in einer Sitzung zu Dr. Ralph Greenson, ihrem Psychiater, gesagt. Die Transcripts dieser Sitzungen kamen durch den Staatsanwalt und Ermittler John W. Miner schon 1982 ans Licht, sie zeigen auch, wie verhängnisvoll die Beziehungen zu einem Therapeuten sich entwickeln kann. Sie habe sich sogar Notizen gemacht, bevor sie zu Greenson ging, so ein Statement, das darüber Aufschluß gibt, dass sich die Schauspielerin wohl sogar vor ihrem Therapeuten verstellte. Sie sei „eine Fälschung“ habe sie auch selbst gesagt und eigentlich immer die kleine Norma Jean geblieben, die ans Licht kam, wenn die Scheinwerfer ausgingen. „Man sollte jedem kleinen Mädchen sagen, dass es hübsch ist, auch wenn es nicht stimmt“, so Marilyn, ihre gestörte Mutterbeziehung, die sie sitzen ließ, hatte sicherlich nicht gerade die besten Auswirkungen auf ihre Psyche. „Nicht der Körper bereitet ihr Schwierigkeiten, sondern das Sprechen“, meinte Greenspan, dabei spricht sie doch vor allem mit ersterem. John Miner‘s Enthüllungen, die Transcripts, zeigen, dass die Psychoanalyse wenn schon nicht umgebracht, so doch zumindest eine wichtige Rolle bei ihrem Tod gespielt hat.

„Something’s got to give“
Marilyn habe anscheinend nicht viel besessen, so die Doku, aber ihre Bücher habe sie bei ihrem Umzug von L.A. nach New York mitgenommen: Rilke, Faulkner, Steinbeck. Und auch ihr weißes Klavier begleitete sie immer, sie hatte es bekommen als sie 8 Jahre alt war und erinnerte sie wohl an die unschuldigen Tage ihrer Kindheit. „Jeder will geliebt werden, aber keiner will lieben“, soll sie schon früh gesagt haben und spricht dabei natürlich auch über die Kamera, der sie sich schon als Minderjährige nackt annäherte. Liebe bezeichnete Marilyn als Anschlussfehler, wie beim Film, wenn der Kontext zur vorherigen Szene nicht stimmt. Arthur Miller hätte sie nie heiraten sollen, das beichtete sie auch ihrem Psychiater, denn er sah sie intellektuell nicht als ebenbürtig an. Miller selbst: „Ich hätte sie nie heiraten sollen, sie ist eine unberechenbare Kindfrau. Und selbstsüchtig ohne Ende.“ Wenig schmeichelhafte Worte kommen auch von John Huston, der ihre Shakespeare-Ambitionen (Strassberg-Zitat) mit wenigen Worten zu Nichte machte. Für ihre Rolle in „The Misfits“ habe er sie nicht nur weil ihr Mann Arthur Miller das Drehbuch schrieb, ausgesucht, sondern vielmehr weil sie eine „Nutte“ sei. Huston im O-Ton: „Na, weil du eine Nutte bist“, sagte er zu ihr, „und keine Schauspielerin. Und wie jede Nutte bist du ganz mit deinem Körper, deiner Seele dabei, dabei weißt du genau, dass du nicht diese Frau bist. Lass den Quatsch mit dem Actor’s Studio. Psychoanalyse und Schauspielerei passen nicht zusammen. Behalt lieber deine Angst, sie ist eine wichtige Triebkraft. Ohne Angst kannst du diesen Beruf gleich aufgeben.“ In ihrem letzten aufgrund ihres Todes nicht fertiggestellten Film „Something’s got to give“ hätte sie an der Seite von Dean Martin die Ellen Wagstaff Arden spielen sollen, eine Frau, die nach einem Schiffsunglück sieben Jahre verschollen war und überraschend zu ihrem Ehemann; Nick Arden, zurückkehrt. Nick, der seine Frau für tot erklärt hatte, ist inzwischen wieder verheiratet und Allen war auf der Tropeninsel auch nicht ganz allein.

„Who killed Marilyn?“
Ihr Schauspiellehrer Lee Strasberg habe ihr einmal gesagt, sie trage Shakespeare in sich. Diese Idee hatte sie natürlich fasziniert und deswegen hatte sie noch viele Pläne, so Miner. Er ist sich sicher, dass auch die medizinische Beweislage gegen einen Selbstmord der Schauspielerin sprechen würde, wenn man nochmals eine Autopsie anordnen würde. Die Monroe sei nämlich nicht - wie bisher angenommen - an einer Überdosis geschluckter Schlaftabletten gestorben, sondern .an 30 aufgelösten Tablette, die ihr per Einlauf verabreicht wurden, so Miner. Um diese Prozedur vollziehen zu könne, habe man ihr zuerst ein Betäubungsmittel in ein Getränk gemischt, damit sie ihr Bewusstsein verliert. Wenn die Monroe die Tabletten tatsächlich geschluckt hätte, so wäre sie vermutlich gestorben noch bevor sich das Medikament im Magen vollständig aufgelöst hätte. Der spannende und höchst brisante Stoff wurde unlängst in der Komödie „Who killed Marilyn?“ von Gerald Hustache-Mathieu aufgearbeitet. Bitte sehen Sie die Rezension dazu, auf unserer Seite: http://www.versalia.de/Rezension.Hustache-Mathieu_Gerald.1198.html

Patrick Jeudy (Regie)/Michael Schneide
Marilyn Monroe – ihr letzter Auftritt
DVD 91 min, Frankreich
70-seitiger Bildband "Marilyn in New York", Poster
Mit Marilyn Monroe,Yves Montand, Simone Signoret u.v.a

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2012-11-29)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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