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Gerda Jun - Unsere inneren Ressourcen
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Jun, Gerda - Unsere inneren Ressourcen bestellen
Jun, Gerda:
Unsere inneren
Ressourcen

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(Bücher frei Haus)

Es ist eine Binsenweisheit, dass viele Menschen nicht wirklich zufrieden mit sich sind. „Da wäre doch noch mehr möglich“ ist ein Gedanke, oder:“Warum gelingt mir nicht, was ich mir vorgenommen habe“. Letztlich die Frage: „Warum bin ich eigentlich, wie ich bin und muss das so bleiben“?
Oft gelingt es eben nicht, jene inneren „Quellen“ anzubohren, die das Leben entspannter, sinnvoller, letztlich auch in den eigenen Augen erfolgreicher machen würde.
Doch es gibt sie, diese „inneren Ressourcen“ und den Weg, diese zu nutzen.

„Wen oder was treffen Sie an, wenn Sie in sich gehen?“, dieses Zitat weist den Weg durch die gut 200 Seiten des Buches von Gerda Jun, auf denen Sie uns auf eine Entdeckungsreise in die Strukturen und Entfaltungsmöglichkeiten unserer Persönlichkeit schickt.

Dass es nicht Millionen verschiedener Grundpersönlichkeiten gibt, wohl aber einige Grundpersönlichkeiten in millionenfach verschiedener Ausprägung, dies wird dabei noch einmal allgemein vor Augen gestellt, bevor Gerda Jun (Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie) auf Ihre differenzierte Grundthese eingeht und diese entfaltet. Die Seele des Menschen ist evolutionär geschaffen, sich zu einer „blühende Landschaft“ und nicht zu einer „Steppe“ hin zu entwickeln. Dies geschieht, so Jun, indem der nach Erkenntnis über sich strebende Mensch die „Einheit in der Mannigfaltigkeit“ zu entdecken bereit ist und an dieser aktiv seine Arbeit aufnimmt. Mit sich und den eigenen Möglichkeiten, nicht gegen sich im Versuch, jemand zu sein, der man nicht wirklich ist.
Diese „Mannigfaltigkeit“ lässt sich zunächst zurückführen auf vier Grundantriebe, die in jedem Menschen vorzufinden sind: 1. Vitalität, 2: Sexualität, 3. Emotionalität und 4. Rationalität.
Diese Antriebe formen in der Folge Grundpersönlichkeitsstrukturen, die miteinander in einem dynamischen Verhältnis stehen. Jun nennt diese: das Archische (Ordnung), das Dynamische (andere als andere sein lassen können), das Emotive (sich ständig verbinden müssende) und das Kontemplative ( ganz für sich sein wollen).
Gegensätzlich Strömungen als Antworten auf Grundantriebe, die jeder in sich trägt, nur eben in verschiedener Ausprägung und Gewichtung zueinander.
Im Hauptteil des Buches vertieft sie in jeweils gleichen Unterkapiteln umfassend die Eigenschaften der vier Grundpersönlichkeiten und deren Bedeutung für die Entwicklungschancen des Menschen als soziales Wesen. Die Eigenschaften werden dabei umfassend beschrieben. Zum Schluss des Buches hin verdeutlicht Gerda Jun das Ziel innerer menschlicher Entwicklung: In der Vielfalt der Spielarten und der Gegensätze der eigenen Persönlichkeit diese zu integrieren und damit eine vielfältige, „blühende Landschaft“ zu schaffen, in der alle Bereiche jeweils einen Platz zur Entfaltung finden.
Um sich aber auf diesen Weg machen zu können und nicht in die Irre zu gehen, braucht es als Grundlage das Wissen um die eigene Person und einen Blick auf die eigenen Möglichkeiten.

Gerda Jun zeigt schon durch ein Goethe Zitat zu Beginn, dass sie sich in eine Tradition der Persönlichkeitsbetrachtung stellt, die schon im antiken Griechenland durch die „Säftelehre“ die vorliegende Unterscheidung in vier Grundpersönlichkeiten postulierte. Für die psychotherapeutische Praxis hat Fritz Riemann diese vier „Grundtypen“ bis heute gängig beschrieben und benannt. Die These der notwendigen „Integration und Balance der Gegensätze“ übernimmt Jun ebenfalls von Riemann und anderen.

Dennoch hat dieses Buch einen ganz eigenen und daher berechtigten Stellenwert in der altbekannten Unterscheidung der im Menschen angelegten vier Gegensätze. Indem Jun die Frage nach der evolutionären Sinngebung der beschreibbaren vier Grundstrukturen stellt und umfassend bearbeitet, wird die Gefahr, Ausprägungen einzelner Charaktereigenschaften als „krank“ zu empfinden, verringert. So bezeichnet Jun über Riemann deutlich hinausgehend diese Grundstrukturen nicht als „Angst“, sondern als „Potentiale“.
Bei der Lektüre des Buches wird deutlich, dass jede der inneren Strömungen eines Menschen im Verlaufe der evolutionären Entwicklung einen Sinn macht und damit eine nutzbare „Ressource“ darstellt, keine Angst oder Krankheit. Und das wir nicht als „Opfer“ unserer Struktur unser Leben als „zerrissen“ gestalten müssen, sondern die Chance haben, all die verschiedenen und z.T. auch gegensätzlichen Grundzüge unserer Person miteinander in ein fruchtbares Verhältnis zu setzen, zu „integrieren“.
Eine Integration, die letztlich durch die Evolution selbst angelegt wurde. Durch diesen versöhnenden Umgang mit unseren Stärken und Schwächen entstehen dann jene „blühenden Landschaften“ eines „selbstverwirklichten Lebens“, zu dem Gerda Jun in gelungener Form motivieren will.

Fazit: Sprachlich ist das Buch nicht einfach zu lesen, dennoch aber lohnt es sich, der umfassenden Recherche Juns nachzugehen und ihre Auseinandersetzung mit der Tradition und Forschung im Blick auf die Vier Grundpersönlichkeiten nachzuvollziehen. In tiefer und gründlicher Form wird hier ein Einblick in die Antriebskräfte des Menschen gegeben und Möglichkeiten aufgezeigt, diese Antriebskräfte zu einem sinnvollen Ganzen zu verbinden. Bei weitem kein „Selbsthilfe Buch“ üblicher Machart, sondern eine fundierte Studie menschlichen Seins und menschlicher Möglichkeiten, die Menschenkenntnis, Wissen über sich selbst und Wege der eigenen Entwicklung vermittelt


[*] Diese Rezension schrieb: Michael Lehmann-Pape (2010-04-15)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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