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Brian Kane - Prinz Eisenherz – Ein Handbuch für Kenner und Liebhaber
Buchinformation
Kane, Brian - Prinz Eisenherz – Ein Handbuch für Kenner und Liebhaber bestellen
Kane, Brian:
Prinz Eisenherz – Ein
Handbuch für Kenner und
Liebhaber

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(Bücher frei Haus)

„Der größte Beitrag zu englischen Literatur in den letzten hundert Jahren“, soll der Herzog von Windsor über Prinz Eisenherz einmal gesagt haben und auch wenn er damit vielleicht etwas übertrieben haben mag, kann man ihm seine Begeisterung dennoch sehr gut nachempfinden. Der Herzog von Windsor hatte sich schon früh als erster, selbst adeliger, Fan von Prinz Eisenherz Comics geoutet, und es werden ihm sicher noch viele andere Ammiratoren folgen, denn der Verlag Bocola hat die gesamte Werkausgabe des Wikingerprinzen und der Geschichte um König Artus` Tafelrunde neu aufgelegt. Arn Saba bezeichnet die „Legende des Singenden Schwertes“ als eine „amerikanische Interpretation der Artus-Legende, inklusive Kernfamilie, dem demokratischen Ideal und einem Kind gebliebenen Helden, dessen jungenhafte Streiche ihn oft in große Abenteuer führen“, ganz so, wie seinen Schöpfer, Harold Rudolf Foster (1892 – 1982), besser bekannt als Hal Foster.

Kanufahrten, Segelboote und die Jugend des Goldsuchers Hal Foster

Der Schöpfer des edlen Prinzen Eisenherz war als Jugendlicher und junger Erwachsener nämlich selbst ein kleiner Abenteurer. Als er mit 17 Jahren bereits in einem Büro arbeitete und gerade Jagdsaison auf Enten war, ging er lieber welche schießen, als sich dem langweiligen Büroalltag zu widmen, für den bliebe ja ohnehin noch das ganze Jahr hindurch Zeit. Sein Chef kündigte den jungen Hal aber sofort nach seiner Rückkehr und so wurde dann doch nichts aus der langweiligen Angestellten-Karriere. Der junge Foster sammelte wohl schon in seiner Jugend im Hafen von Halifax/Nova Scotia in Kanada seine ersten romantischen Impressionen für sein späteres Ritterabenteuer. Damals war der kanadische Hafen voll von Segelbooten und Dampfern und Foster liebte es, den aufgeblähten Segeln nachzusehen oder selbst in einem Kanu oder selbst gebauten Floß auf den Wellen zu treiben, bis ihn eines Tages seine Großmutter mit dem Feldstecher zwischen zwei riesigen Dampfern entdeckte. Sogar nach Gold soll er in seiner Jugend geschürft haben, allerdings vorerst erfolglos. Später, als Erwachsener, radelte er mit einem Freund die 1000 Meilen von Winnipeg, wo er schon als Illustrator gearbeitet hatte, bis nach Chicago, um sich für einen Job vorzustellen. Hal Foster nahm dort dann auch Abendkurse an der Chicago Academy of Fine Arts und zog bald seinen ersten großen Fisch (oder soll man sagen schoss bald einen weiteren großen Vogel): Edgar Rice Burrough`s „Tarzan“ war gerade als Roman erschienen und Hal Foster sollte ihn illustrieren.

Hearst… Bitte warten!

Foster hatte mit dem Affenmenschen Tarzan so viel Erfolg, dass bald auch der amerikanische Pressezar William Randolph Hearst von ihm Wind bekam. „Bringt mir diesen Foster!“ soll er gepöbelt haben, doch es sollten noch 18 weitere Monate vergehen, bis sich Foster dem Diktat der King Features Syndicate unterwerfen sollte. Als die Hearst-Leute anriefen, legte er einfach wieder auf, nachdem er deutlich zu ihnen gesagt hatte: „Nein, ich bin noch nicht fertig“. Hal Foster wollte nämlich erst recherchieren und er nahm seine Recherche auch wirklich sehr genau, wie man es seinen Zeichnungen ja auch deutlich ansieht, so detailgetreu und liebevoll wie sie gemacht sind. Anfangs enthielt sein „Prince Valiant. In the Days of King Arthur“ zwar noch einige Fantasy-Elemente wie Riesenschildkröten, Seekrokodile oder Sumpfdrachen, doch bald wurden seine Figuren nicht „larger“, sonder sogar „realer than life“: Die Charaktere, die Zeit und die Örtlichkeiten wurden für Foster und den Leser so real, dass er bald auch eigene Familienelemente darin verknüpfte und so erst recht für die Authentizität seines Prinzen sorgte. Die „häusliche Seite“ des Helden zeigte den Prinzen etwa mit seinen Kindern spielen oder mit seiner Frau streiten und so wurde aus Prinz Eisenherz immer mehr eine reale Figur, selbst wenn der historische Hintergrund nicht immer 100-prozentig stimmte. Dennoch lässt sich kaum leugnen, dass die Serie eine der wenigen Comics ist, aus der man auch wirklich etwas lernen kann. Über die Kreuzzüge zum Beispiel, den Untergang des Römischen Reiches oder den Pikten- und Hunnensturm, ganz abgesehen von der Geographie, denn Prinz Eisenherz` Abenteuer spielen nicht nur etwa in England oder bei den Wikingern, sondern auch in Asien und Amerika, oder sogar in Afrika.

Nur mehr zwei Originalseiten verblieben dem Schöpfer

Insgesamt rund 400 Seiten soll Foster der Syracuse University gestiftet haben, weil es damals, in den Siebziger Jahren eine Steuererleichterung gab, wenn man Originale der Universität überließ. Heute wären die Seiten pro Stück 2.000.- Dollar wert, nur schade, dass Foster selbst nur mehr zwei (!) davon in seinem eigenen Besitz wähnt. Die anderen Originale sind entweder verschollen oder liegen in einer Schreibtischschublade der Universität. Auf die Frage seiner eigenen Einschätzung nach dem Wert seiner Arbeit reagiert der Mythenschöpfer Foster in einem Interview übrigens sehr gelassen und bescheiden: „Ich würde sagen inspiriert. Inspiriert durch die Schönheit meiner eigenen Arbeit und der Liebenswürdigkeit der Geschichten, die ich von besseren Autoren gestohlen hatte. Ich habe immer allein gearbeitet.“ Brian M. Kane, der Herausgeber des Prinz Eisenherz Handbuchs, macht sich in einem Artikel „Met Whiskey und Brandywine: Die künstlerischen Ahnen von Prinz Eisenherz“ in der vorliegenden Liebhaberausgabe übrigens auch auf die Spuren genau dieser künstlerischen Vorbilder, die Hal Foster selbstverständlich nicht bestohlen hat, sondern durch seine eigene einzigartige Vision in höhere Sphären gehoben hat.

Hochstapler, Seefahrer und Schiffseigentümer

„Fosters Großartigkeit liegt in der Klarheit seiner Kunst, in der man den Anstand, den Enthusiasmus und die Sanftmut spüren kann, die seine Vision von der Welt ausmachen“, schreibt Arn Saba in den Vorbemerkungen zu dem von ihm mit dem 87-jährigen Foster geführten Interview, das wohl das letzte war, das mit Foster vor seinem Tod geführt wurde. Er starb fast 90-jährig, am 25. Juli 1982 in Spring Hill, im Bundesstaat Florida, wo er sicherlich einer der am jüngsten gebliebenen Bewohner des Sunny States war. Eine weitere einfühlsame Schilderung des Menschen hinter dem Mythos Prinz Eisenherz hat Virginia Irwin verfasst. Ihr Text stammt aus dem Jahre 1949 und zeigt die Person Hal Foster als liebenswürdigen Menschen, der gerne Fische fing und ab und zu gerne eine Ente schoss, jedenfalls ein Mann, der die ihn umgebende Natur liebte und aus ihr vielleicht auch seine Inspiration für seine Geschichten zog. Seine Familie entstammte englischen, irischen und preußischen Vorfahren und viele von ihnen seien Seefahrer und Schiffseigentümer gewesen. „Hochstapler auf väterlicher und mütterlicher Seite schufen ein beträchtliches Vermögen und die Nachkommen verschleuderten es“, wie Foster es Irwin gegenüber ironisch geäußert haben soll. Foster wollte damit wohl seine Zughörigkeit zur verarmten Oberschicht illustrieren, aus der er sich selbst mit viel Sitzfleisch emporgearbeitet hat zum wohl bedeutendsten Comickünstler des 20. Jahrhunderts.

Prinz Eisenherz für Liebhaber und Kenner – beim Bocola Verlag

Fosters Arbeiten – so ein zeitgenössischer Kritiker, den Irwin zitiert – markierten den Beginn einer neuen Schaffensperiode und seien zugleich auch fast ihr Ende. „Seine Arbeiten waren so gut, dass für Nachfolger wenig blieb, was zu verbessern gewesen wäre. Überhaupt konnten nur ganz wenige den Standard erreichen, der er gesetzt hatte.“, so Virginia Irwin. Prinz Eisenherz erschien in mehreren Dutzend ausländischen Zeitungen, wurde in gut zehn verschiedene Weltsprachen übersetzt und legte die Latte so hoch, dass man heute auch gar nicht mehr bloß von „Comics“, sondern von „Graphic Novels“ spricht. Hal Foster`s Prinz Eisenherz ist sicherlich das erste seines Genres, das aus seiner Gattung ausbricht und damit gleich ein neues schuf. Die Gesamtausgabe wurde von Bocola neu verlegt und ist in einer 18-bändigen und farbigen, gebundenen Prachtausgabe beim Verlag und im ausgewählten Buchhandel zu erstehen. Alle von Hal Foster gezeichneten 1.788 Seiten der Comic-Serie, die zwischen 1937 und 1971 entstanden, wurden digital restauriert und werden in Originalfarben gezeigt.

Eine wahre Camelot Edition

Zudem ist 2010 der Titel „Prinz Eisenherz für Liebhaber und Kenner erschienen“ aus dem hier auszugsweise und dankenswerterweise zitiert wurde. Als weiterer Besonderheit – neben den angesprochenen Artikeln und Interviews enthält dieser Band auch einen erstmals erstellten vollständigen Handlungsindex bis einschließlich zur Nachfolge von Foster, John Cullen Murphy, Mark Schultz/Gary Gianni, sowie eine Vielzahl von dokumentierenden Fotos, Illustrationen, Cartoons, etc. „Die Foster & Murphy Jahre“ werden seit August 2010 ebenfalls neu verlegt und zeigen in einer 5-bändigen Buchserie die zehn Jahrgänge (1971-1980), die noch von Foster selbst vorgezeichnet und getextet und von John Cullen Murphy in Reinzeichnungen umgesetzt wurden (Seiten 1789-2242). Band 1
erschien im August 2010, Band 2 soll im Januar 2011 herauskommen, alle
großformatig (23,5 x 32 cm) im Hardcover-Band, jeweils 112 Seiten
erstmals in der digital restaurierten Farbversion der US-Sonntagsseiten mit der
Übersetzung von Wolfgang J. Fuchs. Für die absoluten Liebhaber – wie etwa den Herzog von Windsor - gibt es übrigens auch eine besondere in Englisch und Deutsch erhältliche „Camelot Edition“ in einer restaurierten Fassung der großartigen Zeichnungen von Hal Foster im
original US-Zeitungsformat (39 x 54 cm) beim Bocola Verlag zu bestellen. Das Format, für das Foster jahrzehntelang seine Seiten gestaltet hat, zeigt eine faszinierende Fülle von Details.
Das sagenhafte Ritter-Epos läßt sich hier völlig neu erleben

Brian M. Kane (Hrsg.)
Prinz Eisenherz – Ein Handbuch für Kenner und Liebhaber
Bocola 2010
Übersetzung von Uwe Baumann

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2010-11-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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