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Rezensionen


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Jack Kent - King Aroo
„Aber Madame, ich bin nicht, was ich zu sein scheine“, sagt
das in einen Elch verwandelte Meerschweinchen, als eine
Elchin ihn küssen möchte. Und siehe da, schon ist das
Versuchskaninchen wieder ein Meerschweinchen. Lord Yupyop,
der Lord Obermyopisch-Alles hatte zwar den Zauberspruch
für`s Verwandeln gelernt, aber nicht für die
Rückverwandlung, doch Gottseidank gibt es alte Märchen, wie
das vom Froschkönig, das wieder hilft, Zaubersprüche
umzudrehen. „You Kent do dat to me“ (you can`t do that to
me) könnte was schon so etwas wie ein Umkehrrein sein, denn
man möchte ja nicht wirklich verwandelt werden, auch wenn
man es sich oft wünscht. Jack Kent jedenfalls, der Erfinder
von King Aroo, hat mit seiner ganz eigenen Art von Humor ein
ganzes Königreich, Myopia. geschaffen, das über einen Morgen
Land groß ist und von so illustren Gestalten wie
aufziehbaren Weckhähne, Halbpennybob das Meerschweinchen und
Berufsversuchskaninchen, Kängurus als Briefträger oder eben
Lord Yupyop, der Lord Obermyopisch-Alles, bevölkert werden.
Natürlich muss man sich bei diesem vor allem auf Wortwitz
spezialisierten Comic aus den 1950er bis 1965er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts besonders um gute Übersetzungen der
Pointen bemühen. Denn nicht nur die witzigen Zeichnungen,
sondern auch die Wortspiele haben eine wichtige Rolle bei
der völkervermittelnden Rolle dieses Nachkriegscomics, das
erstmals jetzt in vollständig deutscher Übersetzung beim
Bocola Verlag erschienen ist. King Aroo ließ schon vor mehr
als einem Jahrhundert Jung und Alt mit einer phantasievollen
Mischung von klugen und witzigen Wortspielen, visuellem
Humor und gutem alten Slapstick vor allem das amerikanische
Publikum gleichermaßen schmunzeln, lächeln und lachen und
endlich ist es nun auch dem deutschen Publikum zugänglich.
Band I feiert den 60. Geburtstag des Strips, indem er jeden
erschienenen Strip von 1950 bis Ende 1952 präsentiert,
gedruckt nach den Originalzeichnungen und zahlreichen
Proofs. Herausgeber ist der Eisner Award-Gewinner Dean
Mullaney. Ergänzt wird der Band durch eine Einleitung von
Sergio Aragones und einen biographischen Essay von Bruce
Canwell. In letzterem schreibt Canwell, dass Jack Kent als
Person vor allem durch sein Naturtalent und seinen
grenzenlosen Enthusiasmus bestochen habe, denn er sei kein
akademischer Zeichner gewesen, was seinen eigenen Aussagen
nach „viel erkläre, aber nichts entschuldige“. Schon als
Jugendlicher hatte er sich ein eigenes Logo, den
„Circle-Bar-K“ zugelegt und sich später sogar ein
Brandzeichen daraus gebastelt. „Obwohl er nicht einmal einen
Hund besitzt, hat er ein Brandeisen für Rinder“, soll es bei
der amtlichen Registrierung geheißen haben und tatsächlich
schmückte ein Foto derselben lange Zeit seine
Wohnzimmerwand. In den Dreißiger Jahren verlangsamte sich
Kents Zeichentempo erstmals, da er an Masern erkrankte, was
damals noch eine ernstzunehmende Krankheit war, und weil er
sich in einen „flotten Käfer“, so der damalige Jargon,
namens Odessa verliebte. Doch die Sängerin, der cutiebug,
hatte bald wieder andere Pläne und Kent konnte sich wieder
voll auf seine Arbeit, das Zeichnen konzentrieren. Die
zweite große Zäsur in seinem Schaffen war Kent`s
Militärzeit, denn er diente die volle Periode für sein Land
und fand kaum mehr Zeit für seine Arbeit.
Dafür ging es nach dem Krieg dann so richtig los und er
verarbeitete auch seine Erfahrungen in der Armee in seinen
Comics. Mit erst 26 Jahren wurde Kent zum
Vollzeit-Comiczeichner mit einem fixen Vertrag vom McClure
Syndicate in den Taschen. Allerdings zahlte der junge Kent
auch einen hohen Preis dafür, denn er musste oft sieben Tage
die Woche für das Syndicate arbeiten. Als Bezahlung winkte
ihm dafür aber auch die Verwirklichung seines Lebenstraums.
Und schließlich sollte es dann nach einigen weiteren Fiasken
wie z.B. mit der Schauspielerin Leigh Allen, die er auch in
King Aroo verewigte, mit den Frauen klappen. Die beiden
heirateten am 27.9.1952. „Es war eine dieser wunderbaren
Sachen, die normal nur in Myopia passieren können“, soll
Jack Kent über seine Hochzeit mit Leigh gesagt haben.
Jack Kent
King Aroo
Band 1, 1950 – 1952, erschienen im April 2011
Hardcover-Band (25 x 20 cm), 340 Seiten
Herausgeber: Dean Mullaney
Vorwort: Sergio Aragones
Übersetzung: Wolfgang J. Fuchs
ISBN 978-3-939625-34-6
29,90 EUR [D] / 30,80 EUR [A] / 49,90 SFr [CH]
[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-08-14)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
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