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Barbara Kirchner - Barbara Kirchner zu Alexandra Kollontai Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin (1926)
Buchinformation
Kirchner, Barbara - Barbara Kirchner zu Alexandra Kollontai Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin (1926) bestellen
Kirchner, Barbara:
Barbara Kirchner zu
Alexandra Kollontai
Autobiographie einer
sexuell emanzipierten
Kommunistin (1926)

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(Bücher frei Haus)

Die vorliegende Publikation des Laika-Verlages im Pocket-Format enthält neben dem im Titel angesprochenen Aufsatz der russischen Revolutionärin und Wegbegleiterin Lenins auch eine Einführung in das Thema durch Barbara Kirchner sowie einen zweiten Aufsatz der Kollontai mit dem Titel „Die Geschlechtsbeziehungen und der Klassenkampf“ (1918). Die Herausgeberin, Barbara Kirchner, ist Professorin für Theoretische Chemie an der Universität Leipzig und Autorin der Bücher „Der Implex“, „Die verbesserte Frau“, sowie zahlreicher Artikel.

Romantik-Lüge und Kapitalismus

In ihrem Einführungsessay spricht sie wichtige Probleme der Geschlechtsbeziehungen in unserer heutigen Zeit (dem 21. Jahrhundert) an und polemisiert gegen die Romantik-Lüge der zu Folge der Mythos der „Großen Liebe“ nichts anderes sei als „eine besondere Variante der allgemeinen kapitalistischen Sauerei“, denn öffentliches Unrecht werde damit zu privatem Unglück erklärt. Kirchner findet deutliche Worte für die „Einsamkeit der Seele“ und die mit der Liebe verbundenen Illusionen nach einem Seelengefährten, der alle anderen Probleme löse. Liebe werde ein Allheilmittel „zur Heilung von Wunden, die eine falsche Vergesellschaftungsform den Menschen“ beibringe.

Raus aus dem Käfig

In ihrer „Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin“ will Kollontai so objektiv wie möglich von sich selbst sprechen, obwohl ihr natürlich auch klar ist, dass das nicht geht. Sie war nicht nur die erste Frau im bolschewistischen Regierungskabinett der Umbruchsjahre 1917/18, sondern auch die erste Frau im diplomatischen Dienst, wie sie schreibt. Als russische Gesandte in Oslo errang sie nicht nur einen Sieg gegen die „konventionelle Sittenmoral und konservative Ehrbegriffe“, sondern entsagte damit auch dem klassischen Liebesversprechen und ihrer Ehe, da sie - anders als es damals von Frauen erwartet wurde – in der Liebe nicht den „Hauptzweck ihres Lebens“ gesehen habe. Von Frauen werde immer verlangt, sich zwischen Arbeit oder Ehe und Liebe zu entscheiden, sie hatte genug von falschen Heilsversprechungen bei denen „im Manne, den wir liebten, jedes mal den Einzigeinen zu finden glaubte denjenigen, mit dem man seine eigene Seele glaubte vermischen zu können und der beriet ist, uns als geistig-körperliche Kraft voll anzuerkennen“. Ihr Leben als Hausfrau waren ihr längst zum „Käfig“ geworden und so arbeitete sie zunächst im Ausland, zuerst in der Schweiz, als Propagandistin der Partei, die später die Macht in Russland erobern sollte.

Klassenkampf und Emanzipation

Immer wieder in die Illegalität gedrängt und von Gefängnis bedroht, verbannt und verfolgt, arbeitete sie in der Emigration das 600 Seiten starke Mutterschaftsversorgungsgesetz aus, das nicht nur in Europa und Australien für eine entsprechende Gesetzgebung herangezogen wurde, sondern nach dem Sieg der Revolution auch in der Sowjet. Auch wenn sie stets die „“Sehnsucht, von einem Menschen bis in die tiefsten, geheimsten Winkel der eigenen Seele verstanden, von ihm als strebender Mensch anerkannt zu werden“. in sich trug, widmete sich dem Aufbau ihres Landes nach dem Krieg und Bürgerkrieg als Volkskommissarin für das Sozialwesen des riesigen Landes. Auch in dem zweiten Aufsatz in vorliegender Publikation des Laika-Verlages warnt Alexandra Kollontai vor der „Illusion einer verwandten Seele“, von der Frau sich jedwede Lösung aller Probleme erwarte. „ Die Vorstellung des unteilbaren Besitzrechts der Ehegatten aneinander ist in dem Moralkodex der bourgeoisen Klasse mit besonderer Sorgfalt kultiviert worden“, schreibt sie, und darin sei auch das moralisch Absolute der neuen Gesellschaft verankert.

Aber das Prinzip der Kameradschaft triumphiere immer noch über die traditionelle Vorstellung von der Ungleichheit der Geschlechter und der Unterordnung der Frau in Geschlechtsbeziehungen. Mit klaren Werten stellt Alexandra Kollontai die Kameradschaft zwischen den Geschlechtern über das bürgerliche Ideal der Ehe in der die Frau auf ihr Leben zugunsten der Familie verzichten müsse. Die Gleichheit zwischen den Geschlechtern sei aber kein Nebenwiderspruch des Kapitalismus, der nach der Überwindung des Klassenantagonismus überwunden sei, sondern sei täglich aufs Neue in gleichberechtigten Verhältnissen einzufordern.

Barbara Kirchner zu Alexandra Kollontai
Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin (1926)
Band 3 der Marxist Pocket Books des Verlages
2012, Laika Verlag, 104 Seiten
ISBN: 978-3-942281-32-4
8,50 €

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2017-11-26)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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