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Koch Media - Giallo-Collection Teil 2
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Koch Media:
Giallo-Collection Teil 2

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(Bücher frei Haus)

„Gialli“ (deutsch: Die Gelben) nennt man in Italien die Krimis, da sie zumeist in einem gelben Einband publiziert wurden. Koch Media legt mit dem zweiten Teil nun gleich drei Verfilmungen von Kriminalromanen vor, die passend zur herbstlichen Stimmung die richtige Atmosphäre erzeugen, um sich zu Hause vor dem Ofen aka Fernseher zu fürchten. Bei „The Child“ (Soundtrack von Ennio Morricone) wird es wohl auch hartgesottenen Krimi-Fans die Gänsehaut über das Zwerchfell jagen, denn die Handlung spielt in der Lagunenstadt Venedig, wo schon in mancher Nebelnacht einige Menschen in den Kanälen verschwunden sind.

Giallo per due Rosse
Doch „The Child“ beginnt zunächst in den verschneiten Bergen Frankreichs. Ein Kind verschwindet beim Rodeln und wird vom Mörder unter dem Schnee verscharrt. Der Zuseher weiß allerdings mehr, als die handelnden Personen im Film, denn er sieht die Handlung durch und mit den Augen des Mörders, der zumeist einen schwarzen, durchsichtigen Schleier sieht. Einige Jahre später geschieht dasselbe in Venedig. Ein rothaariges Mädchen verschwindet und wird vom schmutzigen Wasser der Lagune in einem Kanal hochgeschwemmt. Der Vater des Mädchens ist so verzweifelt, dass er sich selbst auf die Suche nach dem Mörder macht, da ihm die Polizei nur bedingt helfen kann. Im Verlauf der Handlung kommt es noch zu weiteren Morden aber auch einigen „sauberen“ Sexszenen, wie man es auch aus anderen Filmen der Siebziger kennt. An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, der klassische Giallo der in Venedig spielt, erst 1973 erschien, „The Child“ also nicht als Plagiat bezeichnet werden kann, eher umgekehrt. Denn der Regisseur, Aldo Lado, ist selbst Venezianer und kennt die gruselige Atmosphäre wohl noch besser als sein Kollege Nicolas Roeg und dementsprechend zum Fürchten ist auch seine Inszenierung des Stoffes.

Gruseliges Venedig und mehr
Es kommen aber nicht nur Fans des guten alten Siebziger Horror Films auf ihre Kosten, sondern besonders auch Venedigfans. So sieht man etwa in einer Einstellung Innenaufnahmen der Kirche auf der Fondamenta della Misericordia, in der sich früher im oberen Stock eine Palestra (Sportstudio) befand, in der die Jugendlichen Basketball spielten (!). In einer anderen Szene wird das Mulino Stucky (wo sich heute das Hilton Hotel befindet) gezeigt. Das alte teatro cinema progresso auf der Strada Nova in Canareggio wurde für „The Child“ kurzerhand zum Sexkino umfunktionier, in dem ein weiterer grausamer Mord passiert. Außerdem ist gerade Acqua Alta im Film und so müssen einige Bewohner der Stadt sich auf den passerelle vor San Marco bewegen. Immer wenn ein Mord geschieht hört man Morricones Kinderchor, aber einer der inszenatorischen und poetischen Höhepunkte von „The Child“ ist sicherlich der Vogelmord auf einer Terrasse am Canal Grande. Aldo Lado hatte schon mit Bertolucci bei dessen „Tango in Paris“ zusammengearbeitet. Das Ende selbst ist eigentlich eine Retouche, die einer Zensur gleichkommt, denn der Kommissar sagt, der Mörder wäre ein „falso prete“ gewesen. Aber Aldo Lado hatte den Text nicht so geschrieben, denn es sollte tatsächlich ein echter Priester sein. Seine Abneigung gegen Priester rührt beim Regisseur nämlich von einer Kindheitserfahrung her, als ihm ein Priester seine Hand aufs Knie gelegt hatte Auf die Änderung der Aussage des Filmes meint der Regisseur locker: „Non rapresenta la mia volonta come autore.“

Als weiteres nettes Gimmick befinden sich in dieser Ausgabe von Koch Media drei Poster (natürlich in Gelb), die auf der einen Seite den Film beleuchten und auf der anderen Seite eine Szene des Films in Großaufnahme zeigt. 268 min gruseliger Spannung in schöner knalliger Verpackung: so kann man sich gut auf den Herbst einstellen!

Giallo-Collection: Teil 2 :
The Child-Die Stadt wir zum Alptraum/Blutiger Zahltag/In the Folds-of-the-Flesh
3 DVDs) ca. 268 min
Koch Media
Genre Thriller Filmlänge
Sprachen Deutsch, Italienisch, Englisch
Italien/Frankreich 1972/1970/1971
Extras: Exklusive Interviews mit Cast und Crew, Originaltrailer, Bildergalerien mit seltenem Werbematerial

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-11-17)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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