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Rezensionen


 
Olaf Kraemer - Ende einer Nacht
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Kraemer, Olaf:
Ende einer Nacht

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(Bücher frei Haus)

Die letzten Stunden der Romy Schneider

„Ich meine ein anderes Timbuktu. Wir müssen es erfinden.“, lässt Olaf Kraemer seine Romy zu ihrem Laurent sagen. Doch genau das ist ihr nicht mehr gelungen, ein neues Timbuktu zu (er)finden, auch in ihren letzten Stunden nicht, in denen sie in ihre persönlichen Höllen hinab stieg und auf der Suche nach Tabletten sich selbst und ihr „Timbuktu“ endgültig verlor. Olaf Kraemers Buch ist die sehr persönliche Schilderung der letzten Nacht von Romy Schneider und statt Kapiteln, gibt es Zeitangaben, und je vorgerückter die Stunde, desto näher rückt auch ihr Tod, der unvermeidbar erscheint, zu sehr hat sich die Protagonistin schon in ein Netz der Ausweglosigkeit verstrickt.

Eigentlich sollte sie ihre Memoiren schreiben, sie versucht ihre Gedanken und ihr Leben zu ordnen, denkt viel an ihre Männer, am meisten an Alain, aber meist verbleibt sie „nervös und innerlich verbrannt, als habe man sie mit heißem Blei gefüllt“ in ihren Gedanken verstrickt und natürlich bringt sie so keine einzige Zeile zu Papier. „Ihre Gedanken kommen und gehen in einem fort. Eine Weile wiegt einer so schwer wie der andere, ehe er weiterzieht. Dann ist einer so leicht, dass er im Moment des Auftauchens sofort verschwindet, und sie gerät in Panik, weil sie fürchtet, dass er nicht wiederkehrt.“

Zeit ihres Lebens hatte Romy unter ihrer starken Mutter gelitten und darüber schreibt auch Olaf Kraemer, ihre Familie war durch die Nähe zu Hitler nach dem Krieg korrumpiert und Romy wurde nun in das Leben gezwungen, das ihre Mutter als „Belastete“ nicht mehr fortsetzen konnte. Doch Romy wollte sich nicht zwingen lassen, sie zog nach Paris, „einer unerschlossenen Erweiterung meiner selbst“, wie sie zu sagen pflegte und versuchte durch Radikalität mit ihrer Herkunft zu brechen. Auch Fassbinder spielt übrigens eine Rolle in diesem Buch, ihm gegenüber soll sie wohl die Sätze geäußert haben, sie brauche jemanden, der sie zerbricht, aber es müsste dann auch einer sein, der sie wieder zusammensetzen könnte. Sie habe einen Mann gewollt, der stärker war als sie und der nur bei ihr schwach wurde. Alain habe sie nicht kaputtgemacht, sie war an ihm kaputtgegangen. Oder vielleicht doch eher an ihrer Mutter?

Ihr Kind spießte sich versehentlich an einem Gartenzaun auf, ihr Mann Laurent erhängte sich. Romy Schneider blieb wahrlich nichts erspart. Am Schluss des Buches steht die Fabel des toten Rehs wie eine Metapher auf Romys Leben: „Es war besser zu sterben, als ohne seine Mutter allein im Wald zu leben“. Der Vater, der das Rehkitz tötete, weil es keine Mutter hatte und ohne sie ohnehin bald gestorben wäre, erklärt der kleinen Romy die Tat des Jägers auf diese Weise. Leiden zu verkürzen, sei also seine ehrenvolle Aufgabe und die kleine Romy tröstet sich damit, dass sie ja nicht sterben müsse, denn sie habe ja eine Mutter. Der Schluss liegt nahe, dass sie sie nicht leben hatte lassen, jedenfalls nicht ihr eigenes Leben und sie sich nie von ihr befreien konnte, weder durch Paris noch durch Alain und schon gar nicht durch die Tabletten und den Alkohol.

Olaf Kraemer wurde 1959 in Cuxhaven geboren, und lebt heute in München, wo er nach einem langjährigen Aufenthalt in L.A. heute wieder lebt und arbeitet. 2007 veröffentlichte er unter dem Titel „High Times. Mein wildes Leben.“ die Biographie von Uschi Obermaier.

www.blumenbar.de
ISBN: 978-3-936738-42-1
188 Seiten

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2008-11-19)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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