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Fabien Kunz-Vitali - Pier Paolo Pasolini: Vom Verschwinden der Glühwürmchen
Buchinformation
Kunz-Vitali, Fabien - Pier Paolo Pasolini: Vom Verschwinden der Glühwürmchen bestellen
Kunz-Vitali, Fabien:
Pier Paolo Pasolini: Vom
Verschwinden der
Glühwürmchen

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(Bücher frei Haus)

In einem seiner Werke – La Divina Mimesis – soll Pasolini seine eigene Ermordung durch „Schläge mit Schlagstöcken“ bereits vorweggenommen haben. Vor genau 40 Jahren wurde diese seine Prophezeiung dann unter immer noch nicht ganz geklärten Umständen schreckliche Realität: Italiens größter Intellektuelle wurde am Strand von ein paar Strichjungen erschlagen. Seither sind die Gerüchte um ein politisches Mordkomplett und gedungene Mörder nicht abgeebt. Unlängst beschäftigte sich sogar ein Film des Skandal- Regisseurs Abel Ferrara mit diesem Thema. Darin wird auch das letzte Interview, das Furio Colombo mit Pasolini führte, gezeigt. Das komplette Interview findet sich auch in dieser hier vorliegenden Ausgabe zu Pasolinis Text „Das Verschwinden der Glühwürmchen“. Darunter weitere Texte vom Herausgeber und Pasolini selbst.

Alle in Gefahr
Erschreckend ist sicherlich auch die Tatsache, dass Furio Colombo das Interview mit Pasolini nur wenige Stunden vor seiner Ermordung, am 1.11.1975 führte und er darin u.a. die Worte formulierte: „Du hast nicht einmal eine Ahnung davon, wer in diesem Moment daran denkt, dich zu töten. Nimm den folgenden Titel (für das Interview, JW), wenn du magst: `Denn wir sind alle in Gefahr´.“ Wie Fabien Kunz Vitali in seinem einleitenden Essay vermerkt, ist Pasolinis Verdienst als Intellektueller vor allem auch seine Stellungnahme gegen die „hedonistische Ideologie des Konsums“, denn was vor kurzem noch ein Beitrag zur Enttabuisierung gewesen sei, erweise sich alsbald als eine neue Form der Tabuisierung. Pasolini könnte aufgrund seines nie fertiggestellten letzten Romans, Petrolio, ermordet worden sein, da einige implizite Stellen auf die Macht der DC verweisen und das ganze System des italienischen Postfaschismus anprangerten. Vergangenheitsbewältigung auf italienisch?

Wunde im kollektiven Bewusstsein
„Was vor kurzem Teil einer Sprache des Protests war, klang plötzlich wie die Sprache der Macht selbst“, so Fabien Kunz Vitali. Die Nostalgie für Pasolini sei auch eine Nostalgie für das „goldene“ Zeitalter der Intellektuellen à la Sartre, sie diene als Alibi, um die Konfrontation mit der Realität und ihren Voraussetzungen zu vermeiden. Pasolini sei – wie es Tullio de Mauro nannte – eine „Wunde im kollektiven Bewusstsein, vor allem natürlich Italiens, das sich heute noch schämt, seiner zu erinnern. Sein gewaltsamer Tod habe in Italien fast den Anschein eines Ritualmords angenommen: „Er war quasi die Strafe für die Verletzung gesellschaftlicher Tabus.“ Der Appell an die Nachgeborenen kann aber mit den Worten Pasolinis nur lauten: „Macht weiter, was Ihr bisher gemacht habt: Besteht unerschrocken, dickköpfig, immer in Opposition auf dem Anderen, schreit danach, identifiziert Euch damit; macht Skandale; lästert, flucht“.

Fabien Kunz-Vitali zu
Pier Paolo Pasolini: Vom Verschwinden der Glühwürmchen
104 Seiten
ISBN: 978-3-944233-43-7
Laika Verlag, März 2015, Preis: 9,90 €

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-05-13)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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